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Täter war der Schwager

Konstanz – Polizei und Staatsanwaltschaft haben soeben Einzelheiten zur Schiesserei in der Konstanzer Diskothek Grey veröffentlicht.

Polizei

Am Nachmittag des nächsten Tages ist die Polizei mit der Spurensicherung beschäftigt. (Bild: sb)

Der Täter, ein 34-jähriger Mann kurdisch-irakischer Herkunft, war offenbar mit dem Betriebsleiter des «Grey» verwandt. Er war wegen Körperverletzung und Drogen vorbestraft, hatte deswegen schon Bewährungsstrafen erhalten, und lebte seit 1991 in Deutschland. Seit 2011 hat er sich aber nichts mehr zuschulden kommen lassen. Die Tat geschah aus persönlichen Gründen, die Ermittler schliessen einen terroristischen Hintergrund aus. So soll es zum Streit zwischen ihm und dem Diskothekenpersonal gekommen sein. Der Mann ging nach Hause, holte ein Sturmgewehr und schoss einem Türsteher ins Gesicht. Im darauffolgenden Schusswechsel mit der Polizei, der sich im Eingangsbereich und vor der Diskothek ereignete, wurden drei weitere Personen verletzt, während sich viele Gäste hinter den verschlossenen Türen der Diskothek in Sicherheit brachten.

Andreas Stenger vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg zeigt die Tatwaffe, ein Kriegsgewehr des Typs M16. (Bild: sb)

Unter Einsatz ihres Lebens
Schon drei Minuten, nachdem der Notruf einging («Hier wird geschossen!»), waren Einsatzkräfte vor Ort. Sie handelten sofort. Dabei wurde der Täter angeschossen. Ein Beamter ebenfalls. Ein Spezialhelm, der die Kugel auffing, rettete diesem das Leben. An der Pressekonferenz sprachen die Verantwortlichen von «hervorragender Arbeit der Polizeikräfte», denen es zu verdanken ist, dass nicht weitere Personen verletzt wurden. Das neue Interventionskonzept des schnellen Handelns habe sich bewährt. Über 100 Beamte waren insgesamt vor Ort.

Ein Waffenkenner
Die Tatwaffe, eine M16, das Standardgewehr der amerikanischen Streitkräfte, kann im Dauerfeuer 800 Schuss pro Minute abgeben. Der Täter soll mehrere Magazine leergeschossen haben. Im Inneren der Diskothek fielen aber keine Schüsse. Schon der Besitz einer solchen Waffe ist illegal. Der Mann könnte sie im Darknet gekauft haben. «Es gibt einen Markt für solche Waffen», so ein Sprecher. «Der Mann wusste zudem, wie man schiesst.»

Auch der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt war an der heutigen Pressekonferenz zugegen. «Es ist ein bitterer, schwerer Tag für Konstanz. Wir sind in Gedanken bei den Opfern und Angehörigen. Unser grosser Dank gilt den Einsatzkräften», sagte er.

Über 90 Menschen waren allein im Einsatz, um sich um die geschockten Gäste zu kümmern. Etwa 80 Personen mussten stundenlang in der Diskothek ausharren, bis die Polizei die Sicherheit vor dem Gebäude garantieren konnte.

Auch der Täter wurde zu Wiederbelebungsmassnahmen in den Eingangsbereich gebracht. Trotz Notfalloperation verstarb er später in der Klinik.

Update
In einer Pressemitteilung versendete die Polizei am 30. Juli, 19.46 Uhr, neue Informationen zum Verwandschaftsverhältnis zwischen Täter und Betreiber der Diskothek. Entgegen den Äusserungen an der Pressekonferenz soll der Täter der Schwager des «Grey»-Chefs (nach islamischem Recht) gewesen sein. Er wurde zu einem früheren Zeitpunkt als Schwiegersohn bezeichnet.

Update II
Am Montag präzisierten Polizei und Betreiberfirma des Grey: Der ursprünglich als «Diskothekenbetreiber» bezeichnete Mann, der mit dem Täter verschwägert ist und Streit hatte, ist nicht der Inhaber der Diskothek. Diese gehört der BKEG GmbH, die ihn als Betriebsleiter angestellt hat, sagte Geschäftsführer Christian Sieve an einer Pressekonferenz.

 

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