/// Rubrik: Kultur

Kreuzlinger Autor liest aus Debüt

Kreuzlingen – Ein Heimspiel für Christian Rechsteiner: Am Freitag stellt der Kreuzlinger Schriftsteller nach erfolgreicher Lesetour seinen Debüt-Roman nun im Horst Klub vor. (Judith Schuck)

Offizielles Portrait des medienscheuen Autors Christian Rechsteiner.(Bild: zvg)

Offizielles Portrait des medienscheuen Autors Christian Rechsteiner. (Bild: zvg )

«Das Weinberger Archiv» ist im sympathischen Muskat Verlag erschienen und hält den Leser über 331 Seiten geistig auf Trab. Wer eine stringente Story sucht, tut dies allerdings vergeblich. Dafür gibt es viele Überraschungen beim Lesen.

Existenzialistisch angehaucht
Im existentialistisch angehauchten Roman nimmt der Autor zahlreiche Bezüge auf Literatur, Geschichte und Philosophie, fiktive und historische Figuren. Grenzen von Raum und Zeit sind dabei stets unsicher: der Protagonist Thomas Weinberger ist wie der Autor selbst 1976 geboren, aber gleichzeitig lebte er von 1676 bis 1919. Beim Lesen wird zunehmend klar, dass diese Kategorien letztlich egal sind, denn es geht hier um etwas Universelles, zutiefst Menschliches. So wie Orte und Zeitpunkte unsicher und somit vieldeutig werden, so sind es die interessanten Personen, die im Buch auftauchen: Der Wirt Jonas Kant zum Beispiel, dessen Bar «Im inneren des Wales» heisst, verkörpert gleich zwei prominente Figuren: den biblischen Jona, der wegen seines Ungehorsams gegenüber Gott ins Meer geworfen und dort von einem Wal verschlungen wird; beim Nachnamen Kant kommen die erkenntnistheoretischen Ansätze des gleichnamigen Philosophen zum tragen, und zwar dass unser Wissen und unsere Wahrnehmung von Welt immer mit unseren Vorkenntnissen und den Begriffen, mit denen wir denken, in Zusammenhang stehen.

Generell spielt Rechsteiner viel mit Vorstellungswelt und Sprache. Wie nehmen wir uns und unsere Umwelt wahr? Wer sind wir? Wie können alltägliche Grenzen überschritten werden, damit wir unsere Wahrnehmungsfähigkeit erweitern können? Das Vorgehen der Hauptfigur, über seine Identität nachzudenken, einmal über die Person, die er im Spiegel betrachtet und schliesslich wie er sich ohne dieses Bild selbst erfährt, regt wohl jeden Leser an, ein wenig über sich selbst zu reflektieren; doch kommt hier auch deutlich die Psychoanalyse Freuds und mit den Spiegelbetrachtungen dann Lacan zum Vorschein.

Aber was ist in denn nun in dem Aktenkoffer, den Weinberger mit sich rumträgt? Diese und viele andere Fragen kann uns der Autor nun persönlich in gemütlichem Ambiente beantworten.

Lesung mit Pascal Beer (Muskat Media) und Christian Rechsteiner
Freitag, 12. Dezember, 21 Uhr
Horst Klub, Kirchstrasse 1, 8280 Kreuzlingen

 

 

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