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Günstige Wohnungen fehlen auf dem Markt

Kreuzlingen – Bezahlbarer Wohnraum ist in Kreuzlingen knapp, trotz oder wegen des Baubooms. Eine Möglichkeit, günstigere Mieten zu erreichen ist es, die Wohnflächen zu reduzieren und den Standard zu senken.

Die Kreuzlinger SP lud zum Stadtgespräch über ein Thema, das besonders in Kreuzlingen unter den Nägeln brennt: «Gibt es in der Stadt noch bezahlbaren Wohnraum?». Neben Stadtammann Andreas Netzle und Karl Litscher, Präsident des Regionalverbandes Ostschweiz der Wohnbaugenossenschaft Schweiz, diskutierte auch Guido Goldinger von der Goldinger Immobilien und Treuhand AG. Er hatte sich im Vorfeld informiert und bestätigte: «Wohnungen für 1200 Franken sind knapp zu haben». Wenn sie auf dem Markts sind, dann handelt es sich um kleine Wohnungen mit 80 Quadratmetern in Liegenschaften aus den 50er- und 60er-Jahren. Die hohe Nachfrage nach Bauland führt Goldinger auch darauf zurück, dass institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen ihre Gelder in Immobilien anlegen. «Doch ein leichter Rückgang ist zu spüren, der Zenit ist erreicht».

Bautätigkeit macht Nachfrage sichtbar
Bezahlbarer Wohnraum ist das Ziel der Wohnbaugenossenschaften. Seit mehr als 100 Jahren, so Karl Litscher, habe sich das System bewährt und seiner Meinung nach «ist es so aktuell wie noch nie». Der Vorteil: Genossenschaften dürfen keinen Gewinn machen und können daher die so genannte Kostenmiete anbieten. Und diese liegt 15 bis 20 Prozent tiefer als der Marktdurchschnitt. Ausserdem sind Genossenschafter mitspracheberechtigt und geniessen weitgehenden Kündigungsschutz.

Mit den bilateralen Verträgen kam die Nachfrage. Das ist für Stadtammann Andreas Netzle völlig klar. Der Zonenplan aus dem Jahr 2000 machte Bauflächen frei, indem massiv aufgezont wurde. Dies habe die Politik damals so gewollt, um Wachstum zu ermöglichen. Das Problem: «In kurzer Zeit ist sehr viel passiert, der massive Zuzug hat auch zu reger Bautätigkeit geführt». Städtische Bauparzellen stelle die Exekutive vor allem gezielt für Industrie und Gewerbe zur Verfügung.

Weniger Fläche, weniger Miete
Das preisgünstige Wohnungen in Kreuzlingen fehlen bestätigte Netzle. Eine Arbeitsgruppe soll deshalb untersuchen, wo die öffentliche Hand eingreifen kann. An geeignete Parzellen zu kommen sei aber nicht einfach. Die Stadt biete aber Hand, wenn sich eine Wohnbaugenossenschaft für Land im Baurecht interessiere. Für Karl Litscher war dies eine Möglichkeit zur Starthilfe durch die Gemeinde. Bezahlbarer Wohnrum ist nach Meinung von Guido Goldinger aber einzig in einer Verringerung der Wohnfläche zu erreichen. «Statt 110 bis 120 Quadratmeter für eine Vierzimmerwohnung kann nur eine Reduktion auf etwa 80 Quadratmeter günstigere Mieten schaffen».

Anlässlich des Stadtgespräch vom letzten Freitag wurde uns von Herrn Karl Litscher sehr ausführlich und kompetent die Vorzüge einer Wohnbaugenossenschaft erklärt.
 
Wohnbaugenossenschaft
Die SP Kreuzlingen initiiert nun die Gründung einer Wohnbaugenossenschaft in Kreuzlingen. Dazu suchen sie zehn Persönlichkeiten aus Kreuzlingen und Umgebung, die diese Wohnbaugenossenschaft gründen werden. Die Gründung ist auf das Frühjahr 2013 vorgesehen. Allfällige Interessenten können sich bei Cyrill Huber Kreuzlingen melden.

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