/// Rubrik: Kultur | Topaktuell

Das grosse Thema unseres Jahrhunderts

Münsterlingen – «Migration – mal anders» heisst es am kommenden Themenabend in der Psychiatrie Münsterlingen. In ungezwungener Atmosphäre erleben Interessierte spannende Gespräche, Expertenmeinungen und eine Theatervorstellung, während es Spezialitäten verschiedener Landesküchen zu kosten gibt.

Migration findet überall statt. (Bild: zvg)

«Wir haben schon einmal einen Vortrag zum Thema ‹Migration› organisiert», der war eher mager besucht», sagt Dr. Osman Tezayak vom Psychatriezentrum Kreuzlingen. Damit sich das nicht wiederholt, haben sich die Verantwortlichen ein wenigr trockenes Konzept überlegt: An Stehtischen kann das Publikum Gerichte verschiedener Nationen kosten, während es auf der Bühne (und später auch vor der Bühne auf Sofas) Nahrung fürs Gehirn in Form anregender Gespräche und Lebensgeschichten gibt. «Ich werde von meiner Arbeit als Integrationsbeauftragter an der Klinik reden und aus meiner nicht immer einfachen Vita erzählen», kündigt der Facharzt und ehemalige Bergmann an. Er stammt ursprünglich aus Istanbul, kam als Teenager nach Deutschland, arbeitete 15 Jahre lang unter Tage. In dieser Zeit holte er an der Abendschule seine Abschlüsse nach. Es folgte ein Studium, dann die physiotherapeutische sowie die fachärztliche Ausbildung in der Schweiz. Tezayak steht für eine erfolgreiche Integration und kann seine Erfahrungen in seiner Arbeit umsetzen, zum Beispiel mit der türkischen Sprechstunde an der Psychiatrischen Klinik (PKM), die er mit der Psychologin Sevinc Ataman anbietet. «Es gibt auch eine Sprechstunde in arabischer Sprache von meiner Kollegin, Frau Dr. Asfor», so Tezayak. «Die Angebote sind wichtig und richtiggehend überlaufen. Und für alle weiteren Sprachen stehen Dolmetscher zur Verfügung.» In der Pflege und Therapie wird Verständnis für kulturelle Eigenarten und Rücksicht gross geschrieben, sagt er.

Internationale Klinik
Doch auch bei der Anstellung an der PKM spielt Migration eine grosse Rolle. 37 Prozent der Mitarbeitenden sind Ausländer, zahlreiche Bevölkerungsgruppen arbeiten hier. Seit Jahren schon ist deswegen eine Migrationsgruppe im Einsatz, in der Beauftragte aus den verschiedenen Bereichen mehrmals jährlich zusammenkommen. Sie organisieren Fortbildungen für die Mitarbeiter oder Migrationsvorträge.

Vor dem biographischen Teil des Abends kommen so in Podiumsgespräches neben interessanten Gästen wie Reiner Bodmer vom Kreuzlinger Flüchtlingscafé Agathu oder einem Asylbewerber auch PKM-Angestellte, etwa der Kreuzlinger Gemeinderat Urs Wolfender, zu Wort. Diese vom Münsterlinger Gemeindepräsidenten René Walther moderierten Gespräche konzentrieren sich auf Migration am Platz Münsterlingen und in der Pflege.

Zwischen den Podiumsgesprächen gibt Schauspieler Giuseppe Spina einen Einblick in die Musik des «Tarantismus». Mit «Tanzwut» mehr schlecht als recht beschrieben, hat das Phänomen seine Wurzeln im Mittelalter, quer durch alle europäischen Länder. In der Annahme, der Biss der Tarantel sei ursächlich, spielten Musiker früher therapeutische Musik, die «Pizzica», um das Gift auszutreiben. Befallene Frauen tanzten bis zur Erschöpfung; für sie auch ein Ausbruch aus ihrem harten Alltag. Heute ist daraus ein folkloristisches Spektakel geworden, das Touristen anzieht.

Migration – mal anders
Samstag, 16. September,
17 bis 20 Uhr Uhr, GZ Saal

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