/// Rubrik: Kultur

Von Bottighofen in die Welt hinaus

Bottighofen – Daniel V. Keller hat seine Kunstwerke bereits in Amsterdam, Wien und New York ausgestellt. Für Experimente und Inspiration kommt er jedoch immer wieder nach Bottighofen zurück.

«Preserved Consequences», eine Arbeit von Keller, die er an den Swiss Art Awards ausgestellt hat. Der vermeintliche Stein ist ein erhitzter und verformter Styroporblock. (Bild: Guadalupe Ruiz)

«Preserved Consequences», eine Arbeit von Keller, die er an den Swiss Art Awards ausgestellt hat. Der vermeintliche Stein ist ein erhitzter und verformter Styroporblock. (Bild: Guadalupe Ruiz)

Bottighofen. Muskulös und tätowiert, in Tanktop und mit Arbeiterhänden begrüsst mich Daniel V. Keller. Er sieht nicht aus wie der typische Künstler unserer Neuzeit, und schon gar nicht wie der Erschaffer seiner oft filigranen Kunst. Erst wenn er über seine Arbeit spricht, erkennt man die kreative Ader in ihm. 
Zurzeit experimentiere er gerade viel mit Metall. Deshalb ist er auch in der Werkstatt seines Vaters in Bottighofen zu gange, bei der Hansjörg Keller GmbH. Ein Kollege von ihm schleift an einer langen Metallstange herum, während wir miteinander sprechen.

Von Porzellan zu Stahl
Keller studierte in Bern Keramik-Design und machte anschliessend seinen Bachelor in Amsterdam. Dort stellte er seine Werke aus und bekam auch einiges an Aufmerksamkeit. In der Schweiz war er jedoch noch weitgehendst unbekannt, bis er sich für den Kiefer Hablitzel Preis bewarb. Sein Projekt schaffte es in die Endausscheidung und wurde von der Jury der bedeutensten Schweizer kulturellen Stiftungen mit 15000 Franken prämiert. «Das hat sehr geholfen auch in der Schweiz bekannt zu werden», sagt Keller. Und durch das Preisgeld habe er einiges an Luft bekommen, weiter an seine Kunst zu werkeln.

Erinnerungen im Material
Diese wirkt auf den ersten Blick plump und abstrakt. Doch sobald man erkennt, aus welchen Materialien und in welcher Zusammensetzung die Stücke vor einem liegen, beginnt das Nachdenken. «Ich bin ein  sehr visueller und haptischer Mensch», erklärt Keller seine Leidenschaft für Materialkunst. Diese entsteht meist aus einer Idee oder einem Konzept heraus. «Ich zwinge meine Interpretation dem Betrachter aber nie auf», so Keller zu seinen Ausstellungen. «Das ist gerade das Tolle an Kunst. Die Materialien lösen bei den Betrachtern verschiedene Erinnerungen und Assoziationen aus.» Den einzigen Hinweis zu seiner Referenz gibt er durch den Titel.

Unbekannte Gefilde
Das seine Kunst universell gelesen werden kann, ist möglicherweise der Grund dafür, warum sein Schaffen so geschätzt wird. Er selber kann sich seinen derzeitigen Erfolg nicht so recht erklären. «Ich bin halt ein krankhafter Perfektionist», gesteht Keller.  Die Leute hätten seine Werke gesehen und es gab einen Diskurs darüber. Und sobald es einmal anfängt zu rollen in der Kunstszene, werde man an andere Ausstellungen eingeladen. «Hinzu kommt, dass ich immer versuche innovativ zu sein. Mit Materialien zu arbeiten und kombinieren, wie es vorher noch niemand gemacht hat.» In unbekannte Richungen zu gehen sei auch sein Anspruch an sich selbst als Künstler. Dabei greife er oft kritische Themen wie die Verschmutzung der Meere auf oder unser Umgang mit Tieren auf. «Durch meine Arbeit wird sich die Welt aber nicht verändern», sagt er nüchtern.

Synthetische Natur
Zurzeit beschäftigt ihn die moderne Architektur, welche jeder vor sich sehe. «Die neuen Bauten betonieren zuerst alles, und versuchen danach wieder Natürlichkeit herzustellen.» Eine Spannung, die er versucht in seiner Kunst darzustellen. Dieses Interesse an der Beziehung zwischen der Natur und Künstlichkeit kommt wahrscheinlich von seiner Kindheit im Thurgau. Er schätzt es sehr, dass er vom Land in die Stadt gezogen ist. Das habe ihn auf das Thema sensibilisiert. «Schon als Kind habe ich immer an Sachen rumgebogen», erinnert er sich. Auch heute noch kommt er zurück in die Werktstatt seines Vaters, um mit Materialien experimentieren zu können. Sein Vater habe ausserdem eine riesige Freude daran, ihm etwas zeigen zu können.

Kurzweiliges Glück
Seit eineinhalb Jahren lebt Keller wieder in Zürich, arbeitet an eigenen Projekten und assistiert dem Zürcher Künstler Raphael Hefti. Sein nächstes Projekt steht dann wieder im Ausland an. In der Nähe von Los Angeles in den USA wird er zuerst in einer Keramikresidenz neue Werke fertigstellen, welche dann im Oktober in New York ausgestellt werden. Im Dezember  geht es dann mit einer Gruppenausstellung Museo d`Arte di Lugano weiter. Das Schöne an seinem Beruf sei es, nie wirklich fertig zu sein. «Sobald ich eine Arbeit beendet habe bin ich kurz glücklich, doch dann kommt mir bereits die nächste Idee, die ich realisieren will.»

Daniel V. Keller in der Werkstatt seines Vaters in Bottighofen.(Bild: ek)

Daniel V. Keller in der Werkstatt seines Vaters in Bottighofen. (Bild: ek)

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