Tägerwilen – Am Mittwoch kamen die ersten fünf Asylbewerber in Tägerwilen an. Nach einem freundlichen Empfang konnten sie ihre neue Unterkunft an der Hauptstrasse 138 beziehen. Insgesamt zehn Asylsuchende werden dort untergebracht. - Stefan Böker
Ein gemeinsames Mittagessen mit den jungen Männern nach der Ankunft: Markus Geiger (1. v.r.) und Roland Hugentobler (2.v.r.).
In der Küche sind schon die wichtigsten Infos angepinnt: Der Putzplan, ein Stadtplan von Tägerwilen, der Abfuhr und Entsorgungsplan und Notfall-Nummern. Markus Geiger steht am Herd über dem dampfenden Topf Spaghetti. Der gelernte Forstwirt ist als Betreuer für die Asylsuchenden zuständig. «Heute gibt es noch viel zu tun und zu klären», sagt er. «Und da die Männer sowieso um die Mittagszeit eintreffen, können wir so erst mal langsam starten und uns kennenlernen.» Die Hausordnung und das Ausfüllen diverser Formalien kommen später dran. «Wir müssen ihnen beispielsweise zeigen, wo sie einkaufen können und so weiter», sagt Geiger.
Für ihn und Sozialdienst-Leiter Roland Hugentobler ist die Betreuung der Asylbewerber eine neue Situation, auf die sie sich erst einstellen müssen. «Jetzt beginnt die Kennenlern-Phase», findet auch Hugentobler. Er empfing die fünf jungen Männer aus Gambia, Nigeria und Tunesien am Bahnhof und lief mit ihnen das kurze Stück zum neuen Durchgangsheim. Wie sich der Alltag der neuen Bewohner dann schliesslich strukturiert, soll in den nächsten Wochen erarbeitet werden. Angedacht sind beispielsweise gemeinnützige Arbeitseinsätze oder Deutschkurse. «Die Planung ist rollend. Wir müssen erst mal schauen, wie jeder Einzelne tickt», betont Hugentobler. Wichtig sei, dass man Aufgaben und Tätigkeiten für die Bewohner findet und ihnen die Schweizer Kultur näher bringen kann – was sich leichter anhört, als es in Wirklichkeit ist. Denn allzu viel Aufwand dürfe dies auch nicht verursachen, so Hugentobler, da der Aufenthalt der Asylbewerber nur temporär ist und nur wenige letztendlich einen positiven Entscheid bekommen.
Die Schlüsselübergabe steht an diesem Tag ebenfalls auf dem Programm. «Das Durchgangsheim ist ja kein Gefängnis», sagt Hugentobler. Zwar werden die Verantwortlichen jeden Tag unangekündigt nach dem Rechten schauen, die Bewohner können aber frei über Kommen und Gehen entscheiden. Auch auswärts übernachten ist fünfmal im Monat erlaubt. Zur Selbstversorgung erhalten die Asylsuchenden elf Franken Taggeld pro Person.
Die Einhaltung der Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr liegt an den Bewohnern selbst. «Wir wollen nicht, dass es Ärger mit den Nachbarn gibt», so Hugentobler. Denn das Durchgangsheim beschäftigt die Tägerwiler. «In der Vergangenheit haben sich viele Leute negativ dazu geäussert. Schön wäre es, wenn es uns gelingt, einige Vorurteile abzubauen.» Ein Begrüssungsfest sei zu diesem Zweck bereits vorgeschlagen worden. Die Idee findet Hugentobler nicht schlecht: «Ich könnte mir einen Tag der offenen Tür vorstellen, für Anwohner und Einwohner der Gemeinde.» Die Planung einer solchen Veranstaltung werde aber erst in Angriff genommen, wenn innerhalb der nächsten Wochen Routine im Alltag des Durchgangsheims eingekehrt ist.
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