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Ein Händchen für den Ball

Kreuzlingen – Mit Fussball lässt sich Geld verdienen – mittlerweile sogar an der Playstation. Elektronische Sportarten haben die vergangenen Jahre über einen regelrechten Boom erlebt, so auch das Fussballspiel FIFA. Auch der Kreuzlinger Yannick Gurnter verfolgt eine Karriere auf dem digitalen Rasen. Wer selbst bei einem Turnier mitzocken möchte, hat dieses Wochenende in Kreuzlingen die Gelegenheit dazu.

Yannick Gurtner geht seiner Leidenschaft nach. Bild: Emil Keller

Dass Yannick Gurtner Talent in den Fingern hat, realisierte er erstmals vergangenes Jahr an einem Fifa-Turnier in Kreuzlingen. «Mit einem Freund, mit dem ich seit Kindheitstage Fifa spiele, erreichten wir auf Anhieb das Viertelfinal», erinnert er sich. Seither verfolgt der Kreuzlinger das Spiel und die Szene intensiver. Unter seinem Spielernamen «ygurtner» erstellte er eine Facebook-Seite, berichtete über Matches und machte damit Fans und schlussendlich sogar eine Organisation auf sich aufmerksam. Ein Jahr später steht der 24-Jährige nun bei der Berliner Agentur «L4K eSports» unter Vertrag. «Sie zahlen mir Reisen, Spesen und Turniergebühren», erklärt Gurtner das Engagement. Gleichzeitig coachen und beraten sie Gurtner zu Taktiken und Mannschaftszusammenstellung.

Die Unterstützung macht sich bezahlt. An der Schweizermeisterschaft im Juli erspielte er sich den dritten Platz. Dazu trägt auch die generelle Entwicklung der Szene bei, mittlerweile gibt es alle zwei Monate ein grösseres Turnier in der Schweiz. So auch dieses Wochenende wieder in Kreuzlingen (siehe Box). Diesmal spielt Gurtner mit Trikot und Kamerad um die 4000 Franken Preisgeld. «Wir hoffen auf den Sieg», so Gurtner.

Körper und Geist
Rund um die Uhr zu zocken, helfe aber nicht besser zu werden. «Ich versuche, täglich zwei Stunden zu spielen. Am Wochenende können es auch mal zwölf Stunden sein.» Einen Ausgleich mit Freundin, Joggen und Kollegen zu haben, sei genauso wichtig. Den neben einer guten virtuellen Mannschaft und technischen Fähigkeiten am Controller sei auch die Nervenstärke essentiell. «Im Juni spielten wir elf Stunden am Stück bei einem Turnier in der Allianz Arena in München. Da muss man irgendwie die Konzentration oben halten», so der E-Sportler.

Millionengeschäft
Elektronische Sportarten stellen mittlerweile einen eigenen Wirtschaftszweig dar. Bei der jüngst veranstalteten Weltmeisterschaft des teambasierten Spiels «Dota 2» betrug das Preisgeld über 24 Millionen Dollar bei fünf Millionen Zuschauern. Für die Videospielentwickler eine Möglichkeit, ihre Kunden ans Spiel zu binden, für die Hardwarehersteller bieten die Szenestars eine Werbeplattform. Mittlerweile haben aber auch branchenfremde Firmen und Verbände E-Sport für sich entdeckt. Über Internetstreams oder Turniere in Stadien bietet sich plötzlich eine neue Plattform, eine junge, bildschirmaffine Zielgruppe zu erreichen. In der Deutschen Bundesliga ist es gang und gäbe, dass neben dem physischen Profiteam auch virtuelle Spieler verpflichtet werden. In der Schweiz haben der FC Basel und St. Gallen schon Fifa-Spieler unter Vertrag. Als Jugendlicher stand er schonmal vor einer sportlichen Entscheidung. Er kickte beim FC Arbon, zeitweise sogar beim FC St. Gallen. «Ich entschied mich dann aber für eine schulische Laufbahn», sagt der ausgebildete Mediamatiker. Derzeit leistet Gurtner noch Zivildienst in einem Spital, danach muss er sich entscheiden, ob er zurück ins Berufsleben geht oder sich noch mehr hinter den Controller klemmt. Denn leben kann der 24-Jährige noch lange nicht von seinem elektronischen Sport. «Bei einem Schweizer Fussballclub unter Vertrag zu stehen, das ist mein Ziel.»

FIFA-Turnier

Volle Konzentration beim FIFA-Turnier im Dreispitz. (Bild: zvg)

Wer seine Fifa-Skills messen will, hat heute und morgen die Gelegenheit dazu. Gamemaster.ch veranstaltet im Kreuzlinger Dreispitz ein Fifa 17 Turnier mit insgesamt 9000 Franken Preisgeld. «Wir sind eine Gruppe von 15 Freunden, welche alle paar Monate privat ein Turnier unter uns organisierten», erklärt der Kreuzlinger Mustafa Bilir. Als sie dann für die Öffentlichkeit ein Turnier organisierten, hatten sie auf Anhieb Erfolg. Heute stehen die Einzelmatches an, am Sonntag, wird in Zweierteams gespielt. Die Gebühr beträgt 50 Franken. Damit wird das Preisgeld sowie die Miete der Räumlichkeiten und Fernseher bezahlt. Gespielt wird jeweils ab 12 Uhr, für die Anmeldung sollte man eine Stunde früher erscheinen. Weitere Details gibt es unter www.gamemasters.ch

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