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Millionengewinn trotz Steuersenkung

Kreuzlingen – Trotz Steuerfusssenkung und budgetiertem Minus: Die Stadt Kreuzlingen fährt 2016 einen Gewinn von knapp 1,6 Mio. Franken ein. 3,4 Mio. Franken mehr als erwartet. Möglich machen dies enorme Rückzahlungen im Bereich Soziales. Auch die Technischen Betriebe Kreuzlingen weisen einen Gewinn aus, jedoch nur auf dem Papier. Denn die TBK verlieren Kunden an den freien Strommarkt.

(Symbolbild: Archiv)

Die zehnte und letzte Vorstellung der städtischen Rechnung durch Stadtpräsident Andreas Netzle reihte sich nahtlos in die neun davorigen ein: Ein beachtlicher Überschuss konnte eingefahren werden. Die stetigen Gewinne können jedoch nicht im gewünschten Ausmass investiert werden.

2,3 Millionen Franken weniger Steuereinnahmen
Nach der 2015 vom Gemeinderat forcierten Steuerfussreduktion um vier Prozent sowie der für hiesige Firmen angespannten Wirtschaftslage hatte die Verwaltung eigentlich einen Verlust von 1,8 Mio. Franken budgetiert. Dass am Ende von 2016 dennoch ein Überschuss von 1,6 Mio. Franken übrig bleibt, ist vor allem dem Bereich Sozialhilfe und Unterstützung geschuldet. «Einerseits waren die Ausgaben in der Wohlfahrt um ein Drittel tiefer als veranschlagt, andererseits erhielten wir massive Rückerstattungen von Sozialeinrichtungen», erklärt Netzle die Budgetabweichung von 2’27’5000 Franken. Dazu beigetragen haben personelle Aufstockungen im «Case Management» der Sozialen Dienste. Die Fälle könnten nun konsequent bis zum Ende bearbeitet werden, wodurch wirklich alle Ansprüche von den Sozialeinrichtungen zurückerstattet werden.

Der Rückgang der Gemeindesteuern hingegen war noch höher als befürchtet. 34,1 Mio. Franken flossen in die Kassen der Stadt, 2,3 Mio. weniger als 2015. «Die Euroschwäche ist weiterhin ein Thema und spiegelt sich in den Gewinnen der Firmen wieder», sagt Netzle. Fast ein Fünftel weniger Abgaben tätigten die juristischen Personen 2016. «Dabei blieben auch erwartete Nachzahlungen an Steuern aus», führt Thomas Knupp, Leiter der Finanzabteilung, weiter aus. Im kantonalen Vergleich kann sich Kreuzlingen mit einer Steuerkraft von 2241 Franken pro Einwohner jedoch immer noch sehen lassen. Die grösste Schweizer Stadt am Bodensee  hat unter den bevölkerungsreichsten sechs Thurgauer Gemeinden gar  den tiefsten Gesamtsteuerfuss. Mit einem Vermögen von 45 Mio. Franken steht Kreuzlingen finanziell solide da und möchte dieses Geld auch gerne ausgeben. Von den geplanten 15,2 Mio. Franken an Investitionen konnten jedoch nur 6,1 Mio. Franken verbaut werden. «Aufgeschoben ist nicht aufgehoben», sagt Knupp, der in Hinblick auf das geplante Stadthaus und die Finanzentwicklung Schulden auf die Gemeinde zukommen sieht. «Kredite in Höhe von 67 Mio. Franken sind bereits vom Volk bewilligt und warten nur darauf, ausgegeben zu werden», so Knupp. Damit wird das derzeitige Nettovermögen von 2080 Franken pro Einwohner bald in eine Nettoschuld überschwappen.

Weniger Lohnkosten, mehr Parkbussen
Derzeit spart die Stadt jedoch noch fleissig Geld, alles in allem können 1,6 Mio. Franken fürs kommende Jahr mitgenommen werden. Der Stadtrat schlägt dem Gemeinderat vor, diesen als Vortrag auf die neue Rechnung zu übernehmen. Zu diesem Ergebnis haben auch die Mitarbeiter der Verwaltung beigetragen, welche dank Kostenbewusstsein und Budgetdisziplin ihre Befugnisse nicht ausgereizt haben, betonte ihr Chef Andreas Netzle. Der Personalaufwand war zudem 435’000 Franken tiefer als erwartet, an den Kanton mussten 232’000 Franken weniger als befürchtet abgegeben werden und die Stadtpolizei stellte 224’000 Franken mehr an Parkbussen aus als gedacht.

Kampf um Kunden
Eine Gewinnbeteiligung von 175’750 Franken erhält die Stadt ausserdem von den Technischen Betrieben Kreuzlingen. Diese konnten einen Ertragsüberschuss von 1,8 Mio. Franken verzeichnen. Zum positiven Ergebnis trägt vor allem die Sparte Strom bei. «Das ist im grossen Teil jedoch kein erwirtschafteter, sondern ein rein buchhalterischer Gewinn», erklärte der zuständige Stadtrat Thomas Beringer. Deckungsdifferenzen aus der Netzkostenrechnung sind hauptsächlich für die zusätzlichen rund 1,5 Mio. Franken gegenüber dem Budget verantwortlich. «Für die Kalkulation der Netznutzungspreise ist die Kostenrechnung 2014 die Grundlage. Die effektiven Kosten der Netznutzung sind 2016 durch die zwischenzeitlichen Investitionen höher ausgefallen, und haben eine Unterdeckung verursacht, die wiederum als aktivierte Deckungsdifferenz das Ergebnis positiv beeinflusst», erklärt die Kaufmännische Leiterin Susanne Bergsteiner.

Denn eigentlich hat der Energieabsatz im Jahr 2016 um 4,8 Prozent abgenommen. Verantwortlich dafür sind vor allem Grosskunden, welche auf den freien Strommarkt gewechselt sind. «Das tut weh. Gerade bei Kreuzlinger Firmen kämpfen wir mit allen Mitteln um den Erhalt», sagt Roland Haerle, Leiter Energiemarkt. Kleinste Preisunterschiede könnten da zum Absprung führen. «Wir sind jedoch nicht gewillt, ohne Marge zu arbeiten», so Haerle. Denn die TBK brauchen den Cashflow aus der Netznutzung und dem Energiegeschäft, um die ständigen Investitionen in Leitungsnetz, Trafostationen, Zähler oder Fahrzeuge zu finanzieren. 6,3 Mio. Franken wurden 2016 dafür ausgegeben, vier Mio. Franken weniger als budgetiert.

Die Gasversorgung hat mit einem Ergebnis von 166’000 Franken etwas schlechter abgeschlossen als veranschlagt. In der Sparte Wasser resultiert ein kleiner Ertragsüberschuss von 134’000 Franken. Um die Wasserversorgung weiterhin kostendeckend zu gestalten, ist für das zweite Halbjahr 2017 eine Erhöhung der Bezugspreise geplant. Auch die seit Jahren sinkenden Strompreise zeigen zurzeit wieder nach oben, was sich 2018 auch auf die Rechnung zu Hause auswirken könne.

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