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Raus geht es nur noch über das Quartier

Kreuzlingen – Ab Ende Januar wird der Boulevard für den motorisierten Durchgangsverkehr gesperrt. Beide Boulevardeinfahrten werden zu kurzen Einbahnstrecken, welche die Ein- aber nicht mehr die Ausfahrt erlauben. Wer zum Einkaufen auf den Boulevard fährt, soll sich seinen Rückweg über die Strassen des Quartiers im Westen suchen.

Ihre neuen Pläne stellte die Exekutive am Dienstagmorgen der Presse, am Abend den Mitgliedern des Quartiervereins Bodan vor.   Die Quartiersbewohner nahmen das neue Verkehrsregime wohlwollend auf. Mehrmals erkundigten sich die Anwesenden allerdings, warum es keine Fussgängerzone werden soll.
Am Prägnantesten wurde die Haltung der Stadtregierung zum Thema «Fussgängerzone» von Stadtrat Michael Dörflinger auf den Punkt gebracht: «Eine Fussgängerzone erzeugt eine Geisterzone – schön aber leer.» Die Möglichkeit sei aber nicht vom Tisch. Stadtammann Andreas Netzle sagte, eine reine Fussgängerzone bleibe das Endziel, sei zum jetzigen Zeitpunkt aber «psychologisch ganz schlecht». Die aktuelle gesamtwirtschaftliche Grosswetterlage lasse diese Option momentan nicht zu.

Durchgangsverkehr abschrecken
Am Morgen hatte der Stadtammann auf Schlaglichter im Text der Boulevard-Botschaft hingewiesen, welche 2009 von den Stimmbürgern angenommen wurde. Viele der damals formulierten Ziele habe man teilweise erreichen können, sagte Netzle. Der Boulevard heute ist attraktiver, leiser, weniger befahren und für Fussgänger, Auto- und Velofahrer  sicherer. Hinsichtlich eines Zieles aber bestehe dringender Handlungsbedarf: «Das Zentrum soll nur für den Zielverkehr interessant sein», erläuterte Netzle, «nicht für den motorisierten Durchgangsverkehr.» Dazu müsse man nun zusätzliche Massnahmen ergreifen.

Keine baulichen Massnahmen
Ab Januar sind das folgende: Die beiden Boulevard-Einfahrten werden zu kurzen Einbahnstrassen. Ab Höhe Marktstrasse bis Löwenkreisel und ab Credit Suisse bis Helvetiaplatz ist also die Ausfahrt aus dem Boulevard verboten. Zu diesem Zweck wird die Einbahnstrassensignalisation etwas in die Fahrbahn gerückt. So kann auf bauliche Massnahmen wie etwa Blumenkübel oder versenkbare Poller verzichtet werden. Velos und der Stadtbus dürfen weiterhin passieren.
Automobilisten müssen den Boulevard über Sonnenweg, Markt- oder Schützenstrasse und weitere Seitenstrassen im Westen verlassen. «Das Gebiet ist als Cityzone eingezont», legitimierte Bauchef Dörflinger die Umleitung über das Quartier. Im Wohngebiet östlich der Hauptstrasse sind nur Zubringer gestattet. Wer dort nichts zu erledigen hat, dem ist die Durchfahrt verwehrt.  Das werde kontrolliert, auch wenn es nicht einfach sei, versicherte Dörflinger. Zusätzlich wird es eine Einbahnstrasse zwischen Löwen- und Bärenkreisel geben: Stadteinwärts ist hier die Fahrt dann nicht mehr möglich. Der Plan des Stadtrates: Wer es gewohnt ist, den Boulevard als Durchgangsstrasse zu benutzen, dem soll dies auf diese Weise verleidet werden. Autofahrer sollen die Hauptstrasse möglichst grossräumig umfahren. Dabei stützen sich die Stadtoberen auf die Berechnungen eines Verkehrsingenieurs: Der durchschnittliche Tagesverkehr  (DTV) auf dem Boulevard wird durch die Massnahmen voraussichtlich um 5000 Autos gesenkt.  Die Variante mit den Mini-Einbahnstrassen auf der Hauptstrasse sei am effektivsten. Man habe verschiedene Vorschläge geprüft, wobei auch etliche Anregungen aus der Bevölkerung aufgenommen wurden. Mit einer Informationskampagne soll das neue Regime bekannt gemacht werden.

Die Signalisationsänderung wird noch aufliegen. Das neue Verkehrsregime ist zunächst ein einjähriger Versuch. Dann soll entschieden werden, wie es weitergeht.

Statistik
12000 Autos fuhren früher täglich über die Hauptstrasse, seit Eröffnung des Boulevards sind es noch 9000. 6300 davon sind laut Messungen reiner Durchgangsverkehr. Die neuen Massnahmen sollen den Boulevardverkehr auf 4000 Fahrzeuge täglich senken.    

Der Stadtrat Im Quartier
Neben dem Thema Fussgängerzone interessierten sich die Bodanesen am Dienstagabend für die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Pestalozzistrasse (hier bleibt die 30er-Zone bestehen da Schulweg), fragten nach einer möglichen Zubringer-Zone auf dem Boulevard (zu aufwändig, würde permanente Polizeikontrolle erfordern) oder erkundigten sich, wer nächtlichen Durchrasern Einhalt gebieten soll (Aufgabe der Polizei). Gefragt wurde auch, wie genau ein Zubringer definiert sei. Grob gesagt sei darunter jemand zu verstehen, der etwas im Quartier zu verrichten habe, erläuterte Stadtrat Dörflinger.

Thema neues Stadthaus bzw. Xentrumsplanung: Moderator Paul Stähli wusste dazu einleitend Kritik in ein Lob zu verpacken: «Xentrum ist das Unwort des Jahres – aber mittlerweile auch ein Label.» Stadtammann Netzle beantwortete Fragen hinsichtlich des Volumens des neuen Verwaltungsgebäudes und der mit dem Bau zusammenhängenden Auflagen der Eidgenössischen Kommission für Denkmalschutz sowie einem möglichen Standort Marktstrasse. Dieser weise gegenüber dem Bärenplatz mehrere Nachteile auf, beschied Netzle. An dieser Stelle rügte Moderator Stähli das Engagement von Alt-Stadtammann Emil Heeb, der sich bekanntlich für den Standort Markstrasse einsetzt.

Weitere Themen des Abends waren die Kunsthalle im Gleisdreieck sowie ein mögliches Kulturzentrum auf dem Schiesserareal. Zu Letzterem durfte Stadträtin Dorena Raggenbass Auskunft geben.   

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