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«Landbueb»

Leserbrief – Mit an die 40 Personen aus unserer Gemeinde war die Einladung von Stefan Egger über Erwarten gut besucht. Dieser nahm dann nach seinem mehrmals ausgedrückten Dank an die Anwesenden und natürlich auch all jene, die ihre Einkäufe im «Landbueb» tätigen kein Blatt vor dem Mund.

Stefan Egger erklärte sich enttäuscht über die spärliche Nutzung des Angebotes in der Gemeinde Landschlacht. Weniger als 5% der Bevölkerung würden regelmässig im Laden ihre Einkäufe tätigen, womit ein Laden nicht existieren könne und seit der Eröffnung im Mai 2012 bereits ein 6-stelliges Defizit eingefahren wurde.

Damit ich es nicht vergesse: mein Dank an Stefan Egger für die Bewirtung an diesem Abend, wird mit Sicherheit von allen Anwesenden geteilt und ebenfalls ausgesprochen.

Womit soll man heute Menschen motivieren am Dorfleben mitzumachen? Dorfleben heisst, die Teilnahme an Vereinen, an gemeinsamen Anlässen, an gemeinsamen Anliegen sowie an einer «Social Community», um bei der modernen Ausdrucksweise zu bleiben. Die «Landbueb-Beiz» ist ein idealer Treffpunkt um genau diesen immer grösser werdenden Mangel an persönlichen Kontakten entgegen zu wirken und die Verbundenheit, ja die gegenseitige herzliche Hilfsbereitschaft wieder zu finden, die früher einmal geschätzt wurde.

Wenn 95% der Einwohner von Landschlacht sich dem Konsum ausserhalb der Gemeinde, in Shopping-Centern, im benachbarten Ausland oder in «Social-Medien» widmen, in Twitter und Facebook tummeln und dabei vereinsamen und sich der realen Welt entfremden, dann wird einem schlagartig klar, weshalb wir uns weltweit in einer Abwärts-Spirale drehen und uns daraus kein Entrinnen gelingt.

Der Konsum, die Befriedigung der manipulierten Bedürfnisse, die Ablenkung von den realen Problemen mit Fernsehen, Film und Internet ist denn auch genau und berechnend gewollt, damit die Menschen geführt werden können. Damit sie willenlos dem Mamon Geld und Fun verfallen und für keine vernünftigen Gedanken mehr zu gewinnen sind. Wenn ich könnte, würde ich jede und jeden des 95%igen Anteils schütteln, bis ihr oder ihm die Vernunft wieder kommt und sich der Situation wirklich ernsthaft bewusst wird.

Noch hat jeder Benzin in seinem Wagen, noch hat jeder Oel in seinem Heiztank, noch kann jeder wohin auch immer fahren, um zu shoppen und nach Erlebnissen Ausschau zu halten und glaubt, dass es in Ewigkeit so weitergehen wird. Ich bezeichne diese Menschen als gutgläubig und Träumer und – sie sind zu bedauern, denn sie verpassen die Realität und vergessen dabei, wie eine gut funktionierende Gesellschaft zu erhalten ist. Eine Gesellschaft lebt zwar auch von Wettbewerb und Fortschritt, sie lebt aber vor allem durch die Verantwortung einer jeden und eines jeden gegenüber sich selber und gegenüber dem nächsten.

Wer ist aber der nächste – wer kennt bereits heute nicht mehr die Bewohner des Nachbarhauses? Vielleicht vom gelegentlichen Sehen, geschweige denn mit Namen oder Familienmitglieder dieser Unbekannten. Ist es nicht erschreckend, wie wenig wir uns um die soziale Verantwortung kümmern und wen wundert’s, wenn in der Zeitung mal wieder über eine Person zu lesen ist, die bereits seit einigen Tagen oder Wochen tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde? Wer hat sich gekümmert um diese Person? Wer kümmert sich um dich, um wen kümmerst du dich?

Dieses Kümmern oder Verantwortung tragen umfasst auch das tägliche Leben, die Sicherstellung der Versorgung vor Ort. Wir tragen Verantwortung zu der Versorgungsstelle im eigenen Dorf, damit diese zu unserer Versorgungsstelle wird, wenn keine privaten Transporte mehr verfügbar sind oder wenn der Versorgungsgrad (Import von Nahrungsmittel bei 75%) stockt.

Wenn der Konsument die Dienstleistung der Versorgungsstelle während Normalzeiten bezieht und damit deren Existenz unterstützt, darf man sich auch in Notzeiten dort zeigen lassen und kann erwarten, dass man etwas bekommt. Wie würdest du reagieren, wenn der «Konsument» nur in deinen Laden kommt, weil er anderswo nichts mehr erhält? Deine Aussage wäre mit Sicherheit: «Jetzt sind wir wieder gut genug – hä?»

Es ist manchmal etwas unangenehm, wenn ich mich mit solchen Gedanken beschäftigen muss oder geradezu aufgefordert werde, mich damit zu beschäftigen. Wie heisst doch der bekannte Spruch: «Man ist des eigenen Glückes Schmied». Wenn ich mir also etwas Mühe gebe und mich meiner Verantwortung stelle, indem ich mich nachhaltig und regional versorge, die Handwerker im Dorf anrufe, wenn es etwas zum Handwerken gibt, den Coiffeur im Dorf besuche, um mir eine neue Friese zu leisten oder ganz einfach meine Spaghetti oder mein Brot, Milch und Butter im «Dorflädeli» besorge, dann unterstütze ich die Region, lasse das Geld fliessen in der Region, vertraue auf meine Bekannten in der Region, und helfe auch in Notlagen bei Bekannten in der Region.
Kann ich dann auch, selber in Not, auf deren Hilfe zählen? Ich denke schon, denn ein Gutes bringt wieder ein Gutes. Man wir sich meiner erinnern und auch mir Hilfe anbieten.

Das ist doch ein verdammt gutes Gefühl, bekannt zu sein, geschätzt zu werden, gebraucht zu werden, und Hilfe und Unterstützung erwarten zu dürfen und nicht einsam zu sein, jemanden zum Zuhören und Reden zu haben.
Kümmern wir uns doch wieder etwas mehr umeinander, unterstützen wir den «Landbueb» und werden wir wieder eine vorbildliche Gemeinde mit engagierten Einwohnern mit Hilfsbereitschaft und Verantwortung füreinander.

Wem diese Werte nichts wert sind und keine Herausforderung für eine wertvolle Zukunft ist, ist zu bemitleiden und zu hoffen, dass er oder sie trotzdem im sozialen Netz aufgefangen wird, seine Einsamkeit wird ihm aber kaum genommen werden können.

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