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IBK-Förderpreise 2012 an SchauspielerInnen überreicht

Heiden – Die Internationale Bodensee Konferenz (IBK) zeichnete acht Schauspielerinnen und Schauspieler (Theater und Film) mit einem Förderpreis aus. Die Förderpreise, die mit jeweils 10‘000 Schweizer Franken dotiert sind, wurden vom Vorsitzenden der IBK, Regierungsrat Jakob Brunnschweiler, Appenzell Ausserrhoden, im Rahmen der Preisverleihung im Kursaal Heiden übergeben.

«Mit Beharrlichkeit und mit einer Unbedingtheit sind die Ausgezeichneten aus dem Bodenseeraum ihren Weg gegangen, haben aufbauend auf ihrer Lust am Spiel und ihrem Talent ihren Traum verwirklicht und sind Schauspielerinnen und Schauspieler geworden. Und mit ihrem Können, ihren Fähigkeiten entführen sie uns in andere Welten, schlüpfen in die unterschiedlichsten Rollen, machen innerste Widersprüche einsehbar, ziehen uns in ihren Bann. Ich freue mich sehr, heute Abend acht jungen Schauspielerinnen und Schauspielern im Bodenseeraum einen Förderpreis überreichen zu können und ihnen dafür für ihr in verschiedener Hinsicht grenzüberschreitendes Wirken danken zu können», dies ein Auszug aus dem Grusswort von Regierungsrat Jakob Brunnschweiler.

Acht Förderpreise für Schauspielerinnen und Schauspieler
Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden von einer internationalen Fachjury aus insgesamt 18 Nominationen ausgewählt. Im Rahmen der feierlichen Preisverleihung, die im Kursaal Heiden stattfand, wurden acht Förderpreise von jeweils 10‘000 Schweizer Franken an folgende Personen überreicht:

Jeanne Devos (Jahrgang 1984), nominiert vom Kanton Appenzell Ausserrhoden: Studierte Schauspiel an den Hochschulen der Künste Bern und Zürich. Neben ihrem Studium war sie abgesehen von Gastengagements am Luzerner Theater und am Stadttheater Bern auch immer wieder in der Freien Theaterszene aktiv und realisierte eigene Projekte. Seit der Spielzeit 2010/11 ist Jeanne Devos festes Ensemblemitglied am Deutschen Nationaltheater Weimar. Auszug aus der Jurybegründung: «Der Bann und die Suggestivität, die von ihr ausgehen, sind extrem. An ihrem Spiel, das sich in einem Balanceakt bis zur Künstlichkeit einer Figur vorwagt, bleibt aber immer einsehbar, und zwar bis in jedes Detail von Intonation und Gestus, warum wir das Theater vielleicht doch brauchen.»

Karin Enzler (Jahrgang 1980) nominiert vom Kanton Appenzell Innerrhoden: Studierte Philosophie und Neue Deutsche Literatur in Bern und Berlin und wechselte darauf an die Theaterakademie Hamburg, wo sie 2009 ihren Abschluss erhielt. Sie gastierte am Hamburger Schauspielhaus und Schauspielhaus Zürich und von 2008 bis 2010 war sie festes Ensemblemitglied am Landestheater Linz. Seit der Spielzeit 2012/2013 ist sie festes Ensemblemitglied am Theater Bremen. Jurystimme: «Mutig, ist der erste Begriff, der mir einfällt, wenn ich an den Auftritt von Karin Enzler in einem Psychothriller für zwei Wohnungen denke. Was ist hiermit gemeint? Sie scheut nicht die Nähe, nicht die zum Publikum, nicht die zur Rolle. Und sie schafft es auf bemerkenswerte Weise zu beidem eine Distanz zu schaffen, ob intuitiv oder beabsichtigt, das ist nicht von belang. Karin Enzler ist sicher das, was man eine ‚seiende Schauspielerin’ nennt».

Max Hemmersdorfer (Jahrgang 1985) nominiert vom Land Baden-Württemberg: Absolvent der Folkwanghochschule Essen. Es folgten Gastspiele am Schauspielhaus Essen und an den Recklinghauser Festspielen. Seit 2011 ist der Schauspieler Ensemblemitglied am Theater Konstanz. Zu Max Hemmersdorfer schreibt die Jury: «Der Förderpreis ist auch Hinweis: hier ist ein Talent – geht pfleglich mit ihm um, hegt es, beobachtet es, fordert aber überfordert es nicht. Von keinem Sprinter wird erwartet, dass er Marathon läuft. Max Hemmersdorfer ist ein Talent, ein Schauspieler mit einer vitalen Ausstrahlung und grosser physischer Präsenz und er spielt mit seelenvollem Einsatz und überbordender Kraft. Diesen jungen Schauspieler zu fördern ist wichtig, denn er ist noch auf dem Wege, so sicher seine Schritte auch wirken. Möge der Preis dazu helfen.»

Brigitte Hobmeier (Jahrgang 1976) nominiert vom Land Bayern: Studierte an der Folkwang Hochschule in Essen, gehörte zum Ensemble von Peter Steins Faust-Projekt (Expo 2000), von 2002 bis 2005 war sie Ensemblemitglied am Münchner Volkstheater und seit 2005 Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. «Die Frauen, die Brigitte Hobmeier spielt, unterlaufen mutig und klug die Verhältnisse und lassen sie hinter sich. Mit Schweigen, gegeneinandergesetzten skandiert anmutenden Attacken und Repliken, knapp und nüchtern, nimmt sie die Zügel in die Hand. Ihre Weiblichkeit und Leidenschaft, ihr Ehrgeiz und Hass sind überwältigend. Eine Protagonistin; zu Deutsch: eine erste Kämpferin», so die Jury.

Sarah Hostettler (Jahrgang 1983) nominiert vom Kanton Zürich: Ihre Ausbildung absolvierte sie an der Hochschule der Künste in Bern. Von 2007 bis 2009 war Sarah Hostettler festes Ensemblemitglied am Deutschen Theater Göttingen, danach folgten verschiedene Gastengagements (Deutsches Theater Göttingen, Theater an der Winkelwiese Zürich sowie am Schauspielhaus Zürich). Seit 2011 ist die Schauspielerin festes Mitglied am Schauspielhaus Zürich. Auszug aus de Begründung der Jury: «Sowohl in Theaterinszenierungen wie in Spielfilmen zieht Sarah Hostettler den Blick auf sich, sie kann sowohl Dunkelheit und Geheimnis verkörpern wie Glamour und Leuchtkraft verbreiten. Es ist sehr zu hoffen, dass ihr demnächst der Durchbruch auch im grossen Spielfilm gelingt; wenn dieser Preis dazu beitragen kann, hat er seinen Zweck auf ideale Weise erfüllt.»

Jasmin Rischar (Jahrgang 1973) nominiert vom Land Vorarlberg: Schauspielausbildung an der Actor’s Company Aschaffenburg. Jasmin Rischar war knapp 10 Jahre Ensemblemitglied am Vorarlberger Landestheater. Seit 2008 legt die Schauspielerin ihren Schwerpunkt auf den Film. Die Jury schreibt: «Jasmin Rischar beweist grosse Frische in der Interpretation ihrer Rollen und als Schauspielerin körperliche Präsenz, Wachheit und Wandelbarkeit. Faszinierend ist die natürliche Unaufgeregtheit, mit der sie spielt, die Einfühlsamkeit – und dabei immer dieser offene, herausfordernde, eindringliche Blick. Fragilität, Dünnhäutigkeit, Ungestüm, Spontaneität und Reflektiertheit, Übermut und bittere Desillusionierung: Die junge deutsche, in Vorarlberg wohnhafte Schauspielerin überzeugt uns mit ihrem Talent, indem sie diese ganze Ausdruckspalette ausmisst».

Anja Tobler (Jahrgang 1979) nominiert vom Kanton Thurgau: Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste. Bereits während des Studiums spielte sie am Schauspielhaus Zürich. Nach dem Diplom 2005 folgten Engagements als freischaffende Schauspielerin, unter anderem am Theater Basel, Luzerner Theater, Stadttheater Bern, Theater Chur und bei zahlreichen freien Gruppen. Mit verschiedenen Stücken gastierte sie am Théâtre Vidy Lausanne, am Thalia Theater Hamburg, in Berlin am HAU und in den Sophiensälen und an Festivals im In- und Ausland. «Anja Tobler überzeugt mit ihrem Spielwitz und ihrem klugen Umgang mit ihren Rollen. Stilsicher, mit stiller Intensität, klug und mit unprätentiöser Haltung behält sie die Übersicht. Anja Tobler hat viele Gesichter für viele Rollen. Ihre nuancierte Mimik macht Humor, Widerspenstigkeit und Sturheit, Mut oder Verschmitztheit in feinen Abstufungen sicht- und erlebbar, und immer ist ihr starker Charakter dahinter zu spüren», heisst es in der Jurybegründung.

Lucy Wirth (Jahrgang 1984) nominiert vom Land Bayern: Ausbildung an der Otto-Falckenburg-Schule in München, Abschluss 2007. Erstengagement am Stadttheater Bern anschliessend wechselte sie ans Bayerische Staatsschauspiel München. Es folgten einige Arbeiten am Theater Augsburg. Seit der Spielzeit 2012 ist Lucy Wirth Ensemblemitglied der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin. Die Jury schreibt: «Wer sie einmal auf der Bühne gesehen hat vergisst sie nicht. Das Gesicht aus Augen. Mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit, aber auch gefährlicher Schärfe öffnet sie dem Zuschauer die Augen. Sie erschreckt und ergreift durch ihr verstörendes Erwachen aus verordneten Wahn- und Wunschvorstellungen. Mit vollkommener innerster Sicherheit spielt und durchformt sie bis ins feinste Ornament einer Geste, eines sprachlichen Ausdrucks, die Situation einer Figur. Obsessiv und rückhaltlos bis zur Entblössung riskiert sie Kopf und Kragen».

Publikation
Zur Preisverleihung ist eine Publikation erschienen, die einen Überblick über die Tätigkeiten der ausgezeichneten Preisträgerinnen und Preisträger gibt. In der Publikation geben die Prämierten auch Antwort auf die Frage: was ihnen die Schauspielerei bedeute, nachzulesen sind auch die Laudationes. Die Publikation kann bei der IBK-Geschäftsstelle angefordert werden (solange Vorrat).

IBK-Förderpreise
Die Förderpreise der IBK werden seit dem Jahr 1991 jährlich in wechselnden Sparten verliehen. Es können maximal acht Preise in der Höhe von jeweils 10’000 Schweizer Franken vergeben werden. Ausgezeichnet werden Personen oder Personengruppen mit herausragenden Leistungen in der jeweiligen Kunstsparte. Verantwortlich für die Durchführung der Jurierung ist die Kommission Kultur der IBK. Durchgeführt wurde die diesjährige Jurierung vom Amt für Kultur von Appenzell Ausserrhoden.

Jedes Mitgliedsland der IBK – Baden-Württemberg, Bayern, Liechtenstein, Vorarlberg, die Kantone St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Zürich sowie Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden zusammen – hat unter Beizug von ausgewiesenen Fachleuten je zwei Nominationen vorschlagen. Die Nominierten müssen einen Bezug zum jeweiligen Kanton oder Bundesland aufweisen.

Eine von den Mitgliedsländern und Mitgliedskantonen gewählte internationale Jury von drei ausgewiesenen Fachleuten hat die Preisträgerinnen und Preisträger nach einem aufwändigen Jurierungsverfahren ausgewählt. Ihr gehörten an: Dirk Diekmann (Bregenz), Chefdramaturg und Regisseur am Vorarlberger Landestheater; Michael Huthmann (Stuttgart), Professor für Theorie des Theaters; Bettina Spoerri (Zürich), Theater und Filmkritikerin bei der Neuen Zürcher Zeitung.
Den Juryvorsitz hatte Margrit Bürer (Herisau), Leiterin des Amts für Kultur von Appenzell Ausserrhoden, und Marco Paniz (Zürich) sorgte für die Organisation und Dokumentation.

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