Kreuzlingen – Vergangenen Samstag präsentierte das KIK-Festival den deutschen Satire-Altstar Georg Schramm. Im prallgefüllten Dreispitzsaal redete er sich auf beeindruckende Art und Weise und äusserst unterhaltsam in Rage. - Stefan Angele
Für einen Kabarettisten auf der Bühne, mit einem gleichsam erwartungsfrohen wie kritischen Publikum vor der Nase, gehören zu einem erfolgreichen Auftritt wohl mindestens drei Elemente: Zunächst einmal kommt es auf die inhaltliche Bedeutung und Relevanz des Gesagten an. Darüber hinaus muss eine körperliche Bühnenpräsenz geleistet werden, um die vor einem Sitzenden in den Bann ziehen zu können. Zum Dritten sollte ausserdem auch ein Funken Sympathie von der Bühne in den Zuschauerraum überspringen. Sofern sämtliche drei Prämissen eingehalten werden, dürfte einem «grossen Abend» eigentlich nichts mehr im Wege stehen.
Doch was tun, wenn sich die verkörperten Figuren ob ihres Zornes und ihrer eher schroffen Direktheit nur bedingt als Beispiele typischen «Sympathiegebolzes» eignen? Da scheint guter Rat teuer, doch Schramm benötigt einen solchen zu keiner Zeit. Ob als Lothar Dombrowski, als Oberstleutnant Sanftleben oder in der Rolle eines seiner anderen Alter Ego: Er donnert und wettert sich souverän durch sämtliche Themen, die das aktuelle Zeitgeschehen so bereithält.
Er gibt Josef Ackermann und Thilo Sarrazin mal eben zum Abschuss frei, deklariert Gier und Habgier als «Kernenergie des Bösen» und spricht den deutschen Bundespräsidenten Wulff von eben diesem frei («Das wird dem Bösen nicht gerecht.»). Beim Stichwort Kirche packt ihn gar der «heilige» Zorn und zum Thema Alter führt er aus, dass es für Oma nicht immer leicht sein dürfte, zwischen «Daheim» und «im Heim» zu unterscheiden.
Der oftmals kryptischen Herrschaftssprache hält Schramm die Kraft der Worte entgegen – in der Sprache des einfachen Mannes. Er empört sich und will sein Publikum empören, glänzt dabei mit geschichtlichem Wissen und schreckt nicht davor zurück, Adorno zu zitieren. Das spontane Reagieren auf Zurufe aus dem Saal, der Umgang mit dem Ausfall des Mikrofons, die Anpreisung seines Kollegen Josef Hader, der am 29. März zum KIK kommt: All dies vollführt er – oben beschriebener Problematik zum Trotz – in derart sympathischer Manier, dass man nach zweieinhalb Stunden Programm mit zornig guter Laune aus dem Saal tritt.
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