Kreuzlingen – Am Besuchstag der Kanti Kreuzlingen werden jeweils die besten Maturaarbeiten eines Jahrganges prämiert. Bei der Verleihung hat der Beirat der Kanti und zugleich Jury am Samstag seine Auswahl Kriterien dargelegt. - Eva Büchi
V.l.n.r: Ramona Stelzner, Henrik Westphal, Nathalie Enk und Martin Wyss. (Bild: Eva Büchi)
Zwölf Maturaarbeiten mit der Bestnote 6 hat der Beirat (Professor Dr. Gerd Ganteför, Landschlacht; Schulleiter Sek I Herbert Kammacher; Kreuzlingen; Stadtammann Andreas Netzle, Kreuzlingen; Professorin Dr. Monica Rüthers Mahler, Bottighofen) begutachtet. Da dieses Jahr keine Arbeit oben aus schwang, hat Monica Rüthers, Elternvertreterin und Professorin für Geschichte an der Uni Hamburg die erstmals festgelegten Kriterien zur Bewertung der Arbeiten transparent dargelegt.
Zuvor hat sich die Jury folgende Fragen gestellt: Soll das Thema in Bezug zur Maturitätsausbildung stehen? Welchen Stellenwert hat Kreativität in künstlerischen, aber auch in wissenschaftlichen Arbeiten? Wie wichtig ist die Originalität der Fragestellung? Reicht es aus, bereits Bekanntes oder absehbar zu Vermutendes wissenschaftlich nachzuweisen, oder sollen nur neue Ergebnisse prämiert werden? Reicht es aus, einen ausgezeichneten schöpferischen Teil zu schaffen, demgegenüber der theoretische Aspekt eher abfällt? Wie sind soziale Kompetenz und das Vermögen, sich Ressourcen zu erschliessen, zu bewerten?
Spickzettel für Erfolg
Herausgeschält haben sich bei der vierköpfigen Jury folgende Faktoren, die eine Art Spickzettel zum Erfolg sein können. Erstens: Soziale Relevanz. Leistet die Arbeit einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität oder der gesellschaftlichen Verhältnisse? Dieses Kriterium lässt sich nicht auf alle Themen anwenden, ist aber ein deutlicher Pluspunkt. Zweitens: Nachhaltigkeit - ein Kriterium, dass soziale Relevanz, Wirtschaftlichkeit im Umgang mit natürlichen Ressourcen und Umweltfreundlichkeit umfassen kann. Originalität ist ein weiterer Punkt. Es reicht nicht aus, bereits Bekanntes zu sammeln und schön aufzubereiten. Ausserdem werden Jurys, und Lehrer übrigens auch, nicht gerne gelangweilt. Vielmehr wollen sie auch mal überrascht werden – besser also mit einer steilen These einen tiefen Absturz riskieren, als eine brave, aber langweilige Arbeit abzuliefern.
Zentral ist dem Beirat die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zur Methodenkritik. Einige Kandidatinnen und Kandidaten haben sich am Ende der Arbeit nochmals ganz genau überlegt, was nun herausgekommen ist, welche Schritte sie weitergebracht haben und wie sie ihre Versuchsanordnung ändern müssten, um Lücken zu schliessen oder Sackgassen zu vermeiden. Dies sei für die Fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten oft wichtiger als sachliche Ergebnisse. Ausserdem bewertet die Jury auch, ob als Quellen nur Internet oder auch Fachbücher zu Rate gezogen werden. Trotz allen Kriterien spielen Glück und Zufall auch eine Rolle bei der Wahl auf vier aus zwölf bestdotierten Arbeiten.
138 Seiten Roman
Die Hürde haben dieses Jahr Martin Wyss (Landschlacht), Ramona Stelzner (Lippoldswilen), Nathalie Enk (Kreuzlingen) und Henrik Westphal (Kreuzlingen) gemeistert. Ramona Stelzner hat mit ihrem 138 Seiten umfassenden Fantasy-Roman einen grossen Wurf hingelegt. Der Roman hat einen hohen Unterhaltungswert, gehe auf Wert- und Sinnfragen ein und verbindet das Lebensschicksal der Hauptpersonen und ihren persönlichen Umfeldern geschickt mit übergeordneten gesellschaftlichen Zielen. Henrik Westphal hat sich mit einem Problem beschäftigt, das für die ganze Gesellschaft von grosser Bedeutung ist: Solarenergie. Im Theorieteil hat er die Technik beschrieben, im Praxisteil mit den Messungen an einer realen Solaranlage verglichen und auf der dritten Ebene ein Computermodell entworfen, mit dem die Leistung einer Anlage abhängig vom Standort vorhergesagt werden kann.
Begründete Kritik
Nathalie Enk hat die Abhängigkeit der Konzentrationsfähigkeit von Haushunden untersucht. Ihre Arbeit ist geprägt durch Begeisterung, Engagement und hohen Aufwand. Sie hat eine äusserst kompetent durchgeführte Untersuchung in sehr ansprechend dargestellter Form eingereicht. Martin Wyss holte sich als erster KSK-Maturand überhaupt eine Auszeichnung mit einer Arbeit aus dem Fach Recht. Er hat das Thema «Die Kindsanhörung im Scheidungsprozess» diskutiert, eine Arbeit die wegen ihres objektiven Ansatzes, ihres systematischen Aufbaus und ihrer sauberen Methodik besticht. Aber auch durch eine klare und präzise Sprache und vorbildliche Leserführung. Der Autor hat Kritik geübt an der Gerichtspraxis und begründet diese nachweislich.
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