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Meilenstein für Schule Bernrain

Kreuzlingen – Die Schule Bernrain stellt sich mit ihrem landwirtschaftlichen Betrieb in den Dienst verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher. Ihren hohen Anspruch möchte die Einrichtung auch künftig beibehalten und stellt dafür die Weichen.

Die Schule Bernrain für verhaltensauffällige Schüler existiert seit mehr als 170 Jahren. Mit persönlichem Einsatz und Investitionen in Millionenhöhe stellen sich (v. l.) Rainer Sigrist, Martin Huber (Aufsicht), Remo Berger (Pächter Bernrain), Jakob Zähner (Aufsicht), Marcel und Rebecca Gerber (Pächter Brunnegg), René Imesch (Präsident Aufsicht) sowie Schulleiter Thomas Bücheler den künftigen Herausforderungen. Kritik gab’s indes am Stadtrat. (Bild: Thomas Martens)

Die Schule Bernrain für verhaltensauffällige Schüler existiert seit mehr als 170 Jahren. Mit persönlichem Einsatz und Investitionen in Millionenhöhe stellen sich (v. l.) Rainer Sigrist, Martin Huber (Aufsicht), Remo Berger (Pächter Bernrain), Jakob Zähner (Aufsicht), Marcel und Rebecca Gerber (Pächter Brunnegg), René Imesch (Präsident Aufsicht) sowie Schulleiter Thomas Bücheler den künftigen Herausforderungen. Kritik gab’s indes am Stadtrat. (Bild: Thomas Martens)

René Imesch, Präsident der Aufsichtskommission, nennt das Vorhaben einen «Meilenstein» in der langen Geschichte der Einrichtung. 35 Schülerinnen und Schüler im Alter von sechs bis 16 Jahren werden in der Schule betreut, die Hälfte wohnt auch dort. «Es handelt sich dabei um verhaltensauffällige Kinder, die nicht in Regelschulen integriert werden können», sagt Schulleiter Thomas Bücheler. Die Zielgruppe 16 bis 18 Jahre werde bis anhin nicht abgedeckt, dies soll sich aber jetzt ändern.

Neue Pächter
Ein Legat der Vetterli AG Kreuzlingen in Höhe von knapp vier Millionen Franken machte es möglich, den Gutsbetrieb Brunnegg von der Familie Binswanger zu erwerben. Hier soll in enger Zusammenarbeit mit dem neuen Pächterehepaar Rebecca (30) und Marcel Gerber (29) aus Raperswilen das Sozialprojekt «Leben, Arbeiten, Wachsen» für acht Jugendliche entstehen. «Wir bieten hier begleitetes Wohnen und Arbeiten», so Bücheler. Damit soll jungen Menschen, die aufgrund geringer Kompetenzen sowie fehlender Arbeitshaltung in der Berufswelt keinen Fuss fassen konnten, eine Perspektive gegeben werden.

Mit dem Kreuzlinger Remo Berger (31) konnte auch ein neuer Pächter für den Landwirtschaftsbetrieb der Schule gefunden werden. Dank seiner bisherigen Tätigkeiten auf dem Ekkharthof Lengwil und als Klassenassistenz in der Schule Bernrain hat er bereits Erfahrung in der Arbeit mit lernschwachen und auffälligen Kindern.

Um den wachsenden Aufgaben und zeitgemässen Anforderungen von Schule, Heim und Hof gerecht zu werden, investiert die Schule Bernrain in den nächsten Jahren insgesamt 15 bis 20 Millionen Franken. Die Schulanlage wurde zuletzt vor 25 Jahren vollumfänglich renoviert. Das Internats- und Mehrzweckgebäude ist jetzt wieder an der Reihe, ebenso das Schulhaus, das zudem erweitert wird. Zuschüsse gibt es vom Kanton Thurgau.

Kritik am Kreuzlinger Stadtrat
Die Schule Bernrain pachtet wie bisher Landwirtschaftsland der Rüllen AG beim Schloss Brunnegg, möchte dieses aber kaufen. Im sistierten Rechtsverfahren um diese «Schlosswiese» trat die Aufsichtskommission mit einer «guten Idee» unter anderem an den Kreuzlinger Stadtrat heran.

Der Vorschlag beinhaltet die teilweise Auszonung von Bauland, die Reduktion des Bauvolumens im Bereich Schloss Brunnegg und im Gegenzug eine entsprechende Einzonung von landwirtschaftlichem Land zur Wohnbebauung im Bereich Bernrain. Kommissionsmitglied Rainer Sigrist ist sich sicher, dass durch diesen Kompromissvorschlag «Schadenersatzforderungen an die Stadt Kreuzlingen von rund sechs Millionen Franken wegen materieller Enteignung infolge der drei Volksabstimmungen» abgewendet werden können.
Sigrist wirft dem Stadtrat allerdings langsames Arbeitstempo vor. Die bisherigen Gespräche hätten noch zu keinen konkreten Ergebnissen geführt. Der Stadtrat kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen. Stadtammann Andreas Netzle teilte auf Anfrage mit, dass die Lösung mit fachlicher Unterstützung der Bauverwaltung Kreuzlingen ausgearbeitet worden sei. «Der Stadtrat hat sich in einem Grundsatzentscheid zu dieser Lösung bekannt.»

Anschliessend hat er den Vorschlag den Rekurrenten gegen die sistierte Teilrevision des Gestaltungsplanes Ribi-Brunnegg vorgelegt, um sie von dessen Sinn und Nutzen für eine nochmals reduzierte Bebauung der Schlosswiese zu überzeugen. Die Rekurrenten hätten jedoch als Bedingung ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege EKD verlangt. Eine Augenscheinnahme findet am 4. Dezember statt.

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