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Chainhunters beleben Disc Golf wieder

Kreuzlingen – Wer an einem Wochenende durch den Seeburgpark spaziert, hat sie sicher schon gesehen: die «Disc Golfer». Von weit her reisen Sportler an, um den Parcours am See zu spielen. Jetzt gibt es einen Verein vor Ort. Die «Chainhunters» lassen die Lust an der geworfenen Scheibe wieder aufleben und sind grenzübergreifend organisiert.

Die Spielidee von «Disc Golf» ist vergleichbar mit dem regulären Golf. Anstatt von einem Abschlagspunkt wird hier jedoch von einem Abwurfpunkt (Tee) gestartet. Von hier aus gilt es mit einer Wurfscheibe (Disc) einen speziellen Fangkorb zu treffen. Diese Scheibe wird von einem Kettenkranz abgefangen und landet dann in der Auffangfläche des Korbes.

Wie bei seinem Verwandten, so ist auch im Disc Golf ein sogenanntes «Par» (Professional average result) definiert. Par drei bedeutet, dass die Bahn mit drei Würfen beendet werden muss. Braucht man jedoch vier Würfe, so erhält man einen Pluspunkt. Liegt man eins unter Par, hat also lediglich zwei Würfe benötigt, so erhält man einen Minuspunkt. Am Schluss zählt man alle Punkte der gespielten Bahnen zusammen und erhält einen Gesamtwert. Der Spieler mit dem niedrigsten Wert gewinnt.

Professionelle Sportart
«Disc Golf» kam in den späten 70er Jahren über den Atlantik. Nicht nur in Amerika ist «Disc Golf» eine professionelle Sportart. Auch in der Schweiz und in Deutschland – ja sogar für ganz Europa und für den gesamten Erdball – werden Meisterschaften ausgetragen. In Schweden ist die Sportart so stark verbreitet, dass es sogar mehr «Disc Golf»-Plätze als herkömmliche Golfplätze gibt.

Grenzübergreifender Verein
Seit Kurzem trainiert ein grenzübergreifender Verein der Städte Kreuzlingen und Konstanz im Seeburgpark – die «Chainhunters». Die «Kettenjäger» haben innerhalb kürzester Zeit mehrere Spieler für ihren Sport begeistern können. «Wir waren am Anfang zu dritt und sind jetzt zwölf, dreizehn Leute», sagt Philipp Gaiser, ein Gründungsmitglied der Chainhunters. «Man geht mit zwei Nationen Sport machen, gestaltet seine Freizeit und hat Spass dabei. Neben dem Sport ist dieses Überschreiten der Grenze wichtig und eines der grossen Ziele der Chainhunters. Wir möchten, dass Deutschland und die Schweiz gut miteinander harmonieren und funktionieren. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg.» erklärt Stephan Krebs, ein weiteres Gründungsmitglied.
Die Körbe im Seeburgpark wurden 1997 von der Stadt Kreuzlingen dauerhaft aufgestellt und im Rahmen der «Swiss-Tour 2007» benutzt. Danach geschah wenig, bis Dominik Stachel, Stephan Krebs und Philipp Gaiser durch Zufall diese Körbe sahen und sich fragten, woher die kamen. «Wir spielten dann ein wenig später mit handelsüblichen Frisbeescheiben auf die Körbe und trafen dabei auf Werner Kuster aus Stein am Rhein, der bereits Disc Golf spielte», ergänzt Stephan Krebs.

Eines ergab das andere und so setzten sie sich gemeinsam zusammen und gründeten den grenzübergreifenden Verein. Damit belebten sie den Seeburg-Kurs wieder. «Es gibt viele Konstanzer die hier spielen, weil es in Konstanz keinen geeigneten Park gibt. Wir sind der Meinung: Wenn wir in Kreuzlingen spielen, dann kann man auch einen grenzübergreifenden Verein gründen», erinnert sich Stephan Krebs zurück.
Die «Chainhunters» treffen sich samstags um 12 Uhr im Seeburgpark in Kreuzlingen und laden Interessierte ein, die «in und mit der Natur spielen möchten». «Jede Person bekommt einen «putter», eine «midrange» und einen «long distance driver» ausgeliehen und kann solange probieren, wie sie möchte», sagt Philipp Gaiser und motiviert weiter: «Man macht am Anfang sehr schnell Fortschritte. Von Mal zu Mal merkt man: Ich komme nochmal weiter! Jetzt habe ich eine Rechtskurve geschafft!»

Erschwinglicher Sport
«Disc Golf» ist ein erschwinglicher Sport. Das Einsteigerset kann man für etwa 35 Franken aus dem Internet beziehen. Der Mitgliedsbeitrag bei den Chainhunters (enthält bereits die Mitgliedschaft im schweizerischen Verband) beträgt für Erwachsene 80 Franken, ermässigt 40 Franken und für passive Mitglieder, die den Verein unterstützen möchten, 20 Franken pro Jahr. Stephan Krebs möchte jedoch klarstellen: «Es ist ein öffentlicher Park. Niemand muss bei uns Mitglied werden, um hier spielen zu dürfen. Jeder kann hier herkommen und spielen.» Für die Zukunft haben die vier «Kettenjäger» Philipp Gaiser, Werner Kuster, Dominik Stachel und Stephan Krebs noch einiges geplant. So findet im Rahmen der «Wintertour» am Sonntag, 20. Januar 2013, das erste Turnier der Chainhunters statt. Dazu ist jede Person herzlichst eingeladen, da es kein offizielles Turnier des schweizerischen Verbandes ist und man daher keine Lizenz benötigt. An diesem Tag wird man auch Vereine aus Deutschland antreffen. So haben «Heads Up» aus Freiburg und der «Discgolf Club Achalm» (östlich von Reutlingen) bereits zugesagt.

Auch planen die Chainhunters Trainingsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche: «Samstags, 11 Uhr, bieten wir ein Training für Kids an. Zwei von uns kümmern sich dann um die Kids und laufen mit denen eine Runde», kann sich Lehrer Philipp Gaiser die Zukunft gut vorstellen. Stephan Krebs ergänzt diesen Vorschlag: «Oder auch für Schulklassen. Wir sind für euch da, wenn ihr mal einen Ausflug machen möchtet.»

Ein Spiel zum Mitfiebern!
Philipp Gaiser berichtet von seinem persönlich besten Wurf und dessen Ausgang: «Es gibt auch wie beim normalen Golfen die Möglichkeit, ein «hole-in one» zu schlagen. Nur wirft man beim Disc Golf und spricht dann von einem «Ass». Ich habe es einmal geschafft, die Scheibe direkt vom Abwurfpunkt in den Korb zu werfen, leider ist sie dann wieder rausgesprungen. Das war gleichzeitig der schönste Moment in meinem Leben aber auch gleichzeitig so ärgerlich. Man freut sich erst und sieht dann wie die Scheibe wieder rausspringt. Daran kann man erkennen, wie viele Emotionen dabei sind. Man fiebert da schnell mit!»  

Begriffe
«tee» – Die englische Bezeichnung für den Abwurfpunkt.
«Par» – Das Akronym steht für Professional average result. Ein «Par» bezeichnet die durchschnittliche Wurfanzahl eines professionellen Spielers, um den Korb zu erreichen.
«out-of-bounds» – Zu Deutsch: «Ausserhalb der Grenzen». In diesen Bereich darf die Scheibe nicht gespielt werden. Falls doch erhält derjenige Spieler einen Strafwurf.

Die Scheiben
«long distance driver»: Zu Deutsch: «Weitwurfscheibe». Man verwendet diese Scheibe für den ersten Wurf, da hiermit der grösste Teil der Strecke überwunden werden kann.
«midrange»: Zu Deutsch: «Annäherungsscheibe». Diese Scheibe wird bei kürzeren Distanzen benutzt.
«putter»: Vom englischen Verb «to putt», einlochen. Diese Scheibe wird beim finalen Wurf verwendet. Sie ist etwas schwerer als die anderen Scheiben.

Punktestände
«Ass»: Die Bezeichnung für einen Wurf, bei dem die Scheibe direkt im Korb landet.
«Eagle»: Der Spieler liegt zwei Würfe unter Par.
«Birdy»: Der Spieler liegt ein Wurf unter Par.
«Par/Even»: Der Spieler beendet die Bahn mit den vorgegebenen Par-Wert.
«Bogey»: Der Spieler liegt ein Wurf über Par.
«Double Bogey»: Der Spieler liegt zwei Würfe über Par.
«Triple Bogey»: Der Spieler liegt drei Würfe über Par.

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