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Märchenstunden im Theater Konstanz

Konstanz – Mit 23 Produktionen geht das Theater Konstanz in seine neue Spielzeit 2013/14, die am 27. September beginnt. Das Thema lautet: «Damit ich Dich besser fressen kann...» – Märchen, Mythen und Europa.

Vom altehrwürdigen Rheintorturm hing am Montag ein langer Zopf herunter. Wer allerdings dachte, das Theater wolle Schluss machen mit alten Zöpfen, sah sich getäuscht. Rapunzel und ihr langes Haar waren gemeint und sollten anlässlich der Medienkonferenz auf die märchenhafte neue Spielzeit des Konstanzer Theaters hindeuten.

Intendant Christoph Nix, Thomas Spiekermann, Sarah Wiederhold und Andreas Bauer vom Theater Konstanz. (Bild: Martens)

Intendant Christoph Nix, Thomas Spiekermann, Sarah Wiederhold und Andreas Bauer vom Theater Konstanz. (Bild: Martens)

Für einmal «völlig unpolitisch» wolle das Haus mit seinem neuen Programm sein, unterstreicht Intendant Christoph Nix, der die neue Spielzeit zusammen mit Chefdramaturg Thomas Spiekermann, Dramaturgin Sarah Wiederhold und Regisseur Andreas Bauer vorstellte. Politik sei unerotisch, unsexy und interessiere nur noch Wenige, ist sich Nix sicher. Stattdessen können sich die Zuschauer «auf eine sehr bildhafte, utopische Welt» freuen, die mit ihren Geschichten sicherlich nicht nur Kinder in ihren Bann ziehen wird.

Zwei Mal Pinocchio
Den Auftakt am 27. September im Haupthaus macht «Parzival» von Tankred Dorst, unter der Regie von Jo Fabian. Bis zum 4. Juli 2014, wenn das Sommertheater Überlingen startet, werden insgesamt 23 Stücke aufgeführt, sechs weniger als in der laufenden Spielzeit. Hervorzuheben ist beispielsweise «Pinocchio», der zum einen in der klassischen Variante als Weihnachtsmärchen für Kinder, zum anderen in einer modernen Adaption als Gastspiel des Babilonia Teatri aus Verona im Januar 2014 in der Werkstatt zu sehen ist. Ebenfalls der Klassiker «Alice im Wunderland», gegen den sich Christoph Nix zwar streubte, letztlich aber dem Wunsch des Ensembles nachgab. Oder auch die Uraufführung von «Das Märchen vom letzten Gedanken» nach Edgar Hilsenrath, Regie Mario Portmann. Und «Der gestiefelte Kater» kommt ein wenig anders daher, als man es vielleicht gewohnt ist – aber Neuinterpretationen wie diese sind es ja letztlich auch, was Theater aus- und sehenswert macht.

Die Spiegelhalle nimmt sich fünf Wiederaufnahmen vor, darunter «Das Spiel ist aus» von Jean Paul Sartre, eine von zwei Regiearbeiten des Intendanten höchstselbst, sowie ein deutsch-griechisches Jugendprojekt mit dem Arbeitstitel «Fluchtpunkt Athen».  Dagegen setzt die Werkstatt beinahe ausnahmslos auf deutsche Erst- oder Uraufführungen, ewa in Zusammenarbeit mit spanischen, portugiesischen und italienischen Produktionen. Mit «Schiff ahoi!» steuert Christoph Nix auch ein Weihnachtsmärchen für die Kleinen bei.

Freilicht auf dem Münsterplatz
Der Konstanzer Münsterplatz ist 2014 wieder Schauplatz eines Freilichtspektakels, nach dem 2012 mit «Der Glöckner von Notre Dame» dem Theater Konstanz ein absoluter Meilenstein geglückt war. «Wir hätten das Stück noch einige Wochen länger spielen können, doch die Schauspieler brauchten Urlaub», zeigte sich Nix hocherfreut, über den guten Zuspruch des Publikums. Alle Vorstellungen waren ausverkauft. An diesen Erfolg möchte das Theater in zwei Jahren natürlich anknüpfen, mit einem Auftragswerk von Theresia Walser und Karl-Heinz Ott zum Konziljubiläum. Allein an der Finanzierung hapert’s noch: «Wir suchen dringend noch Geldgeber», so Nix.

Apropos Sponsoren: Der Kanton Thurgau unterstützt das Theater Konstanz weiterhin mit 100000 Franken im Jahr. «Ich fände es schön, wenn er uns mehr geben würde», so Nix. Immerhin kämen gefühlt mehr Besucher aus der Schweiz. Dennoch waren die Auftritte des Konstanzer Ensembles im Oktober 2012 im Kreuzlinger Dreispitz bis auf weiteres die letzten, weil lediglich dem Umbau des Haupthauses in Konstanz geschuldet.

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