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«Ein Stück Nautikgeschichte»

Kreuzlingen – Ein Aufsehen erregender Spezialtransport fuhr am Dienstagvormittag über den Autobahn-Zoll nach Kreuzlingen. Im Schlepptau hatte er einen fast hundertjährigen Schärenkreuzer – ein sehr schlankes, sportliches Segelboot – mit einer Länge von 16,6 Metern.

Neue Heimat für ein Boot
Das «Carondimonio-Syndikat», eine Gruppe von Seglern, die zwischen Norddeutschland, der Region Kreuzlingen und der restlichen Schweiz verstreut sind, hat das Boot – auch unter dem Namen «Gun» bekannt – gekauft. Sie wollen es hier am Bodensee segeln und pflegen. Einer von ihnen ist der Tägerwiler Willi Sauter: «Ich habe den 75er Schärenkreuzer im Internet entdeckt», berichtet er. «Als Schreiner und Holzbootfan konnte ich meine Freunde davon begeistern, es hierher zu holen.» 
Eines der ersten Projekte der Segler-Gruppe war der Bau einer Renn-yacht im Jahre 1994 – die «Carondimonio». Mit dieser haben sie die grossen, offenen Binnenseeregatten am Bodensee, Chiemsee, Vierwaldstättersee und Genfersee gewonnen. «Das Boot wurde vor ein paar Jahren verkauft», erzählt Sauter. Das Projekt «Gun» ist nun so etwas wie das Altersprojekt einiger engagierter Segler.

Ein echter Klassiker
Die «Gun» wurde 1918 in Schweden aus massivem Mahagoni gebaut und gilt als Meisterstück des bekannten Schiffskonstrukteurs Erik Salander. Das Boot ist zwar sehr lang, doch misst es in der Breite bloss zweieinhalb Meter. «Weil die Schärenkreuzer so extrem schlank sind, wurden sie in der Entstehungszeit auch ‹rasende Zahnstocher› genannt», weiss der Schreiner. Zuletzt lag das Boot in Helsinki, Finnland, von wo aus es seine lange Reise in den Süden angetreten ist. «Die Gun ist ein richtiges Stück Nautikgeschichte», schwärmt Sauter.

Wo wird es liegen?
Vorerst ist der Schärenkreuzer in der Heinrich-Werft in Kreuzlingen untergebracht. Hier soll der Motor gewechselt werden.  Und da das Boot mit einem  zweifach gebrochenen Mast an den Bodensee gekommen ist, möchten die «Carondis» diesen noch reparieren.
Jetzt bleibt nur noch die Frage, wo das Boot künftig vor Anker gehen wird. Willi Sauter würde sich freuen, wenn die «Gun» in Kreuzlinge einen Liegeplatz bekommt. «Die Warteliste macht die Sache nicht gerade einfach», sagt er. «Wir hoffen aber, dass die Gun als Spezialfall betrachtet wird und bei der Standortgemeinde des Seemuseums vielleicht eine Chance hat.»   

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