/// Rubrik: Leserbriefe

Die Illusion einer Fussgängerzone

Leserbrief – Auch nach einer weiteren Woche hat dieses Thema noch nichts an Aktualität eingebüsst. Meinerseits bekenne ich, dass ich bis vor einigen Monaten der Idee einer Fussgängerzone eher positiv gegenübergestanden bin und den jetzt vorgesehenen zweiten Schritt des Verkehrskonzepts als Vorstufe dazu betrachtet habe. – Ado Trautmann, Kreuzlingen

Je länger ich aber die Szene beobachte und Vergleiche mit anderswo bestehenden Fussgängerzonen anstelle, komme ich definitiv zum Schluss: In Kreuzlingen kann eine derartige Lösung nicht zum Erfolg führen, hier müssen andere Massnahmen getroffen werden um die Hauptstrasse zu beleben. Ein Vergleich mit anderen Orten und Städten mit funktionierenden Fussgängerzonen hinkt an allen Ecken und Enden. Es gibt davon in der Schweiz keine einzige Stadt oder Städtchen die oder das als Vergleich herangezogen werden könnte. Alle bekannten Fussgängerzonen sind aus gewachsenen Zentren oder Altstadtkernen entstanden, mit bereits existierendem gutem Mix an Geschäften. Wir hingegen müssen uns eingestehen, Kreuzlingen hat nun mal kein Zentrum das geschichtlich gewachsen ist und der Branchenmix an der Hauptstrasse ist zurzeit wirklich nicht, oder leider nicht mehr das Gelbe vom Ei. Wer will hier schon «lädelen» wenn die Grosszahl der Geschäfte nur noch aus Handyshops, Immobilienmaklern, Banken und H&M ähnlichen Läden, mit wenigen Ausnahmen, besteht? Dazu kommt noch die Nähe zu Konstanz. Das alles sind Tatsachen die einer Belebung entgegenstehen und denen wir nur wirksam begegnen können, wenn wir unser eigenes Verhalten ändern. Wir sollten zuerst mal an uns selbst arbeiten, nicht immer gleich nach «hinüber» pilgern und sich zuerst mal hier umsehen, auch wenn man nicht direkt vor dem angepeilten Geschäft parkieren kann (das ist ja in Konstanz auch nicht möglich) Jeder sollte mal auf die Uhr schauen und kontrollieren wie weit man in fünf Minuten zu Fuss kommt: man würde Erstaunliches feststellen!

Mit dem nun vor der Türe stehenden nächsten Schritt wird wohl eine gewisse Verkehrsberuhigung in der Hauptstrasse erzwungen, der Erfolg bleibt abzuwarten. Was fehlt sind Leute auf der Strasse, Fussgänger. Die geforderte  Arbeit an unserem Verhalten mag etwas schmerzhaft sein, aber wenn wir wirklich ein Zentrum wünschen das den Namen verdient,  sollte und müsste es gelingen. Dazu wäre auch vom  Stadtrat ein grösseres Engagement in Sachen Kontrollen zu erwarten, denn es wird immer noch zu schnell gefahren und man ist heute noch weit davon entfernt, als Fussgänger wirklich Priorität zu geniessen.

Der Traum, nur die verkehrsfreie Hauptstrasse sei die Lösung aller Probleme ist eine Illusion, daher keine Unterstützung für die Gruppe um Jost Rüegg, dessen Ansinnen mir letztlich nur als nahtlose Fortsetzung permanenter Selbstdarstellung und Querelen vorkommt.

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One thought on “Die Illusion einer Fussgängerzone

  1. Bruno Neidhart

    Ich gebe Ihnen in Teilen Recht, Herr Trautmann. Wenn Sie – als Kreuzlinger Manko – u.a. ein nicht gewachsenes Zentrum beklagen , muss die Frage gestellt sein, wie weit man „geschichtlich“ – wie Sie erwähnen -, zurückdenken soll. Ich meine dazu, dass in den – geschichtlich! – vergangenen 50 Jahren einiges versäumt wurde, um Fakten zu schaffen, die letztlich zu einem veritableren Stadtkern hätten führen können. Dazu hat sich „die Einkaufswelt“ stark verändert, was besonders auch für Kreuzlingen heisst: Die „täglichen Beziehungswege“ – explizit die mobilen – haben sich an die Ränder der Stadt verschoben. „Diese Geschichte“ muss also ganz neu überdacht werden – konkreter: Im Zentrum wären z.B. architektonische Eingriffe zu tätigen, die bereits selbstredend mehr Aktivitäten schaffen würden (Dass dies mit einer Neudefinition eines „Stadthauses in der Stadtmitte“ beginnen könnte, habe ich an anderer Stelle bereits zu erörtern versucht – es wäre ein prägnanter Anfang!). Mit einer Verkehrsberuhigung, wie sie derzeit im Gespräch ist, wird nichts von dem erreicht, was man sich als „Zentrumsbelebung“ vorstellen könnte. Und was das „Hinüberpilgern nach Konstanz“ – wie Sie schreiben – betrifft, so lässt sich das „künstlich“ nicht vermeiden. Konstanz ist nun mal u.a. „altstadtattraktiv“ – eben eine „besondere Marke“. Kreuzlingen kann nur „kontern“, wenn es sich im Zentrum „sehr modern aufstellt“ – mutig, attraktiv, überraschend, kreativ, alleinstellend, fantastisch grün, usw. Man könnte noch weitere Prämissen anfügen, die anzustreben sind.

    Die Frage ist daher: Wo sind die Kräfte, welche überzeugend an diesem Ziel arbeiten? Wer outet sich dazu federführend? Im Klartext: Wer glaubt noch an einer in vielen Teilen positiven Wende im Zentrum? Diese und ähnliche Fragen müssten zuerst beantwortet werden.

    Freundlicher Gruss!
    Bruno Neidhart, Konstanz

    Antworten

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