Kreuzlingen – Gute vier Wochen machte das See-Burgtheater diesen Sommer mit seiner Adaption von Jeremias Gotthelfs «Die schwarze Spinne» im Maisfeld neben Schloss Seeburg Furore, begeisterte sein Publikum und sorgte für Diskussionen. - Patricia Hinkelbein
Bei 35 Grad sengender Hitze verhiessen die Probenwochen zunächst nur Gutes und brachten Intendant und Regisseur Leopold Huber bei seinen Chormitgliedern den liebevollen Beinamen «Bauernschinder» ein. Doch just zur Premiere am 22. Juli setzte der Regen ein. Das mässige Wetter während der Spielwochen tat dem Sommertheater dennoch keinen Abbruch. 6 200 Zuschauer strömten ins Maisfeld. Das entspricht einer Platzausnutzung von 95 Prozent. Lediglich eine der 22 angesetzten Vorstellungen musste ausfallen, an vieren wurde trotz Regen gespielt. An Sonnenabenden mussten regelmässig bis zu hundert zusätzliche Stühle vor die Tribüne gereiht werden. Und auch die weniger strahlenden Tage hatten ihre Vorteile und bereicherten die Vorstellungen um dramatische Wettereffekte wie Blitz und Donner beim Teufelsauftritt, ein Regenbogen über der Szenerie oder Wolkenbrüche über der sich im Stück auflösenden Gesellschaft.
Den Erfolg der Inszenierung führt Leopold Huber auf die Freude am Spiel und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligter zurück: «Schauspielensemble, Chor, Band, Licht, Ton, Kostüm, Bühne, Choreographie – alle Abteilungen haben optimal zusammengearbeitet und gemeinsam das Gesamtkunstwerk gestaltet.» Entsprechend positiv fielen die Reaktionen der Zuschauer aus. Namentlich Ingrid Lang und Astrid Keller ernteten für ihre Interpretation der Christine bzw. des Teufels viel Lob. Aber auch das Ambiente im Maisfeld und die Inszenierung als Ganzes fanden grossen Zuspruch.
Kritische Stimmen – insbesondere von gläubiger Seite – blieben dennoch nicht aus und manifestierten sich zunächst in einer online geführten Diskussion im Blog von www.thurgaukultur.ch. Bei einem spontan initiierten, öffentlichen Gespräch im Maiszelt konnten Leopold Huber und Diakon Matthias Loretan von der Pfarrei St. Ulrich in Kreuzlingen aber verschiedene Missverständnisse ausräumen. «Theater soll nicht nur unterhalten, sondern zum Nachdenken anregen», erklärt Leopold Huber seinen Ansatz. Dass dies mit der «Schwarzen Spinne» gelungen ist, zeigen die 60 Teilnehmer an der konstruktiven Diskussion im Maiszelt und die bis zuletzt nahezu vollbesetzten Tribünenreihen. «Wir hatten eine intensive Zeit und der Abschied fällt mir schwer», resümiert Leopold Huber und wirft noch einen Blick auf das kommende Jahr. «Zwei Projekte sind in Arbeit: «Asterix bei den Schweizern» oder «Dr. Mabuse» als letzter Teil unserer «Bodenseetrilogie». Aber vielleicht auch noch ganz was anderes...».
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