/// Rubrik: Topaktuell

Haft für einen Schläger

Kreuzlingen – Das Bezirksgericht Kreuzlingen ist am heutigen Dienstag zu vergleichweise milden Urteilen gegen die beiden angeklagten «Bahnhofsschläger» gekommen. Während einer der beiden für sechs Monate ins Gefängnis muss, erhielt der andere eine bedingte Freiheitstrafe.

Das Bezirksgericht verurteilte einen der beiden Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, wobei weitere 24 Monate bedingt verhängt wurden mit dreijähriger Probezeit. Der andere Beschuldigte erhielt eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten, mit zweijähriger Probezeit. Die Untersuchungshaft wird bei beiden angerechnet. Damit lag das Gericht «deutlich unter» dem von Staatsanwalt Patrick Müller geforderten Strafmass von fünf Jahren und sieben Monaten wegen versuchter vorsätzlicher Tötung für den besonders Rücksichtslosen der Schläger und drei Jahren, davon mindestens sechs Monate unbedingt, für den anderen. Beide haben zudem die Kosten des Verfahrens und der Untersuchungen zu tragen. Für die Staatsanwaltschaft gab es einen Rüffel, weil es das «Gebot des beschleunigten Verfahrens» nicht angewandt hatte.

Staatsanwalt Patrick Müller hatte sich ein härteres Urteil erhofft. (Bild: Thomas Martens)

Staatsanwalt Patrick Müller hatte sich ein härteres Urteil erhofft. (Bild: Thomas Martens)

Der Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung war vor Gericht nicht haltbar, gleichwohl verurteilte es die beiden Angeklagten wegen versuchter schwerer Körperverletzung und vollendeter einfacher Körperverletzung. Strafmilderungsgründe sah es bei beiden Angeklagten nicht, lediglich eine leicht verminderte Zurechnungsfähigkeit bei einem, was auf starken Alkoholkonsum zurückzuführen war. Dieser wurde zudem wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand verurteilt. Eine Anzeige wegen Sachbeschädigung und Diebstahls wurde zurückgenommen.

Opfer und Angeklagte nahmen das Urteil ohne sichtbare Regung an. Während die beiden Verteidiger sich nicht dazu äussern wollten, beklagte Staatsanwalt Müller die «grosse Diskrepanz» zwischen seinem Antrag und dem Urteil. Zudem stimme für ihn das Verhältnis zwischen beiden Strafen nicht, schliesslich war einer der beiden geständigen Täter besonders brutal vorgegangen. Er wird sich jetzt noch überlegen, ob er Rechtsmittel einlegt. Das Gericht hat eine Frist von zehn Tagen eingeräumt.

Für die beiden Opfer ist der Fall damit eigentlich erledigt, sie wollten lediglich erreichen, dass die beiden Täter verurteilt werden «und der Fall endlich zum Abschluss kommt». Auch auf finanzielle Entschädigung waren sie nicht aus: «Mir ist mein Leben mehr wert, als ein paar Fränkli», sagte einer der beiden. Gleichwohl stellt der andere die Frage in den Raum: «Muss immer erst etwas passieren, damit ein Zeichen gesetzt wird?» Dass die beiden Opfer nur verhältnismässig leichte Verletzungen davon trugen, kam laut Gericht letztlich auch den beiden Angeklagten strafmildernd zu Gute.

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