Antwort auf «Leserbrief zu den interreligiösen Begegnungen»
Leserbrief — Lieber Herr Dr. Bucher, ganz herzlichen Dank für Ihren klärenden Beitrag zur Weiterentwicklung eines interreligiösen Dialogs, worin Sie den wundesten Punkt zur Sprache brachten, dessen Bearbeitung – wie Sie betonten – unabdingbar ist, um voran zu kommen. Mir kamen beim Lesen einige Gedanken, die ich als weiteren Gesprächsanstoss auf diesem Wege mitteilen möchte. - Maja Schmid
Ja, die in vielen Ländern rasant zunehmende Christenverfolgung erschüttert uns tief. Andererseits: Ist unser ererbtes Taufbüchlein schon ein automatischer Garant für christliches Denken und Handeln? Sprich: beispielsweise die langandauernde Ausbeutung der sogenannten Dritten Welt, die dort tiefe Spuren hinterliess und lässt bis heute. Auch Kriegs- und Eroberungsfeldzüge wurden in der Vergangenheit gegen die «Ungläubigen» unter «Christi Banner» unternommen. Kehrt jetzt der Bumerang zurück?
In der Stille aber sind in jenen Ländern, in denen christliche Kultur gepflegt wurde, auch unauslöschliche Ideale gewachsen, die in die Zukunft führen: Die allgemeine Menschenwürde wurde bewusst und hat sich inzwischen zu einem international anerkannten Rechtsbegriff verdichtet: Jedes, irgendwo auf der Erde geborenes Kind soll menschenwürdig leben können (ungeachtet seiner ethnisch-religiösen Wurzeln). Zu diesem Bewusstsein sind heute weltweit Menschen – aller Kultur- und Religionskreise – aufgewacht. Diese Entwicklungspotenz gilt es in uns Allen aufzurufen und in allen sozialen Bereichen zu verteidigen.
In irgendeiner fundamentalistischen Ideologie oder in Ängsten zu erstarren (mit all ihren schrecklichen Folgen) oder sich aktiv einzusetzen für wahre menschliche Entwicklung, dies sind die Perspektiven – sowohl für die im Artikel angesprochenen Muslime als auch für alle anderen, im wahren Sinne modernen Menschen. Möge sich der Dialog in diesem Sinne weiterentwickeln!
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