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Ökumene erhält neuen Schwung

Kreuzlingen – Mit einem gemeinsam durchgeführten Gottesdienst am 30. August bringen die evangelische Kirchgemeinde, beide katholische Gemeinden und vier evangelische Freikirchen frischen Wind in die Kreuzlinger Ökumene. Grundlegender gemeinsamer Nenner ist ihnen die Diakonie, also der Dienst am Menschen.

(V.r.) Der evangelische Pfarrer Damian Brot und Gemeindemitglied Silvia Rubin, Simon Hänel (Chrischona), die katholische Seelsorgerin Susanne Altoè, Pastor Elijah Morgan (Bodenseekirche), Florian Meis (Father’s House), der katholische Pastoralassistent Ivan Traijkov und Hans Buser (Vineyard Lakeside). (Bilder: sb)

(V.r.) Der evangelische Pfarrer Damian Brot und Gemeindemitglied Silvia Rubin, Simon Hänel (Chrischona), die katholische Seelsorgerin Susanne Altoè, Pastor Elijah Morgan (Bodenseekirche), Florian Meis (Father’s House), der katholische Pastoralassistent Ivan Traijkov und Hans Buser (Vineyard Lakeside). (Bilder: sb)

«Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns näher sind als gedacht», berichtet Pfarrer Damian Brot, evangelischer Pfarrer von Kurzrickenbach. «Wir haben ähnliche Themen, Probleme und Ziele.» Diese Gemeinsamkeiten der verschiedenen Kreuzlinger Kirchen seien im Theologenforum zu Tage getreten, welches auf Betreiben der Vineyard Gemeinde, aber auch angestossen von Pfarrer Brot selbst, seit ungefähr eineinhalb Jahren genutzt wird. Hier treffen sich die studierten Theologen der Gemeinden – allesamt «moderatere Vertreter, keine Extremisten», so Brot. «Was uns eint, ist der diakonische Gedanke. Wir wollen alle Gemeinden sein, die etwas bewegen.» Diakonie sei in diesem Sinne als Hilfe für den Menschen zu verstehen.

Als Beispiel nennt Brot die verschiedenen, gemeinnützigen Projekte, etwa das Projekt Arche der Chrischona, der Open Place der Evangelischen oder die Kinderprojekte der Katholiken.

«Das Leben feiern»
Passend wurde denn auch der Name für einen ersten gemeinsamen Gottesdienst gewählt: «Das Leben feiern» wollen die Gläubigen am 30. August um 9.45 Uhr in der evangelischen Kirche Kreuzlingen. «Kirchen für Kreuzlingen» nennt sich der für die Organisation zuständige Zusammenschluss. Der Kreis der Theologen wurde dazu durch Gemeindemitglieder erweitert. Der Gottesdienst findet in der evangelischen Kirche statt, weil diese mit dem Team-Gottesdienst schon ein geeignetes Gefäss biete, so Brot. Der Anlass sei so etwas wie der Anfang von weiteren Anstrengungen der Kreuzlinger Kirchen, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.
Dass beide katholischen Gemeinden mit an Bord sind, war Pfarrer Brot und ebenso den Vertretern der Freikirchen ein wichtiges Anliegen. Es stiess auf Gegenliebe: «Mir war die Ökumene immer schon eine Herzensangelegenheit», berichtet Susanne Altoè, Seelsorgerin von St. Ulrich. Auch Pfarradministrator Alois Jehle – er wurde bereits mehrfach kritisiert, da er angeblich seit seinem Amtsantritt die Ökumene torpediere – stehe hinter dem Projekt und sehe viele Gemeinsamkeiten. Obwohl Altoè einräumt, dass es in der Vergangenheit teilweise etwas «holprig» gelaufen sei. Ivan Trajkov, Pastoralassistent von St. Stefan, sieht hingegen eine seit Jahren gelebte Ökumene in seiner Gemeinde. «Weil wir viel mit Tägerwilen und Kemmental zusammenarbeiten, wird das vielleicht nicht immer so stark wahrgenommen.»

Mehr als nur ökumenisch Bratwurst bräteln
Neu ist auf jeden Fall, dass so viele Kirchen zusammenspannen. «Wir wollen einen Mehrwert für die Besucher schaffen», erklärt Pfarrer Brot. Deswegen war jede Gemeinde aufgefordert, sich ihrer spezifischen Stärken zu besinnen und diese dann in den Gottesdienst einzubringen. «Unsere Stärke ist die Offenheit», so Brot. «Wir sind dogmatisch nicht so festgelegt.» Die Evangelische Kirche habe so eine Schlüsselposition in der Ökumene. Brot fühle sich verantwortlich, verschiedene Räume zu öffnen.

Verschiedene Stärken
Die Bodenseekirche hingegen hat viel Erfahrung bei Kinderprojekten. «Wir werden an diesem Sonntag das Kinderprogamm gestalten. Es freut uns, zusammen mit anderen Kirchen diakonisch zu wirken», so Pastor Elijah Morgan. Die Chrischona-Gemeinde führt ein Kinderlobpreisgebet durch und biete Spiele für Kinder im Gemeindehaus an. An Erwachsene richten sich die Beiträge der zwei weiteren Freikirchen. Gottesdienstbesucher mit besonderen Anliegen können im Anschluss mit Father’s House-Mitgliedern beten. Den Kreativteil gestaltet die Vineyard Lakeside Gemeinde. Vertreter aller Gemeinden kommen nach vorne an’s Kreuz und werden symbolisch in die Stadt entsendet. Denn darin sind sich die Vertreter der Freikirchen einig: Sie wollen relevante Gemeinden sein, die sich nicht isolieren, die nach draussen gehen und den Menschen Mut machen wollen, ihr Leben Gott anzuvertrauen.
Susanne Altoè ist überzeugt, von den Freikirchen und den Reformierten lernen und gegenseitig profitieren zu können. Es gehe auch darum, Vorurteile zu überwinden. Es sei erfreulich, wenn alle christlichen Konfessionen im Glauben zusammenstehen. «Wir wollen den Individualismus in der heutigen Gesellschaft sprengen», erklärt Pastoralassistent Trajkov. «Von den Freikirchen können wir lernen, neue Wege zu beschreiten.»

Ein Pfarrer mit Vision
Wenn es nach Pfarrer Damian Brot geht, soll die Zusammenarbeit jedenfalls intensiviert werden. «Ich sehe eine grosse Kirche, mit einem grossen Sozialprogramm. Grosse Vielfalt, unter einem Dach», liess er die Teilnehmenden am Ende der Pressekonferenz an seiner Vision teilhaben.

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