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Schwierige Zeiten für die Thurgauer Industrie

Thurgau Die Lage für die Thurgauer Industrie bleibt schwierig. Zumindest bis zum nächsten Frühling rechnen die Thurgauer Industriebetriebe nicht mit einer Besserung. Nach wie vor auf vollen Touren läuft hingegen die Bauwirtschaft.

Gemäss der soeben erschienenen Ausgabe des «Thurgauer Wirtschaftsbarometers», das vom Kanton Thurgau, der Thurgauer Kantonalbank und der Industrie- und Handelskammer Thurgau gemeinsam getragen wird, ist die Stimmung in der Thurgauer Industrie seit Monaten praktisch unverändert. Auch Anfang Oktober 2012 bezeichnete jeder vierte der von der KOF ETH befragten Thurgauer Industriebetriebe seine Geschäftslage als schlecht. Demgegenüber sprach nur gerade jeder zehnte Betrieb von einer guten Geschäftslage.
 
Auftragsbestand ist erneut gesunken
Die Industrieproduktion bildete sich im dritten Quartal 2012 weiter zurück, und auch beim Bestellungseingang war noch keine Erholung in Sicht. Der Auftragsbestand hat sich weiter verschlechtert. Zwischen Juli und Oktober 2012 hat sich der Anteil der Thurgauer Industriebetriebe, die ihren Auftragsbestand als zu klein bezeichneten, von 39 auf 45 Prozent erhöht. Ihnen stehen nur gerade neun Prozent der Betriebe gegenüber, die einen grossen Auftragsbestand meldeten. Im Urteil der Unternehmen hat sich ihre Wettbewerbsposition im dritten Quartal 2012 weiter verschlechtert, am meisten gegenüber dem EU-Raum. Entsprechend bezeichneten im Oktober 2012 deutlich mehr Betriebe als noch im Juli eine ungenügende Nachfrage als bedeutendstes Produktionshemmnis.
 
Preise und Erträge rutschen nach wie vor
Jeder dritte Thurgauer Industriebetrieb musste im dritten Quartal sinkende Verkaufspreise hinnehmen, während nur bei vereinzelten Betrieben Preissteigerungen möglich waren. Entsprechend hat sich auch die Ertragslage bei beinahe jedem dritten Unternehmen weiter eingetrübt. Eine Ertragssteigerung meldeten demgegenüber nur gerade zwei Prozent der Betriebe.
 
Empfindliche Exporteinbussen im dritten Quartal
Nach dem eindrücklichen Exportplus im ersten Halbjahr 2012 musste die Thurgauer Exportwirtschaft im dritten Quartal 2012 Federn lassen. Die Ausfuhren aus dem Thurgau lagen im dritten Quartal um 6,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im gesamten Dreivierteljahr von Januar bis September 2012 nahmen die Exporte aus dem Thurgau um ein Prozent zu. Mehrausfuhren gab es in den EFTA-Raum sowie in einen Teil der Transformations- und Schwellenländer. Empfindliche Einbussen erlitt hingegen der Absatz auf den EU-Märkten (-5 Prozent), in den aussereuropäischen Industrieländern (-8 Prozent) und den asiatischen Schwellenländern (-10 Prozent). Der wichtigste Handelspartner Deutschland bezog vier Prozent weniger Waren aus dem Thurgau als im Vorjahr.
 
Die Importe in den Thurgau nahmen im Dreivierteljahr um ein knappes Prozent zu. Mehr nachgefragt wurden Investitionsgüter, insbesondere Maschinen und Apparate sowie Baubedarfswaren. Der Wert der importierten Konsumgüter nahm hingegen geringfügig ab.
 
Noch keine Besserung in Sicht
Für den Zeitraum bis zum Jahresende gehen die Thurgauer Industriebetriebe von einer unveränderten Lage aus. Immerhin erwarten sie keine weitere Verschlechterung. Der Vorprodukteinkauf soll jedoch gedrosselt und die Beschäftigtenzahl reduziert werden. Auch für das Halbjahr bis Frühling 2013 rechnen die Betriebe nicht mit einer Aufhellung der Geschäftslage, eher noch mit einer weiteren Eintrübung.
 
Thurgauer Baukonjunktur im Hoch
Die Bauwirtschaft läuft im Thurgau nach wie vor auf vollen Touren. Im Oktober 2012 stuften zwei von drei Thurgauer Baubetrieben ihre Geschäftslage als gut ein – gleich viele wie vor drei Monaten. Der Anteil der Firmen, die von einer schlechten Geschäftslage sprachen, hat sich seit Sommer etwas erhöht, ist mit acht Prozent aber nach wie vor niedrig. Die Bautätigkeit hat sich im dritten Quartal 2012 erneut intensiviert. Allerdings dürfte der Zenit bald überschritten sein: Die Nachfrage hat seit dem Sommer kaum mehr angezogen. Der Auftragsbestand ist nach wie vor hoch, aber bei weitem nicht mehr so ausgeprägt wie noch im Juli. Für die kommenden Monate erwarten die Baubetriebe eine unveränderte Nachfrage bei anhaltendem Preisdruck. Im Bauhauptgewerbe hält man sogar einen Nachfragerückgang für wahrscheinlich.
 
Thurgauer Detailhändler beurteilen die Zukunft wieder etwas zuversichtlicher
Das dritte Quartal verlief für die Thurgauer Detailhändler zufriedenstellend. In den letzten Monaten hat insbesondere die Zuversicht bezüglich der künftigen Geschäftsentwicklung spürbar zugenommen. Dies gilt allerdings nur für die grösseren Betriebe; bei den Kleineren überwiegt nach wie vor die Skepsis.
 
Mehr Qualität als Quantität im Thurgauer Weinbau
In der November-Ausgabe des Thurgauer Wirtschaftsbarometers wird zudem der Weinbaukanton Thurgau beleuchtet. Gemäss Michael Burkhart, der im Vorstand des Thurgauer Weinbauverbandes mitwirkt, werden Thurgauer Weine in zunehmendem Masse auch ausserhalb des Kantons konsumiert.
 

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