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Zeit schenken

Thurgau – Wer hilft, wenn es nichts mehr zu helfen gibt? Wer schenkt Zeit und Kraft in Stunden der tiefsten Trauer? Wer ermöglicht eine Auszeit, wenn die Belastung am grössten ist? Diesen Fragen gingen vor nun fast zehn Jahren zwei Thurgauerinnen nach. Entstanden ist der Hospizdienst Thurgau, welcher schwer kranken, sterbenden Menschen oder Personen in palliativen Situationen Unterstützung anbietet. Und das alles kostenlos und auf freiwilliger Basis.

Lebensabend-Damaris

Der Hospizdienst bietet auch in den letzten Stunden Entlastung. (Bild: Damaris)

Viele wollen ihre Lieben bis zum Schluss daheim behalten und die letzten Stunden mit ihnen verbringen. Das kann bei schwer kranken Patienten jedoch ein anstrengendes Unterfangen sein. «Unsere Hauptaufgabe besteht darin, die Angehörigen zu entlasten, damit diese auch wieder einmal durchschlafen oder im Turnverein Ablenkung suchen können», sagt Marina Bruggmann. So sind die Helferinnen und Helfer vom Hospizdienst nicht nur für die Sterbenden da, sondern hören auch den Betroffenen und Verwandten zu und schenken ihnen Kraft.

Einen solchen Dienst gab es vor zehn Jahren noch nicht im Thurgau. «Es bestand grosser Bedarf für solch ein Angebot», erinnert sich Bruggmann zurück. Sie ist die Koordinationsleiterin beim Hospizdienst Thurgau und bearbeitet Unterstützungsanfragen und leitet diese an die geeigneten freiwilligen Helfer weiter. Im ganzen Thurgau werden diese gebraucht und auch ausgesandt. «Bei uns kann man aber auch ohne Auto mitmachen», erklärt die gelernte Pflegefachfrau.

Mit ihrem Angebot stellt der Hospizdienst kein Konkurrenzangebot zu anderen Diensten wie zum Beispiel der Spitex dar, sondern ist eine Ergänzung zu den Fachangeboten. «Es ähnelt viel mehr einem freundschaftlichen Nachbarschaftsdienst», erklärt Bruggmann. Wer als Freiwilliger Einsätze Leisten möchte, braucht keine spezielle Ausbildung. Nur bei der Begleitung von schwer kranken Kindern und Jugendlichen ist eine speziell dafür konzipierte Schulung im Vorfeld vorgeschrieben. «Denn das ist nicht der gewohnte Weg der Welt.»

Marina Bruggmann, Leiterin Koordination im Hospizdienst Thurgau. (Bild: ek)

Marina Bruggmann, Leiterin Koordination im Hospizdienst Thurgau. (Bild: ek)

Doch was bewegt die Freiwilligen ihre Zeit zu schenken, um in belastanden Zeiten Unterstützung zu bieten. «Oft haben unsere Mitglieder selber erlebt, wie wertvoll ein Hospizdienst sein kann und wollen nun etwas von dieser geschenkten Zeit zurückgeben.»  Damit die Erfahrungen nicht zur Belastung werden, treffen sich die Freiwilligen einmal im Monat, sprechen über ihre Erlebnisse und tauschen sich aus.

Finanziert wird der Dienst vorwiegend durch die Mitgliederbeiträge, Spenden, einen Kantonsbeitrag und durch Unterstützung der beiden Landeskirchen. Denn er ist für jeden, unabhängig von Konfession oder Staatszugehörigkeit, kostenlos. «Jedoch sind die Einsätze pro Familie begrenzt auf maximal drei Besuche», so Bruggmann. Sollte weitere Unterstützung von Nöten sein, dient der Hospizdienst auch als Vermittler an weitere Entlastungsdienste wie der Krebsliga oder SRK-Entlastungsdienst. Es kann auch vorkommen, dass Freiwillige monatelang keinen Anruf erhalten und dann spontan für einen Einsatz angefragt werden. «Man darf aber jederzeit Nein sagen» so Bruggmann, welche sich nicht nur um das Wohlbefinden der Kranken, sondern auch um das ihrer Mitglieder sorgt.

Zurzeit sucht der Hospizdienst Thurgau noch weitere Freiwillige, damit alle Unterstützungsanfragen im ganzen Thurgau abgedeckt werden können. Interessierte können sich direkt bei der Koordinationsstelle unter der Telefonnummer 071 940 07 90 melden.

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