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Laubholz: Nur zum Verbrennen viel zu schade

Kantonales – Zum internationalen Tag des Waldes zeigte das Forstamt Thurgau an einer Medienkonferenz in Weinfelden die Verwendung von Buchenholz im Innenausbau. Damt will das Forstamt auf ein dringendes Anliegen aufmerksam machen: Laubholz soll vermehrt in der Bau- und Möbelbranche eingesetzt werden, nicht nur als Brennholz. Rund 80 Prozent des Thurgauer Laubholzes werden aber aktuell als Brennholz verwertet.

Über 90 Prozent der Thurgauer Wälder wachsen an Standorten, auf denen von Natur aus Laubbäume, in erster Linie die Buche, dominieren würden. Unser wichtigster Nadelbaum, die Fichte, würde im Thurgau natürlicherweise nur auf 14 Prozent der Waldfläche vorkommen, da sie gegenüber der grossen Wuchskraft der Laubbäume nicht konkurrenzfähig ist. Aktuell macht die Fichte aber 35 Prozent des gesamten Holzvorrats aus, denn lange Zeit wurde das Nadelholz dem Laubholz vorgezogen und überall gepflanzt. Dies weil Nadelbäume mit ihrer einheitlichen, geraden Wuchsform einen grossen Anteil Nutzholz generieren, welches leicht zu bearbeiten ist. Mittlerweile hat man aber festgestellt, dass reine Nadelholzbestände sich nicht bewähren. Dies heisst aber nicht, dass gar kein Nadelholz und damit keine Fichten mehr nachgezogen werden, sondern dass die Nadelholzpalette ausgeschöpft und massvoll eingesetzt werden soll.

Erläuterten das Thema Laubholz vom Wald bis hin zur Verwendung (v.l.n.r.):  Paul Koch, ProHolz Thurgau, Kantonsforstingenieur Daniel Böhi sowie Hansruedi Gubler, Revierförster Forstrevier Ottenberg.  (Bild: zvg)

Erläuterten das Thema Laubholz vom Wald bis hin zur Verwendung (v.l.n.r.):
Paul Koch, ProHolz Thurgau, Kantonsforstingenieur Daniel Böhi sowie Hansruedi Gubler, Revierförster Forstrevier Ottenberg. (Bild: zvg)

Mischbestände sind ökologischer und ökonomischer
Die Fichte kann als Flachwurzler die tiefgründigen Böden im Mittelland nicht gut erschliessen. Die oberflächlichen Wurzeln trocknen die oberen Bodenschichten aus. Die schwer abbaubare Nadelstreu führt zusammen mit der oberflächlichen Austrocknung zu einer Versauerung der oberen Bodenschichten und zu einer Reduktion der biologischen Aktivität im Boden. Die Versauerung verursacht irreversible Veränderungen in der Bodenstruktur durch die Verlagerung von Kalk und Ton. Dadurch werden die Böden dichter, druckempfindlicher und undurchlässiger.  Im Zuge des Sturms Lothar bzw. der nachfolgenden «Käferjahre» musste sehr viel Fichtenholz zwangsgenutzt werden.

Dabei zeigte sich, dass die Fichte sehr anfällig ist. Auf nicht geeigneten Standorten wird die Fichte oft von Pilzen befallen, was mit Fäule und der entsprechenden Entwertung des Holzes verbunden ist. Langfristig wird somit auch der ökonomische Vorteil von Mischbeständen mit hohem Laubholzanteil ersichtlich. Die Bodenfruchtbarkeit kann nur so erhalten bleiben. Für den Waldbesitzer ergibt sich durch verschiedene Baumarten eine Risikoverteilung. Schliesslich entsteht das Laubholz meistens aus Naturverjüngung und ist somit kostenextensiver als Pflanzungen. Pflanzen aus Naturverjüngung sind zudem optimal an die örtlichen Verhältnisse angepasst und damit widerstandsfähiger.

Nur zum Verbrennen zu schade
Aktuell fallen im Thurgau pro Jahr ca. 88’000 Kubikmeter Nadelholz und 67’000 Kubikmeter Laubholz an, wobei der Anteil Laubholz in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Während aber beim Nadelholz knapp 70 Prozent als Stammholz Verwendung findet, sind es beim Laubholz – in erster Linie Buche, Esche, Ahorn und Eiche – nur gerade 20 Prozent. Knapp 80 Prozent werden direkt als Brennholz verwertet. Dabei handelt es sich natürlich nicht nur um Kronen- und Astmaterial sondern auch um Stammholz.

Für ihren Gästeraum haben Rosmarie und Hermann Brenner aus Weinfelden Boden, Türen, Tische, Bänke und Garderobe aus eigenem Buchenholz anfertigen lassen. (Bild: zvg)

Für ihren Gästeraum haben Rosmarie und Hermann Brenner aus Weinfelden Boden, Türen, Tische, Bänke und Garderobe aus eigenem Buchenholz anfertigen lassen. (Bild: zvg)

Dieses Laubholz ist zu einem grossen Teil viel zu schade zum Verbrennen. Dass sich nämlich Laubholz, sogar Buchenholz von schlechter Qualität, auch für den Innenausbau einsetzten lässt, zeigte das Forstamt am Beispiel des Gästeraumes der Familie Brenner in Oberhard bei Weinfelden. Vor 13 Jahren hatte die Familie entschieden, den ehemaligen Stall zu einem Gästeraum (Restaurant auf Bestellung) umzubauen und dafür Holz aus dem eigenen Buchenwald zu verwenden. Nach anfänglicher Skepsis der Holzverarbeiter aufgrund der eher schlechten Holzqualität wurde das Projekt schliesslich in enger Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Ottenberg und Revierförster Hansruedi Gubler umgesetzt. Die grossen Buchen im eigenen Tobelwald wurden gefällt und anschliessend zu Holzböden, Türen, Tischen und Bänken verarbeitet. Dieses Buchenholz hat sich als sehr schöner und praktischer Baustoff für den Innenausbau bewährt.

Paul Koch, Geschäftsführer der ProHolz Thurgau, welche sich für eine vermehrte Verwendung des nachwachsenden, einheimischen Rohstoffes Holz als Baustoff und Energieträger einsetzt, zeigte weitere Vorteile und Einsatzmöglichkeiten des Laubholzes auf. Entscheidend ist seiner Ansicht nach, dass sich vermehrt Architekten über die Vorteile von Laubholz informieren und Mut für die Verwendung in innovativen Bauten zeigen. Laubholz sollte auch in weiteren Branchen vermehrt eingesetzt werden. Sowohl Verarbeiter als auch Käufer von Holzprodukten sollten auf das nachhaltig und naturnah produzierte Laubholz setzen, das uns der Thurgauer Wald liefert.

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