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25 Jahre Spielgruppenverein in Kreuzlingen

Kreuzlingen – Wochentags um 8.30 Uhr. Im Obergeschoss des historischen Gewerbehauses in der Säntisstrasse ist es noch ruhig. Zwei Spielgruppenleiterinnen bereiten in ihren Räumen das heutige Programm vor. Kleine Stühle werden gerückt, bunte Farbbecher mit Pinseln auf die niedrigen Tische gestellt, Malschürzen parat gelegt.

Basteln im Spielgruppenverein. (Bild: archiv)

Im Nebenraum werden Legespiele an den Plätzen verteilt. Kurz darauf hört man erste helle Stimmchen im Treppenhaus. Die Strassenschuhe werden gegen bunte Finkli getauscht. Langsam füllen sich die Gruppenräume und der Geräuschpegel steigt. Aber nur bis die Mamis gegangen sind. Denn jetzt geht es erst richtig los.

In den insgesamt acht Gruppen des Spielgruppenvereines sieht es bis hierher eigentlich ganz ähnlich aus. Die Spielgruppenleiterinnen haben jedoch ganz unterschiedliche Konzepte und jede darf ihre individuelle Stärke und Kompetenz in ihrer Gruppe so einsetzen, dass es für alle stimmt. Die Umsetzung der Vorhaben hängt aber tagtäglich von den Kindern ab. An manchen Tagen harmoniert eine Gruppe wunderbar, an anderen braucht es in derselben Gruppe viel Einfühlungsvermögen und Gelassenheit zugleich. Wenn nach den Sommerferien die neuen Gruppen starten, gibt es wieder ganz neue Konstellationen. Die Kinder dort abzuholen, wo sie gerade stehen und die verschiedenen Charaktere in eine Gruppe zu integrieren ist jedes Jahr aufs Neue eine spannende Aufgabe. Die Anmeldungen für die Spielgruppen ab Sommer 2017 sind bereits im vollen Gange. Je eher man sich meldet, desto grösser ist natürlich die Auswahl, besonders wenn man bereits genaue Vorstellungen hat, welche Gruppe am besten zu seinem Kind und den Bedürfnissen der Familie passt.

Die ersten Kinder sind mit ihrem Kunstwerk fertig. Malschurz aus und ab auf das kleine Klettergerüst. Schnell finden sich noch ein, zwei Gspännli hier ein. «Mögt Ihr Euch eine Höhle bauen?» Die Spielgruppenleiterin schwingt ein grosses Tuch über die igloförmigen Streben und die Kinder holen sich ein paar Kissen, um ihr Geheimversteck einzurichten. Ein paar andere stürzen sich in die Bauecke und weitere suchen sich mit kleinen Baumaschinen und Kippern ihre ganz persönliche Grossbaustelle auf dem Strassenteppich.

Der Vorstand des Spielgruppenvereins im Jahre 2014. (Bild: zvg)

Solch ein Szenario war vor 25 Jahren der Traum einer kleinen Gruppe engagierter Menschen in Kreuzlingen. Die Gründer des Spielgruppenvereins, allen voran Monika Ottmer, waren 1992 die hiesigen Pioniere in der Organisation der Kleinkindbetreuung. Die Idee bestand darin, Kindern vor dem Kindergarteneintritt einen Ort zu schaffen, wo sie mit Gleichaltrigen zum Spielen, Basteln und Singen zusammenkommen und dabei professionell und liebevoll betreut werden. Die Anzahl der Kinder pro Familie verringerte sich in den vergangen Jahrzehnten zunehmend. Grossfamilien mit fünf oder mehr Kindern sind zur Seltenheit geworden und der Kindergarteneintritt findet frühestens mit vier Jahren statt. Dabei ist der regelmässige Kontakt mit anderen Kindern enorm wichtig für die Entwicklung des sozialen Bewusstseins. Als weiterer Aspekt galt es den Eltern dieser Kinder einen kleinen zeitlichen Freiraum zu bieten. Es gab damals nur wenige Angebote und diese waren meist recht kostenintensiv, da sie in erster Linie für berufstätige Eltern gedacht waren. Im Verein jedoch sollte jede Familie die Möglichkeit haben, ein kurzzeitiges Betreuungsangebot wahrzunehmen. Die Bemühungen haben sich gelohnt. Schnell sprach es sich herum, dass es nun ist Kreuzlingen die Spielgruppe gäbe. Nach und nach kamen mehr Gruppen dazu und das Angebot variierte über die Jahre.

Im vergangenen Vierteljahrhundert haben viele Spielgruppenleiterinnen und noch viel mehr Freiwillige ihre Ideen in den Verein eingebracht, Teile von ihm umgestaltet und modernisiert aber das Grundkonzept ist bis heute gleich geblieben. Die Leitung des Vereins besteht aus einem kleinen Team von engagierten Eltern, die ehrenamtlich den Vereinsvorstand bilden. Da sich die Interessen mit dem Heranwachsen der Kinder verändern, findet alle paar Jahre ein Wechsel der Vorstandsmitglieder statt, oftmals Jahre nachdem ihre Kinder die Spielgruppe besucht haben. Dadurch gehen regelmässig wichtige Erfahrungsträger verloren, aber es rücken auch Eltern nach, die neue Ideen und Ideologien haben und die Dinge einmal ganz anders anpacken als bisher. So bleibt der Verein in Bewegung.

Nadine Rüegg ist über die Krabbelgruppe zum Spielgruppenverein gekommen. Heute ist sie seine Präsidentin. Doch auch ihr Jüngster wird in diesem Jahre in den Kindergarten übertreten. Es wäre schön, wenn sich Eltern von jenen Kindern, die aktuell eine Spielgruppe besuchen, für die Vorstandsarbeit melden würden. Es ist dringend notwendig den direkten Bezug zu den verschiedenen Spielgruppen zu erhalten. Die Arbeit für den Verein ist und bleibt spannend, da man immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt wird. Vor 20 Jahren hat der Vorstand des Spielgruppenvereins Kreuzlingen einen neuen Schritt gewagt und seinen Standort in Tägerwilen eingerichtet. Das Dorf wuchs und mit ihm der Bedarf an Kinderbetreuung. Bis heute gibt es drei Spielgruppen in Tägerwilen und bald folgt eine vierte. 2014 hat man beschlossen sich in Spielgruppenverein Kreuzlingen und Tägerwilen umzubenennen, für eine klare Definition und die Identifikation der Tägerwiler mit dem gemeinsamen Verein.

«Wir möchten uns ganz herzlich bei all unseren Vorgängern und unseren aktiven Freiwilligen sowie bei allen Mitarbeitern der letzten 25 Jahre bedanken. Ohne Euch wäre der Spielgruppenverein nicht was er heute ist.»

Nach dem Znüni drehen alle Kinder ihre Trinkflaschen wieder zu, schliessen ihre Boxen und versorgen sie wieder in der Tasche. Jetzt wird weitergespielt, bevor es ans gemeinsame Aufräumen geht und sich letztlich alle im Stuhlkreis wieder einfinden. Diese kleinen Pflichten und Rituale geben den Kindern Sicherheit. Sie erkennen die Strukturen im Ablauf der Spielgruppe oftmals lange bevor sie überhaupt die Sprache verstehen. Kreuzlingen ist eine bunte Stadt geworden. Das zeigt sich auch in den Spielgruppen, in denen man verschiedenen Kulturen und Hautfarben begegnet. Eine echte Herausforderung für die Kinder und für Ihre Betreuerinnen. Jedoch stellt sich nach anfänglichen Schwierigkeiten mit viel Geduld der Erfolg ein. Das ist der Moment, wenn die Glücksgefühle Purzelbäume schlagen.  Der Besuch der Spielgruppe Plus, in der nun schon im vierten Jahr, in Zusammenarbeit mit der Stadt Kreuzlingen, Kindern aus verschiedenen Ländern die deutsche Sprache spielerisch näher gebracht wird, trägt erheblich zu dieser Entwicklung bei. Natürlich nicht ohne die Unterstützung der Eltern, die mit ihren Kindern auch daheim kräftig üben müssen.

11.30 Uhr. Die letzten Töne des Abschiedsliedes dringen durch die Tür ins Treppenhaus. Die Elternteile, meist sind es Mütter, schwätzen munter miteinander während sie auf das Ende der heutigen Spielgruppe warten, um ihre Kinder wieder in Empfang zu nehmen. Dann öffnet sich die Tür und ein Schwall Kinder läuft ihnen entgegen. «Mami, ich wöt mit de Lea abmache, biiitte!» Dank des Vereins bilden sich immer wieder Freundschaften. Da die Kinder in diesem Alter noch nicht allein zu ihren Verabredungen gehen, lernen sich die Eltern kennen, während die Kinder miteinander spielen. Ein nicht zu verachtender Nebeneffekt, ganz besonders für neuzugezogene Familien.

Der Spielgruppenverein unterwegs. (Bild: zvg)

Viele der jetzigen Spielgruppenkinder werden nach den Sommerferien in den Kindergarten wechseln. Gut gerüstet. Die Spielgruppenleiterinnen äussern jetzt schon ein wenig Wehmut. Schliesslich haben sie ihre Schützlinge im Laufe des Spielgruppenjahres lieb gewonnen. Noch sind die Spielgruppen, die im August beginnen nicht gefüllt. Auch der Spielgruppenverein spürt den Wettbewerb in Kreuzlingen. Es gibt Gruppen, die schon ein halbes Jahr vor Beginn des neuen Spielgruppenjahres mit einer Warteliste versehen werden müssen, aber dank der Vielfalt des Angebotes gibt es in fast allen Gruppen noch freie Plätze, die auf Kinder aus Kreuzlingen und Umgebung warten. Karin Kappler stellt die Gruppen zusammen und ist unter der Telefonnummer 079 319 29 25 oder über die Homepage für die Eltern erreichbar.

Die Finken sind wieder im Säckli versorgt, ein letztes Schwätzchen im Gehen, die Haustür schliesst sich, dann wird es wieder still im Dachgeschoss. Die Spielgruppenleiterinnen verräumen die letzten Spielsachen, rücken die Tische und Stühle wieder an ihren Platz und tauschen sich noch kurz mit der Kollegin vom Nebenraum über den heutigen Tag aus. Noch ein prüfender Blick durch den Raum, alles in Ordnung. Bis wieder kleine Füssli die Treppen erklimmen und die hellen Stimmen durch das Treppenhaus schallen, wenn wieder eine neue Spielgruppenzeit beginnt.

www.spielgruppen-verein.ch

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