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So. 4. Dezember 2011 - 14:27 Uhr
«Immer mehr Schweizer Primarschüler sind zu dick»

Gesundheit – Jedes fünfte Kind in der Schweiz leidet bereits im Primarschulalter unter Übergewicht und der Trend zeigt, dass es jährlich mehr werden. Um dem entgegen zu wirken, entwickeln Ärzte in der Schweiz individuelle Programme für die jungen Menschen. - Daniel Schaffhauser

Gelangweilte Kinder neigen eher zu Übergewicht.
 
Gelangweilte Kinder neigen eher zu Übergewicht.

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«Dass Übergewicht bereits bei Kindern auftritt, ist nichts Neues. Erschreckend ist die Tatsache, dass die Betroffenen immer jünger werden», stellt Dr. med. Christoph Stüssi fest. Er erklärt, dass ein gestörtes Essverhalten kombiniert mit mangelnder Bewegung dazu führt, dass immer mehr Kinder von ihrem Idealgewicht abgleiten.

Stabilisierung und Reduktion
Während der Kindheit gibt es nicht ein einziges «Gewicht», das zu jedem Zeitpunkt als optimal gilt. Der Körper eines Menschen, der sich in der Entwicklung befindet, ist individuell abhängig von Grösse und Ge-schlecht. Deshalb sollte man dabei von gesunden Gewichten sprechen, meint der Arzt. Dr. Stüssi sieht bei einem Ge- wichtsreduktionsprogramm folgende Phasen:
Um das Problem des Übergewichts effektiv behandeln zu können, muss in einem ersten Schritt das Körpergewicht ge-halten werden. Dabei spielt das Verhindern einer weiteren An-häufung von Fettgewebe eine zentrale Rolle. In einem zweiten Schritt gilt es dann, das Körpergewicht zu reduzieren. Bei Kindern mit moderatem Übergewicht führt zum Teil bereits eine Stabilisierung, kombiniert mit dem zu erwartenden Wachstum zu einem normalen Körpergewicht. Deshalb können übergewichtige Kinder ein im Verhältnis zur Körpergrösse angemessenes Gewicht manchmal sogar ohne oder schon durch geringe Reduktion wiedererlangen.
Um die Gewichtszunahme unter Kontrolle zu bringen, ist es notwendig, dies in für den Menschen erträglichen Grenzen auszuüben, welche an das Kind und die Familie angepasst sind. Demnach soll sich der Patient während der Behandlung wohlfühlen und dafür motiviert bleiben.

Folgeerscheinungen
Studien zu Folge tragen rund 25 Prozent aller Kinder im Schulalter zu viel Körperfett mit sich. Dies führt zu den von Erwachsenen bekannten Krankheiten wie erhöhte Anfälligkeit auf Diabetes, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Der momentane Trend des Übergewichts bei Kindern führt dazu, dass die genannten Folgeerscheinungen bereits vermehrt bei Jugendlichen auftreten. «Übergewichtige Kinder werden mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit im Erwachsenenleben einen zu hohen Fettanteil beibehalten», so Stüssi. Die Folgen der «übergewichtigen Generation» werden sich dann zeigen, wenn diese ins Erwachsenenalter übergehen.

 

Dr. med. Christoph Stüssi.
 
Dr. med. Christoph Stüssi.

«Kinder nehmen leichter ab als Erwachsene»
Im Kampf gegen die überschüssigen Kilo haben Betroffene im jungen Alter aus diversen Gründen mehr Erfolg. Die Motivation spielt dabei eine zentrale Rolle. «Sobald die gesamte Familie in ein Abnehm-Programm involviert ist, steigt die Motivation eines betroffenen Kindes», meint Kinderarzt Dr. Stüssi. «Zudem ist der Einfluss der Familie auf ein junges Kind viel stärker als beispielsweise bei einem Jugendlichen oder gar einem Erwachsenen.» Offenbar ist die Bereitschaft bei Jugendlichen allgemein geringer. Deshalb laufen sie Gefahr, im Spital in die Grauzone zwischen Kinder- und Erwachsenen-Betreuung zu fallen. Denn Jugendliche möchten nicht wie Kleinkinder behandelt werden, halten aber auf der anderen Seite oft vereinbarte Termine nicht ein.
Aus dem Grund versuchen Mediziner Therapien zu entwickeln, die extra auf Jugendliche zugeschnitten sind. Einbindung von Gleichaltrigen sowie die Kommunikation über das Internet sind Ansätze, welche in Betracht gezogen werden, um eine wirksame Behandlungsform für Pubertierende zu schaffen.

Hürden bei der Behandlung
Prinzipiell beinhalten sämtliche Behandlungsformen die gleichen drei Eckpfeiler: verstärkte körperliche Bewegung, angemessene Ernährung und Änderung des Verhaltens. Grundsätzlich reicht es bei einer Behandlung nicht aus, sich nur auf eine der drei Faktoren zu beschränken. Bewegungsprogramme allein, ohne eine Um-stellung der Essgewohnheiten, führen zu keinerlei Besserungen. Denn durch mehr Bewegung steigt zeitgleich der Hunger. Greift man dabei zum «falschen Essen», äussert sich dies kontraproduktiv und es wird kein Fettgewebe verbrannt. Ebenso schlimm ist das Auslassen von Mahlzeiten. Das sogenannte «Dinner cancelling» führt zu Heisshunger oder einer Anpassung des Stoffwechsels an eine Notsituation, in der möglichst viel Depotfett gebildet wird.

Behandlungsverfahren in der Schweiz
In der Schweiz werden Patienten bei der Be- handlung von Übergewicht in einem ersten Schritt auf körperliche Krankheiten untersucht. Dies dient dazu, zu ermitteln, ob der Patient aufgrund einer Krankheit unter Übergewicht leidet. Das ist allerdings nur selten die Ursache des Problems. «Die wenigsten Betroffenen leiden unter solch einer Krankheit», weiss Dr. med Stüssi aus Erfahrung. Im Anschluss an die medizinischen Tests wird mit dem Patienten und dessen Familie ein individuelles Programm er-stellt. «Um einen langfristigen Erfolg zu garantieren, ist es notwendig die gesamte Familie zu involvieren, speziell diejenige Person, die normalerweise zu Hause kocht», betont der Kinderarzt.

 
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