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IBK sagt Nein zur Aquakultur im Bodensee

Konstanz – Wären Aquakulturen für Felchen im Bodensee eine Möglichkeit, die Berufsfischer zu retten? Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) hatte Jahrestagung in Konstanz und erteilt dem Thema eine vorläufige Absage.

Die Delegationsleiter der IGKB bei ihrer Jahrestagung in Konstanz, Baden-Württemberg mit Präsident Dr. Elmar Zech, Österreich (l.) und dem Schweizer Delegierten Dr. Stephan R. Müller (4.v.l.). (Bild: zvg)

Im Dialogforum der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) im Jahr 2016 wurde das Thema Aquakultur im See oder auch alternativ an Land mit Speisung durch Seewasser als Möglichkeiten zur Erhaltung der Berufsfischerei erörtert. Dort wurde festgehalten, dass die Berufsfischer Zugriff auf die Verwertung haben sollten. Auf Antrag der Baden-Württembergischen Delegation vom April 2016 hat sich dann die IGKB mit einer Expertise der Fischereiforschungsstelle Langenargen zur Aquakultur von Bodensee-Felchen sowie ergänzenden Informationen des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucher-schutz befasst.
Aufgrund der vorhandenen Risiken und Einwirkungen auf den See nimmt die IGKB eine sehr kritische Haltung zum Thema Aquakultur ein. Eine abschliessende fachliche Bewertung der IGKB ist derzeit auf Grundlage der vorhandenen Informationen und Unterlagen nicht möglich. Einige für die Beurteilung relevanten Informationen fehlen. Nicht geklärt sind insbesondere die ökologischen Auswirkungen auf den Bodensee im Nahbereich der Aquakulturanlage. Wie entwickeln sich Trübung, Nährstoff- und Keimzahl im unmittelbaren Umfeld der Netze, welche Auswirkungen gibt es auf den Seeboden hinsichtlich Sauerstoffzehrung und Sedimentation? In welcher Entfernung sind die Belastungen merkbar?

Derzeit ist auch nicht absehbar, wie sich die Aquakulturen auf die Trinkwassernutzung auswirken. Zudem verweist die IGKB auf die beim IBK-Dialogforum angesprochene Alternativenprüfung zur Felchenproduktion mit Seewasser an Land. Insgesamt wird eine sehr kritische Haltung zum Thema Aquakultur im See eingenommen.

Die IGKB sieht derzeit aber keinen Bedarf für eine weitere fachliche Prüfung. Sie verweist auch auf die Inhalte des IBK-Dialogforums, wonach eine Aquakultur in die Strukturen der Berufsfischerei eingebunden sein sollte. Ebenso verweist sie auf die mehrheitlich klar ablehnende Haltung der Berufsfischereiverbände am Bodensee.

Weiters erwähnt die IGKB die alternativen Möglichkeiten der Aquakultur mit Seewasser an Land, deren Einflüsse auf die Wasserqualität des Sees durch Reinigung ihrer Abwässer nach dem Stand der Technik minimiert werden können. Aufgrund des aktuellen Kenntnisstandes hält die IGKB an dem in den Bodenseerichtlinien festgelegten Verbot von Netzgehege-Anlagen im Bodensee (4.5 der Bodenseerichtlinien 2005) fest.

Eine weitere Beurteilung wird erst nach Vorliegen eines konkreten Vorhabens erfolgen.

Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB)
Seit 1959 arbeiten rund um den Bodensee Baden-Württemberg, Bayern, die Schweiz und Österreich in der Internationalen Gewässerschutzkom-mission für den Bodensee IGKB zusammen. Wichtigstes Ziel ist die Reinhaltung des Sees, die laufende Überwachung und die nachhaltige Entwicklung der vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt.

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