Leserbrief – Dass der Grosse Rat des Kantons Thurgau am 6. Dezember 2011 dem Richtplan mit 79 zu 25 Stimmen zustimmte, war keine Überraschung. Wurde die Bevölkerung doch über eineinhalb Jahre lang mit falschen Informationen beliefert, wurden finanziell nicht haltbare Versprechen gemacht, und dann der Richtplan dem Grossen Rat mit der Aussage präsentiert, dass alle Anwohner informiert wären. - Ueli Ryter
Das heisst aber noch lange nicht, dass alle einverstanden sind. Viel Widerstand und Unzufriedenheit ist aus der Presse zu entnehmen. Mit der BTS und der OLS wird ein nicht notwendiger und unerwünschter Siedlungsdruck im Oberland erzeugt. Ohne eine BTS werden im Jahre 2030 maximal 9'300 Fahrzeuge pro Tag erwartet. Mit einer BTS wird mit einem Verkehrsvolumen von über 16'000 Fahrzeugen gerechnet.
Ein falsches Konzept, sagen wir, zudem wurde die Bevölkerung hinters Licht geführt. Dieser wurde mit teuren und aufwändigen, steuergeldfinanzierten Kampagnen weisgemacht, eine OLS werde erst gebaut, wenn in Langrickenbach während zwei Jahren mehr als 10'000 Fahrzeuge pro Tag gezählt würden. Nun, kurz vor dem Beschluss des Grossen Rates, korrigierte das Departement für Bau und Umwelt die prognostizierten Verkehrszahlen unerwartet und verkündete, die OLS und die BTS müssten gleichzeitig gebaut werden. Irren ist menschlich und schliesslich arbeiten da ja auch in Zukunft Menschen.
Die von einigen Politikern seit langem geforderte Südspange für Kreuzlingen dient ausschliesslich dem Beginn einer OLS. Frühere Untersuchungen zeigten wiederholt, dass damit keine Verkehrsentlastung für die Stadt Kreuzlingen erreicht wird und daher als nutzlos zu betrachten ist. Neuere Zahlen wurden der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht, woraus man schliessen kann, dass sich daran nichts geändert hat.
Der Leitsatz von Regierungsrat Stark «Thurgau entwickeln – Thurgau bleiben» kann mit einer zusätzlichen Strasse in unserem Oberland sicher nicht erfüllt werden. Der durch Strassen verursachte Siedlungsdruck wird unsere noch heimische Landschaft ungewollt «Stark» verändern. Wo Strassen sind, werden Häuser, Tankstellen und Shops gebaut – mit allem was dazu gehört. Dafür gibt es im Thurgau bereits Beispiele.
Es geht auch anders. Vergleichen wir die Situation mit der vor 20 Jahren gebauten Autobahn A7. Mit 14'600 Fahrzeugen pro Tag bei der Messstelle vor Müllheim eine totale Fehlinvestition! Darum fordern wir, bevor diese überdimensionierte Strasse nicht sinnvoll ausgelastet ist, dürfen keine neuen, unsinnigen Projekte realisiert werden. Wir setzen uns dafür ein, zu schützen was noch bewahrt werden kann. Den Thurgau besser verbinden heisst nicht, ihn zu zersiedeln und mit Strassen zu übersäen. Die Lebensqualität der Bevölkerung ist uns wichtig und wir wollen auch in 20 Jahren noch ruhige Naherholungsgebiete vorfinden. Städte von Verkehr zu befreien wird nicht mit neuen Parkhäusern erreicht, sondern alleine mit der Förderung des öffentlichen Verkehrs. Dafür stehen wir, das Komitee zum Schutz des Seerückens, ein.
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