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Patent Ochsner: «Johnny»

Frauenfeld – Seit der Bandgründung 1990 immer wieder im Eisenwerk, zuletzt vor vier Jahren, und jetzt wieder mit dem neuen Werk «Johnny»: Hier kommen Patent Ochsner. Der Auftritt findet am Samstag, 8. Dezember, um 21 Uhr, im Eisenwerk statt.

Da, wo seinerzeit «The Rimini Flashdown (Part I)» mit dem Song «Apollo 11» endete, in den unendlichen Weiten des Universums, wo der völlig losgelöste Ochse dem Mond entgegenfliegt, beginnt das neue Album «Johnny» (The Rimini Flashdown Part II). Man hört wie der einsame Wolf dem entschwindenden Ochsen zum Abschied nachheult, und man ahnt bereits, dass dieser vermutlich nicht mehr zurückkehren wird. Die Raumkapsel wird beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen.

Und nun liegt da die Blackbox in den Rabatten. Man hebt sie auf, schüttelt sie, hält sein Ohr ans kalte Metall und hört die Stimmen von alten Bekannten, bevor sie sich bei der Bruchlandung die Schönheit ruinierten. Die grosse weite Welt verpackt in der ramponierten Blackbox des Ochsen. Und wie es nicht anders zu erwarten war, ist diese Welt auch auf dem neuen Album wieder bevölkert von Schlafwandlern, Tagträumern, taumelnden Preisboxern und ewig Suchenden auf ihren endlosen Runden durch die helvetische Alltäglichkeit. Man betrachtet die Figuren, wie sie sich in einer wackeligen Welt tapfer um Haltung bemühen, und wie sie sich mit aller Kraft an einer schwindenden Hoffnung festzukrallen versuchen.

Inmitten dieser Szene, es könnte durchaus Bob Dylans «Desolation Row», oder John Steinbecks «Strasse der Ölsardinen» sein, steht Johnny. Eine Figur, als wäre sie von Chuck Berry ersonnen worden. Ein rockenrollender Peter Pan und atemloser Rumtreiber, dessen Träume im Lauf der Zeit allmählich in Schieflage geraten oder er-satzlos gestrichen worden sind. Genau an dem Punkt, wo sich («Viva la Muerte») nichts mehr zu bewegen scheint, wo die Atome stillstehen, festgefroren an den unscharfen Rändern einer trügerischen Wahrnehmung, knurrt Johnny ein trotziges «es tuet überhoupt nid weh» in die Nacht. Genau so, wie es damals Muhammad Ali tat, nachdem ihm George Forman eine dermassen donnernde Rechte reingeknallt hatte, dass die sich für Ali wie ein Erdbeben anfühlen musste. «Es tut überhaupt nicht weh.»

Einfach irgendwie die Haltung zu bewahren und in Bewegung zu bleiben, das scheint das oberste Credo der meisten Figuren in der Welt des Ochsen zu sein. Egal wie hart das Schicksal zuschlägt, sie klammern sich an eine Liebe zum Leben, und strah- len eigenartigerweise selbst in den dunkelsten Momenten eine milde Form von Zuversicht aus.

Das Ochsenuniversum im Jahr 2012 ist so farbenfroh wie eh und je. Emotional, distanzlos, überbordend, fanta-sievoll, aber niemals cool. Da wird frech zitiert, mit Bildern, Worten und Klängen jongliert, da werden die Stile vermischt, dass man sich bis- weilen auf einer kleinen Weltreise wähnt. Das Ochsenuniversum ist ein bittersüs-ses Panoptikum, eine Achterbahn, auf die man mitgenommen, ja mitgerissen wird. Die Reise führt wie so oft von Tiefsinn zu Nonsens. Hinter jeder Ecke, nach jeder Trennrille, wartet eine neue Überraschung. Al- les ist möglich in der Welt des Ochsen.

Büne Huber im Begleittext zum Album: Im Frühsommer 2011 zogen wir gemeinsam los und standen bald schon mit fragwürdigem Schuhwerk auf staubigen Strassen. Wir schmiedeten Pläne und verwarfen sie. Wir sprengten Löcher ins Dickicht, gruben einen Brunnen, bauten eine wacklige Brücke und fluteten das Brachland. Es gab ein paar Platzwunden, einiges ging zu Bruch oder ging verloren, manches musste gesucht und gefunden werden, während anderes überraschend vom Himmel fiel. Wir orientierten uns an den Sternen. An was denn sonst?

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