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Ein Holocaust ging vergessen

Berg – Die Historikerin Gabriele Yonan hielt in Berg einen Vortrag über die Vernichtung der christlichen Syrer und rief damit einen vergessenen Völkermord ins Bewusstsein. (Simona Altwegg, Evangelische Landeskirche)

Referentin Gabriele Yonan. (Bild: zvg)

Referentin Gabriele Yonan. (Bild: zvg)

Verdrängt und verfolgt: Syrische Christen mussten vor rund hundert Jahren im Gebiet der heutigen Südosttürkei schlimme Massaker über sich ergehen lassen. Über diesen Völkermord referierte am Montagabend, 25. April, die Berliner Historikerin und Publizistin Gabriele Yonan in der evangelischen Kirche in Berg. Rund 80 Interessierte hörten gespannt zu, darunter einige, die selbst Grosseltern und Urgrosseltern in jener Zeit verloren hatten.

Geschehen und vergessen
Gabriele Yonan sprach von einem vergessenen Holocaust. Die damaligen rund 1,5 Millionen christlichen Assyrer wurden enteignet, vertrieben, vernichtet oder zwangs-islamisiert. Fast die Hälfte ist umgekommen. Der Genozid geschah gleichzeitig mit dem Völkermord an den Armeniern und der Verfolgung der Griechen. Die christlichen Assyrer bildeten also eine Minderheit der Minderheit und rückten in den Schatten der anderen Völker. Erst seit einigen Jahren entstehe hierzulande ein Bewusstsein für die Gräueltaten. «Dies ist ein bekannter Prozess», sagte Gabriele Yonan, «die ersten Generationen haben geschwiegen – genau wie bei der Judenvernichtung.»

Diskussion mit Betroffenen
Nach dem Referat blieb Zeit für Fragen und Diskussionen. Die Veranstaltung wurde von zahlreichen Syrern besucht, deren Vorfahren selbst das Schicksal miterlebt haben. Im Thurgau leben mehr als hundert betroffene Familien. Auch Armenier nahmen am Anlass teil, wie sich in der anschliessenden Diskussion herausstellte. Inzwischen herrscht zwischen den Opfern – Syrern, Griechen und Armeniern – Solidarität. Sie alle warten darauf, dass Schuldige die Massaker anerkennen.

Unterstützung für Bedrängte
Der Vortrag wurde von der evangelischen Landeskirche Thurgau organisiert. Sie setzt sich seit längerem für bedrängte und verfolgte Christen ein und hat auch eigens dafür eine Kommission gegründet. Kirchenrat Lukas Weinhold präsidiert sie. Für ihn steht fest: «Auch im 21. Jahrhundert gibt es leider viele bedrängte Kirchen. Sie wollen wir unterstützen.»

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