/// Rubrik: Artikel

Platz für Eissport und Fernsehen?

Kreuzlingen – Gemeinderat Cyrill Huber (SP) tat an der Gemeinderatssitzung von vergangener Woche seiner Sorge kund, die Halle der Bodensee-Arena könnte für den Eissport dauerhaft geschlossen werden. Eine Entscheidung, die die Möglichkeiten für den elitären Eissport unmöglich machen sowie die Nachwuchsförderung in Kreuzlingen erschweren würden.

Derzeit hat sich das Schweizer Fernsehen (SF) für die Sendung «The Voice of Switzerland» in der Halle eingemietet – eine wichtige Einnahmequelle für die Bodensee-Arena. Dessen ist sich Huber auch bewusst: «Wir wissen um die Geldnöte der Bodensee-Arena und dass die Einnahmen aus dem Eissport nicht selbsttragend sind.» Auch die 400.000 Franken Betriebsbeitrag sowie die 100.000 Franken Defizitgarantie der Stadt scheinen nicht kostendeckend, so Huber. «Daher waren wir alle froh, als bereits vor Jahren das SF die Eishalle für eine ganze Sendereihe mietete.» Einziges Manko für ihn: Den Eissportvereinen steht zu dieser Zeit nur das Aussen-eisfeld zur Verfügung, was weniger Trainingszeiten bedeute, sowie eine Einschränkung des öffentlichen Eislaufens. Er bedauert: «In dieser Saison wird in der Halle der Bodensee-Arena keine Stunde Eis produziert.» Problematisch sieht er zudem, dass den Eissportvereinen bereits gebuchtes Eis ersatzlos gestrichen wurde, da aufgrund der Hauptproben und Sendezeiten des SF die Nutzung des Ausseneisfeldes untersagt wurde.
Doch Matthias Möleney, Verwaltungsratspräsident der Bodensee-Arena, beteuert, dass es sich dabei um einen einmaligen Fall gehandelt habe. «Es hatte da ein Missverständnis gegeben. Das tut uns wirklich leid. Wir haben aber dafür gesorgt, dass das nicht wieder vorkommt.»

Besser in der Halle

Nicht sehr glücklich über die derzeitige Situation zeigt sich Andreas Staub, Präsident des Eishockeyclubs Kreuzlingen-Konstanz. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht könne er die Entscheidungen der Bodensee-Arena durchaus nachvollziehen. «Doch in einer Halle spielt es sich immer noch angenehmer, als auf dem Aussenfeld – trotz Windschutznetz.» Den Idealfall sehe er darin, dass die Halle wieder zum Teil als Eishalle genutzt werden kann. Denn der EHCKK würde gerne wachsen. «Unser Ziel ist es, Gas zu geben», so Staub. «Wir arbeiten bereits mit den Bodensee Devils zusammen, um mehr Nachwuchsstufen anbieten zu können.» Kids bis zum Alter von zwölf Jahren können hier trainieren. Würden es jetzt aber mehr werden, könne es mit den Eis-Zeiten bereits problematisch werden, so Staub. Und wäre ein Training in der Halle nicht mehr möglich, würde dies schliesslich auch den Verzicht des elitären Eissports bedeuten.
Sollte die Halle daurhaft durch das SF belegt und für andere Nutzungen nicht mehr zugänglich sein, stellt sich zudem die Frage nach der Berechtigung eines weiteren Stadtbeitrags.

Wirtschaftliche Erwägungen
«Bis auf eine Ausnahme, konnten bisher alle Wünsche der Eissportvereine berücksichtigt werden», sagt Mölleney. «In den vergangenen Jahren lag aber die Auslastung der beiden Eisfelder während der Eissaison zusammengenommen leider immer unter 50 Prozent.» Damit lasse sich der sehr teure Betrieb von zwei Eisfeldern zumindest wirtschaftlich nicht begründen. Durch die Doppelnutzung der Halle wolle man keinesfalls den Eissport in den Hintergrund rücken, versichert Matthias Mölleney. «Mit den drei Sparten Veranstaltungen, Hotel und Restaurant wird aber der Eisbetrieb quersubventioniert», orientiert er. «Bei einer auch in Zukunft intensiven Zusammenarbeit mit dem SF können wir sogar hoffen, mittelfristig auf die Defizitgarantie der Stadt Kreuzlingen verzichten zu können.»
Mölleney macht auch Hoffnung, dass die Halle doch noch in dieser Saison für den Eissport zugänglich ist. «Theoretisch wäre eine Eisproduktion in der Halle von Weihnachten bis circa Mitte Februar möglich», sagt er. Doch die Entscheidung hänge von wirtschaftlichen Erwägungen ab, insbesondere davon, mit welcher Auslastung in dieser Zeit gerechnet werden könne.

Öffentlicher Eislauf
Einschränkungen hat es beim öffentlichen Eislauf gegeben. Dort haben sich die Öffnungszeiten verkürzt. «Eigentlich eine wichtige Basis für die Nachwuchsförderung», ist Gemeinderat Huber überzeugt. «Wir bedauern das», gibt Mölleney bekannt, «suchen aber nach Ideen, wie wir den öffentlichen Eislauf in der zur Verfügung stehenden Zeit noch attraktiver machen können.»
Stadträtin Dorena Raggenbass, Departement Freizeit, möchte vorerst die notwendigen Abklärungen mit dem Verwaltungsrat der Bodensee-Arena und der Geschäftsführung abwarten. «Erst wenn alle Fakten und Berechnungen der Kosten der Bodensee-Arena mit und ohne Schweizer Fernsehen vorliegen, kann der Stadtrat entscheiden, wie die strategische Zukunft der Bodensee-Arena aussehen wird.» Ein Gespräch mit Gemeinderat Cyrill Huber, den Eisvereinen und der Geschäftsleitung der Bodensee-Arena solle die heutigen Unsicherheiten bereinigen.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.