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Spazierengehen im Schutt der Zeit

Kreuzlingen – Mit der Ausstellung «Neuland» wird im Seeburgpark und im Seemuseum die Kreuzlinger Geschichte erlebbar. Im Rahmen der «Langen Nacht der Bodenseegärten» am 9. September ist ein buntes Programm geboten.

So sah das Ufer im Seeburgpark 1935 aus. Das Seemuseum lag direkt am Wasser. (Bild: zvg)

Schilf, Schlick und seichtes Wasser haben das Uferbild Kreuzlingens in den 1960er Jahren geprägt. Kaum vorstellbar, wenn man heute auf den grünen Wiesen das Badetuch ausbreitet und von dort in den See springt, oder zwischen Minigolf, Streichelzoo und Abenteuerspielplatz spazieren geht.
Christian Witzig, Architekt und ehemaliger Stadtrat Kreuzlingens, ist an der Hauptstrasse aufgewachsen und erinnert sich gerne an die Zeit, in denen das Cafè Weiss, die Metzgerei Gross, der Eisenwarenladen Hofmann-Egli und viele altherrschaftliche Villen das Bild der Stadt prägten. «Vor jedem Haus war ein Vorgarten, in dem man sass, und wenn jemand vorbei lief, wurde ein kurzes Gespräch geführt oder ein Glas Wein zusammen getrunken. Abends war richtig was los auf dem Boulevard, man musste zwanzig Mal «Grüzi» sagen, weil man jeden kannte», erinnert sich der Ur-Kreuzlinger.
Zusammen mit dem Departement Gesellschaft der Stadt Kreuzlingen lässt er diese Erinnerungen nun wieder aufleben.

Die abgerissenen Häuser der Hauptstrasse von damals liegen im heutigen Seeburpark unter der Erde. (Bild: Stadt Kreuzlingen, Archiv)

Die abgerissenen Häuser der Hauptstrasse sind nämlich immer noch da. Man kann sie zwar nicht mehr sehen und sie nicht mehr betreten, aber die Abrisssubstanz hat etwas Neues geschaffen: den Seeburgpark, wie wir ihn heute erleben dürfen. Hier wurde lastwagenweise Schutt in den morastigen Boden abgeladen und somit die Ufergrenze ausgedehnt: Neuland entstand. Und «Neuland» ist auch der Titel der Ausstellung, die sich dieser Thematik widmet. Mit Fotografien von Hans Welti aus dem Archiv der Stadt wird die Geschichte wieder sichtbar – wo die Häuserreste heute vergraben sind, werden die alten Bauten wieder an die Oberfläche gebracht. Acht Stellwände zeigen so im Seeburgpark die historischen Gebäude. Im Seemuseum gibt es zusätzliche Visualisierungen, die alte und neue Aufnahmen der Hauptstrasse gegenüberstellen.
Ursula Steinhauser, Leiterin im Seemuseum, freut sich auf die Ausstellung, die drei Wochen lang im Foyer des Seemuseums kostenlos zu sehen sein wird. Sie hat sich intensiv mit der Geschichte des Seeburgparks beschäftigt, um sich in dem Gebäude zu orientieren, in dem sie heute so viel Zeit verbringt. «Zu Anfang habe ich mich gewundert, warum zum Beispiel die Kornschütte mitten im Park steht und nicht am Wasser», so die Museumsleiterin. Logisch verständlich wird der Plan des Seeburgparks erst, wenn man weiss, dass die Wassergrenze sich in den vergangenen siebzig Jahren massiv verschoben hat.

Kulturelles Abendprogramm
Die «Lange Nacht der Bodenseegärten» am 9. September ist Vernissage der Ausstellung. Ab 17 Uhr beginnt bei jeder Witterung ein vielseitiges Programm mit Drums2Streets, dem Aliev Bleh Orkestar und der Ballettschule Kreuzlingen. Für das leibliche Wohl sorgt der Verein Kultling sowie das Cafè vom Seemuseum mit Köstlichkeiten. Wer ein schönes Dinner mit dem Abendprogramm verbinden möchte, kann in der Seeburg einen Tisch reservieren. Vizestadtpräsidentin Dorena Raggenbass und Claudia Thom, vom Departement Gesellschaft, freuen sich ebenfalls auf die Veranstaltung und die Ausstellung. «Die Darstellung des Wandel von Kreuzlingen passt wunderbar in die derzeitige Phase der Ortsplanung», so Raggenbass, «so gelingt auch ein Blick in die Zukunft.»

 

 

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