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Ungewolltes Wasserbett

Bettnässen – Lange Zeit ging man davon aus, dass nächtliches Einnässen auf psychische Faktoren zurückzuführen sei. Dabei gibt es verschiedene Gründe fürs Bettnässen. Auch die Behandlungsmethoden sind vielfältig.

Sebastians Bett ist nass, wieder einmal. Während der Nacht hat sein Körper von alleine Wasser gelassen, ohne dass er etwas davon mitbekommen hat. Er schämt sich. Warum kann er nicht wie alle anderen Kinder nachts trocken bleiben, fragt sich der Zehnjährige. Seine Schulkameraden und Eltern schaffen es doch auch? Doch da täuscht sich Sebastian.

Rund 80000 Kinder und Erwachsene leiden in der Schweiz unter der sogenannten «Enuresis nocturna», was für nächtliches Einnässen steht. Das ungewollte Einnässen ist während der ersten Kinderjahre normal. So sind etwa zehn Prozent der Siebenjährigen, fünf Prozent der Zehnjährigen und sogar noch ein Prozent der Erwachsenen davon betroffen.

Ins Bett weinen
Lange Zeit ging man davon aus, dass das ungewollte Harnlösen auf psychische Faktoren zurückzuführen sei. So sollten etwa eine schlechte Erziehung oder Ängste des Kindes dafür verantwortlich sein. Der Ausspruch «das Kind weint ins Bett» galt als allgemeingültig. Heute weiss man, dass die Ursachen für die Krankheit meist in einer Reifungsstörung liegen. Dennoch gibt es verschiedene Gründe fürs Bettnässen.

Die primäre Enuresis wird diagnostiziert, wenn Kinder mindestens einmal alle sechs Monate ins Bett machen. Zurückzuführen ist das auf einen sehr tiefen Schlaf, wodurch das Kind bei Harndrang nicht aufwacht. Ausserdem wurde bei bettnässenden Kindern ein Mangel des antidiuretischen Hormons (ADH) festgestellt. Dieses soll während der Nacht die übermässige Harnproduktion verhindern. Geschieht dies nicht, wird mehr Urin produziert, als die Blase fassen kann.

Unter die sekundäre Enuresis fallen Kinder, welche nach einer langen Phase der Trockenheit wieder anfangen, ins Bett zu machen. Gründe hierfür sind meist psychologischer Natur. Das Phänomen tritt vor allem bei einschneidenden Veränderungen im Leben auf. Diese können etwa neue Geschwister, der Verlust eines Familienmitgliedes oder ein Wechsel des Wohnortes sein.

Genauso vielfältig wie die Ursachen sind auch die Behandlungsmethoden. Diese können medikamentös sein, indem versucht wird, den Mangel des Hormons ADH auszugleichen oder einfach im Benutzen von Windeln bestehen. Auch Alarmtherapien können zum Erfolg führen. Dabei wird eine sogenannte «Klingelhose» während der Nacht getragen. Diese löst bei Feuchtigkeit einen Ton aus, der das Kind weckt. Auf diese Weise sollen die natürlichen Anzeichen des Harndrangs kennengelernt werden.

Thema sollte nicht tabuisiert werden
Eine genaue Abklärung der Ursachen und Behandlung kann nur ein Arzt machen. Allgemein raten Experten dazu, dass Thema nicht zu tabuisieren. Eltern sollten offen mit dem Kind über die Krankheit reden und erklären, dass der Zustand normal sei und man beim Arzt Abhilfe schaffen könne. Schimpfen oder gar Strafen hilft dabei nicht und kann das Problem schlimmstenfalls noch verstärken.

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