Kreuzlingen – Transparent und umfangreich informierte der Stadtrat bisher über das Millionenprojekt «Xentrum». Das scheint bei den Einwohnerinnen und Einwohnern anzukommen. Bei unserer Strassenumfrage trafen wir auf kenntnisreiche Kreuzlinger. - Stefan Böker
Park statt Parkplatz: Teil drei des Mammut-Projekts ist die neue grüne Mitte auf der Festwiese, geparkt würde dann unterirdisch. (Bild: sb)
Gesamtkonzept «Xentrum Kreuzlingen» nennt der Stadtrat das Mammutvorhaben, für welches bisher ein Investitionsvolumen von bis zu 60 Millionen Franken angenommen wird (wir berichteten). «Plus/Minus 30 Prozent», wie Stadtammann Andreas Netzle betont. Denn genauer liessen sich die Kosten zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersagen, schliesslich können die Planungen im Laufe der Zeit noch erhebliche Änderungen erfahren.
Allerdings erwähnte der Stadtammann an einer Informationsveranstaltung in der vergangenen Woche erstmals, dass dadurch Steuererhöhungen entstehen könnten. Mehrmals wurde in der Vergangenheit bereits betont, dass eine «mittlere Verschuldung» für die Stadt finanziell tragbar sei. Ein solches Investitionsvolumen erfordere in der Zukunft jedoch «den Willen zur Ausgabendisziplin und zum vorübergehenden Verzicht auf Wünschbares».
Zum modernen «Xentrum» gehören das Stadthaus, der Ausbau des Bushofs Bärenplatz, die Tiefgarage plus Stadtpark vor der Kirche St. Ulrich sowie die neue Schwimmhalle. «Würden Sie dafür eine Steuererhöhung in Kauf nehmen?» und «Welches der vier Teilprojekte beurteilen Sie als das Dringlichste?» waren unter anderem Fragen, die wir in unserer Strassenumfrage stellten.
Die Strassenumfrage
«Ich denke, die Schwimmhalle ist am Dringlichsten und hat den grössten Bedarf», sagt Paula Stiefenhofer aus Kreuzlingen. «Eine Schwimmhalle ist für Jung und Alt.» Die Argumente für das neue Stadthaus überzeugen sie indes nicht hundertprozentig. «Unser Haus ist auch klein», meint sie lachend. Tiefgarage und Park findet sie gut: «Parkplätze in Kreuzlingen zu finden, ist eine Katastrophe. Da kann das Parkhaus Abhilfe schaffen.» Wegen der Kosten für das Gesamt-Projekt «Xentrum» macht sie sich keine grossen Sorgen. Solange die Steuern nicht hochgehen, sei das schon in Ordnung.
Siegfried Giller sieht indes den Bedarf aller vier Teilprojekte ausgewiesen. «Allerdings finde ich, dass das Schwimmbad Egelsee ausreichend ist. Aber ich verstehe, wenn Leute da anderer Meinung sind.» Seine vollständige Zustimmung erhält hingegen das neue Stadthaus. «Das brächte endlich die verschiedenen Stellen zentral zusammen. Da wird schon seit so vielen Jahren drüber geredet, nun ist es wirklich Zeit, dies auch in die Tat umzusetzen.» Ein Manko in seinen Augen wären allerdings Steuererhöhungen. «Andererseits: Das würde mich eher nicht betreffen», sagt der 70-Jährige.
Überhaupt keine Sorgen wegen den Kosten machen sich zwei junge Männer vor der Hauptpost. «Das kann sich Kreuzlingen locker leisten», sagt Sebastian Storz. «Auch eine Steuererhöhung würde ich in Kauf nehmen.» Allerdings sieht er zusätzlich an anderen Stellen Bedarf für neue Bauten: «Hier, die Post, da sollten die lieber mal ein neues Gebäude hinstellen. Das sieht aus wie in den 80er Jahren, da fühle ich mich immer, als ob ich noch zehn Jahre alt wäre», scherzt er. Sein Kollege Jochen Korfmann kommt ebenfalls aus Kreuzlingen. Er begrüsst den Ausbau des Bushofs Bärenplatz und sagt: «Obwohl ich viel Fahrrad fahre, finde ich es gut, wenn der ÖV ausgebaut wird. Auch die Fahrplanänderung in diesem Jahr mit dem Anschluss nach Tägerwilen finde ich sehr sinnvoll.»
«Obwohl ich als Pensionierter nicht so von einer Steuererhöhung betroffen bin», sagt Walter Kündig, «ist für mich hinsichtlich der Kostenfrage noch nicht alles geklärt.» Er hofft generell, dass durch das Projekt «Xentrum» Impulse auch auf andere Gebiete überspringen und Besitzer von heruntergekommenen Liegenschaften ihre Fassaden renovieren. Lilli König, angetroffen im EKZ Karussell, sieht hingegen Handlungsbedarf in ganz anderer Richtung: «Für mich gehören in ein ‹Xentrum› auf jeden Fall attraktive Geschäfte. Ich würde mir wünschen, dass der Stadtrat mehr Anreize schafft, um diese an den Boulevard zu locken.»
Der Kreuzlinger Sepp Bläsi findet es gut, dass auf der Festwiese eine neue grüne Mitte entstehen soll. «Grünflächen sind immer gut.» Das Stadthaus hätte seiner Meinung nach im Dreispitzpark einen sinnvollen Standort, denn «bisher sind die verschiedenen Verwaltungsgebäude schon arg verteilt». Auch das man mit der Tiefgarage Festwiese Synergien nutzen kann, macht Sinn, pflichtet seine Frau Elisabeth bei. Hinsichtlich der Schwimmhalle und den zu erwartenden Unterhaltskosten ist das Ehepaar hingegen kritisch eingestellt: «Man liest so oft von Schwimmbädern, die schliessen mussten.»
Der Zeitplan
An der Informationsveranstaltung zum Gesamtprojekt «Xentrum» ging Stadtamman Andreas Netzle auch auf den Zeitplan ein. Möglicherweise gelangen alle vier Teilprojekte gleichzeitig, aber zumindest zeitnah, zur Volksabstimmung. So könnten Stadthaus, Park und Tiefgarage Festwiese sowie die Schwimmhalle Ende 2013 vors Volk kommen. Nachdem der Gemeinderat im Dezember den Kredit zum Architekturwettbewerb des Stadthauses bewilligte, könnte dieser bereits im Herbst abgeschlossen sein, der Gemeinderat im Frühling 2013 darüber beraten.
Die Pläne des bereits 2007 abgeschlossenen Architekturwettbewerbs zu Park und Tiefgarage Festwiese werden überarbeitet, im Herbst 2013 soll der Gemeinderat über den Projektkredit befinden. Über den Kredit zum Architekturwettbewerb für die Schwimmhalle mit Standort Egelsee entscheidet der Gemeinderat am 23. Februar. Über den Projektkredit würde das Parlament ebenfalls im Herbst 2013 beraten. Für den Bushof (Kosten wahrscheinlich unter einer Million Franken) braucht es keine Volksabstimmung. Er muss bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 fertig sein, die Botschaft soll dem Gemeinderat im November 2013 vorliegen.
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