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Schnuppertage an der PMS

Kreuzlingen – Zukünftige Schüler haben die Pädagogische Maturitätsschule in Kreuzlingen unter die Lupe genommen. 209 Schülerinnen und Schüler aus dem Thurgau und dem Appenzeller Land haben im Laufe von vier Schnuppertagen die Gelegenheit genutzt, die Mittelschule mit der einzigartigen pädagogischen Ausrichtung auszuprobieren.

«Zwei Ziele hat dieser Schnuppertag», sagte Rektor Lorenz Zubler zur Begrüssung. «Erstens sollt ihr herausfinden, ob die PMS die richtige weiterführende Schule für euch ist. Zweitens sollt ihr am Ende des Tages Experten für den Übertritt aus der Sekundarstufe sein. Das Aufnahmeverfahren ist ja ein bisschen kompliziert.» Die PMS nimmt Schüler nach der 3. Sek (also nach neun Schuljahren) auf, wenn sie die Aufnahmeprüfung bestehen, oder wenn sie die Kanti-Prüfung nach der 2. Sek bestanden haben.

Zu den Jugendlichen, die sich für die PMS-Prüfung anmelden wollen, gehört die 15-jährige Sina aus Steinach. Sie interessiert sich gezielt für die Sportklasse, denn nur mit dem flexiblen Stundenplan, den den PMS Leistungssportlern zugesteht, kann sie weiterhin intensiv Voltigieren trainieren. Der 14-jährige Oliver aus Münchwilen ist dagegen vom Konvikt angezogen. «Ich kenne Leute, die auch hier wohnen – und denen gefällt es.» 122 Jugendliche nutzen derzeit das Internat an der PMS. Einige hätten sonst einen zu langen Schulweg, andere geniessen es, unter der Obhut der Konviktleitung die ersten Schritte in die Selbständigkeit zu tun.

Zu zweit oder zu dritt wohnen sie im ehemaligen Kloster, dem Scheffelhaus und zwei weiteren Gebäuden in der Nachbarschaft. Gemeinsam sollen sie hier erwachsen werden und Verantwortung übernehmen. Dementsprechend müssen sie in Eigenregie ihr Zimmer sauber halten. Die meisten waschen und kochen auch für sich allein. «Die Erstklässler sind allerdings verpflichtet, zum gemeinsamen Morgenessen und Abendessen kommen», erklärt David Binotto, der gemeinsam mit seiner Frau Monika für die Konviktler zuständig ist. «Wir wollen schliesslich sehen, ob sich unsere Neulinge gut eingelebt haben.» Im Altbau teilen sich bis zu zwanzig Mädchen oder Jungen eine Küche und drei Duschen. «Das geht ganz gut», meint die Drittklässlerin Corinne. «Beim Kochen muss man sich eben organisieren, und morgens beim Waschen wartet man auch mal fünf Minuten.»
Die Regeln im Konvikt sind klar. Um 22 Uhr herrscht Nachtruhe, Ausgang bis Mitternacht haben Erstklässler nur einmal pro Woche. Wer diese Regeln nicht einhält, wird verwarnt. Nach vier Verstössen ist Schluss. «Ich weiss nur von einem Einzigen, der aus dem Konvikt geflogen ist», sagt Desirée, die ebenfalls schon seit drei Jahren im Konvikt wohnt. «Er ist mehrfach zu spät heimgekommen und hat sich dann noch mit seiner Freundin auf dem Zimmer erwischen lassen.» Übernachtungsbesuch sei nur nach vorheriger Anmeldung bei Binottos erlaubt. Das Konviktleiter-Paar hat ein genaues, aber wohlwollendes Auge auf seine Schützlinge. «Wir betreuen. Wir kontrollieren nicht», sagt Monika Binotto. Die Leiter haben im Altbau eine eigene Wohnung. «Wer im Scheffelhaus zuhause ist und mal zu spät heim kommt, hat eine etwas grössere Chance, nicht erwischt zu werden», meint eine Bewohnerin. «Dafür ist bei uns im Altbau mehr los», hält eine andere Schülerin dagegen. «Wir sind dichter dran an den Aufenthaltsräumen und Klassenzimmern.»

Egal, in welchem der vier Häuser die Konviktler wohnen, sie alle scheinen mit der Art des Zusammenlebens hoch zufrieden zu sein. Jedes Jahr gibt es mehr Bewerberinnen als Plätze zur Verfügung stehen, obwohl die Eltern für die Unterbringung durchaus etwas zahlen müssen: 5.300 Franken kostet das möblierte Zimmer für ein Jahr, inklusive Frühstück und Abendessen. «Buben hätten wir gerne mehr», sagt David Binotto. «Sie sind in der Unterzahl.» Für alle gilt: je jünger ein Bewerber und je länger sein Anfahrtsweg, desto eher wird er berücksichtigt.

Fussnote: Anmeldeschluss für die Aufnahmeprüfung an der PMS ist der 23. November.

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