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Mo. 30. Januar 2012 - 12:30 Uhr
Buchpreisbindung: am Ziel vorbei

Leserbrief – Die Buchpreisbindung erlaubt es den Verlegern und Importeuren von Büchern, die Preise im Endverkauf selbst festzusetzen. So soll eine Vielfalt von Büchern gefördert, die kleinen Buchladen gerettet, Verlage erhalten und Autoren unterstützt werden. Sollten diese Ziele überhaupt umgesetzt werden können, kosten sie sehr viel Geld, welches die Konsumenten mit überhöhten Buchpreisen bezahlen müssen. Geht diese Rechnung auf? - Marcel Schuler


 

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Die Buchpreisbindung, gedacht als Instrument im Kampf gegen einen zu raschen Strukturwandel in der Branche, wird sich als gefährlicher Bumerang erweisen und dem Buchmarkt Schweiz irreversibel schaden. Schädlich ist die Buchpreisbindung vor allem für kleine Buchhandlungen.

Bereits heute sind die Buchpreise im Vergleich zum Ausland in den meisten Verkaufsstellen überrissen hoch. Durch den Strukturwandel haben kleine Buchhändler Kunden verloren. Werden die Preise und damit die Preisdifferenz zum Ausland weiter steigen, werden die Konsumenten zunehmend nach Alternativen suchen. Sie werden ihre Bücher im nahen Ausland einkaufen oder aber vermehrt per Internet bestellen. Besonders im Thurgau und dem grenznahen Deutschland spielt der Preisunterschied eine grosse Rolle. Kleine Buchhandlungen zeichnen sich durch ihre Spezialisierung aus.

Fragen Sie einen Studenten, wie viel er für die Bücher im letzten Semester bezahlen musste. Der Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband erachtet einen Preisunterschied von 10 bis 20 Prozent gegenüber dem Ausland als angemessen. Gerade bei Studenten ist der Preisunterschied eines der wichtigsten Argumente. So ist der Schritt über die Grenze oder der Klick im Internet schnell gemacht, und auf gute Beratung wird aus Kostengründen verzichtet.

Abschliessend kann noch gesagt werden, dass die Absicht der Buchpreisbindung die kleinen Buchhändler zu schützen, das Kulturgut Buch und das Lesen zu fördern, durchaus zu begrüssen ist. Sie ist aber das falsche Mittel, um die Bevölkerung zum Lesen und damit zum Kauf eines Buches zu bewegen. Niemand entwickelt seine Leidenschaft fürs Lesen mit speziellen Nischenbüchern. Eine Karriere als Bücherwurm und Lesefan beginnt mit Bestsellern oder in der Schule. Es ist also nicht sinnvoll, gerade dort mit hohen Preisen anzusetzen, wo Leserinnen und Leser ihre Leidenschaft für Literatur entdecken. Für anspruchsvolle Literatur ist der Konsument auch bereit mehr zu bezahlen. Statt hohen Preisen brauchen wir gerade für die Bestseller tiefe Preise. Denn: Tiefe Preise sind die beste Leseförderung.





 
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