/// Rubrik: Stadtleben

Von Risiken und Nebenwirkungen

Kreuzlingen – 130 Schülerinnen und Schüler der PMS in Kreuzlingen diskutierten mit Politikern über Sinn- oder Unsinn von Subventionen und Lenkungsabgaben.

Thomas Götting (BAFU), Nationalrat Thomas Böhni (GLP) und   Kohl (Swissmem, v.l.) auf dem Podium. (Bild: zvg)

Thomas Göttin (BAFU), Nationalrat Thomas Böhni (GLP) und Jean-Philippe Kohl (Swissmem, v.l.) auf dem Podium. (Bild: zvg)

«Die Pädagogische Maturitätsschule bietet aufgrund ihres Profils kein Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht an», erklärt Lehrer Adrian Buholzer. «Aber die Themen sind uns so wichtig, dass wir jeweils in den dritten und vierten Klassen Sonderwochen anbieten, in denen wir Wissen vertiefen können.» In diesem Jahr lautete das Motto der Wirtschaftswoche «Wirtschaft – Ökologie – Gesellschaft».

Um zu verdeutlichen, in welchem Spannungsfeld diese Bereiche zueinander stehen, hatte die PMS den Thurgauer Nationalrat Thomas Böhni (GLP), Dr. Jean-Philippe Kohl von Swissmem und Thomas Göttin vom Bundesamt für Umwelt eingeladen. Auf dem Podium im Dreispitz diskutierten sie miteinander und mit den Schülern.

Ökologischer Fussabdruck
Der ökologische Fussabdruck der Schweiz war dabei eines der Hauptthemen. «Wir verbrauchen in der Schweiz so viele Ressourcen, als ob wir eine zweite oder sogar dritte Erde in Reserve hätten», postulierte Thomas Göttin in seinem Eingangsstatement. Eine «Grüne Wirtschaft» wie sie beim Umweltgipfel in Rio gefordert worden war, sei eigentlich zwingend. Als Vertreter der Maschinenbau-, Elektro- und Metall-Industrie hatte Jean-Philippe Kohl gegenüber den jungen Leuten einen schweren Stand. «Wenn wir den ökologischen Fussabdruck verkleinern wollen, müssen wir das über Effizienzsteigerungen tun», mahnte er. «Ansonsten müssten wir gleichzeitig einen tieferen Lebensstandard akzeptieren.» Auch Thomas Böhni sprach sich für Forschung und Entwicklung im Bereich des Umweltschutzes aus. Er glaube aber nicht an freiwillige Massnahmen. «Die Menschen sparen keinen Strom, weil er zu billig ist», sagt er. «Eine Lenkungsabgabe wäre hier sinnvoll.»

Die Podiumsdiskussion war für die Schüler ein Highlight unter vielen. Neben Unternehmensbesichtigungen, die interessante Einblicke in die Praxis der Ökonomie vermittelten, gab es in diesem Jahr zum ersten Mal ein Wirtschaftsplanspiel. «Ich bin bei einer Weiterbildung der Ernst-Schmidheiny-Stiftung darauf gestossen», sagt Adrian Buholzer. «Das Spiel zeigt die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Ökologie ganz wunderbar – wir Kollegen mussten uns nur überlegen, ob wir uns die Durchführung zutrauen.» Sehr zur Freude der Schüler haben sich die Lehrer entschlossen, die viele Arbeit zu übernehmen.

In sieben Gruppen aufgeteilt
Die Schüler teilten sich in sieben Gruppen und übernahmen die Rolle der Politik, der Unternehmen oder der Konsumenten. In drei Spielrunden trafen sie auf Basis von gegebenen Rahmendaten Entscheidungen. Die Lehrer fütterten mit diesen Daten eine Software, die die Konsequenzen der unterschiedlichen Entscheidungen errechnet. Die «Regierung» musste sich zum Beispiel der Frage stellen, welche Auswirkungen es auf Wirtschaft und Umwelt hat, wenn man die Strassenverkehrsabgabe um 50 Rappen erhöht.

«Wir haben dabei gelernt, dass man es nie allen recht machen kann», sagt eine der Politikerinnen auf Probe. «Und manchmal kommt es auch ganz anders raus als geplant.» «Es macht aber auch einfach Spass», ergänzt Mario Millhäusler, der Unternehmensleitung gespielt hat und sich durchaus auch vorstellen kann, das später ernsthaft zu betreiben. Das ist für Rahel Steffen keine Option: «Ich war überrascht, was man alles bedenken muss. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass das Marketing so einen grossen Einfluss auf mein Geschäftsergebnis hat.»

Zu erkennen, welche Wirkungen und Nebenwirkungen politische oder wirtschaftliche Entscheidungen haben, war eines der Lernziele der diesjährigen Wirtschaftswoche der PMS. «Es gibt hier keine einfachen Antworten», lautete das Schlusswort von Adrian Buholzer. «Aber es ist wichtig, die komplexen Zusammenhänge immerhin wahrzunehmen.»

 

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.