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Ein Neuanfang auf Klein Venedig

Konstanz – Zwar steigt die Mitgliederzahl des Architekturforums Konstanz-Kreuzlingen stetig an, in der Öffentlichkeit wird der Verein aber nicht intensiv wahrgenommen. Mit Urs Dörig als neuem Präsidenten soll sich das ändern. (Text: Kurt Peter)

Christine Schmidt-Günther und Urs Dörig.(Bild: kp)

Christine Schmidt-Günther und Urs Dörig. (Bild: kp)

An der Jahresversammlung des Architekturforums Konstanz-Kreuzlingen zog Präsidentin Christine Schmidt-Günther eine positive Jahresbilanz. So seien die Besucherzahlen an den einzelnen Veranstaltungen gestiegen und auch die traditionelle Jahresausstellung bezeichnete sie als Erfolg. Diese wurde von 600 Interessierten besucht, an den Einzelveranstaltungen zählte das Architekturforum 826 Personen. Normalerweise findet eine Veranstaltung pro Monat statt, im vergangenen Jahr aber wurden aufgrund aktueller Themen, wie der Oberbürgermeister-Wahl in Konstanz, zusätzliche Events angeboten.

Mehr Medienpräsenz erwünscht
Auch die Zahl der Mitglieder des noch jungen Vereins steigt. 104 waren es Ende 2012, davon 38 in der Schweiz und 66 in Deutschland. Die Mitgliederwerbung soll dennoch intensiviert werden, ganz oben auf der Traktandenliste steht aber die aktive Öffentlichkeitsarbeit. Das Architekturforum muss in der Bevölkerung bekannter gemacht werden. Vor allem die Präsenz in den Medien lasse zu wünschen übrig, so die Präsidentin.

Dafür soll auch die kommende Programmreihe sorgen. Nicht alle verfügbaren Termine wurden auch besetzt, um aktuellen Entwicklung Rechnung tragen zu können. Dabei stehen die Entwicklung im Gebiet Klein Venedig und das Konzerthaus im Fokus des Forums. Ein Gaudi soll die Teilnahme an der Fasnacht werden: Mit einem eigenen Wagen wird der Verein am Konstanzer Umzug beteiligt sein.

Neuer Präsident gewählt
Das Architekturforum ist zwar ein Verein, führt aber zwei Kassen. Heike Eberhardt zeigte sich zufrieden über die Entwicklung in Konstanz. Sie verzeichnete ein kleines Plus und das Vereinsvermögen belief sich Ende 2012 auf 4436 Euro. Die Kreuzlinger Kasse weist ein deutlich höheres Vermögen von 11 282 Franken auf, wie Kassier Urs Dörig mitteilte. Er rechnet allerdings mit Mehraufwand im laufenden Jahr.
Die Präsidentschaft des Forums wechselt dieses Jahr turnusgemäss nach Kreuzlingen. Mit Urs Dörig wurde ein neuer Präsident gewählt, Christine Schmidt-Günther wechselt ins Vize-Präsidium. Wieder im Vorstand nimmt Christian Winterhalter als Kreuzlinger Kassier Einsitz, der Rest des Vorstandes wurde an der Jahresversammlung bestätigt.

Kein Millionärsghetto
Anschliessend an die Versammlung informierten Mechthild Kreis vom Konstanzer Amt für Stadtplanung und Umwelt sowie Heinz Theus, Leiter der Kreuzlinger Bauverwaltung, über den Europan-Ideenwettbewerb Klein Venedig. Beide sprachen von einem «Neuanfang mit offener Nutzung», wobei diese laut Wettbewerbsausschreibung doch Grenzen setzt: Als Entwicklungsschwerpunkte werden Freizeit, Erholung, Veranstaltung, Kultur und Tourismus genannt.
Im Projektgebiet auf Kreuzlinger Seite soll langfristig ein attraktiver Mix aus Dienstleistung, Hotel, Gewerbe, Tourismus und Freizeit entwickelt werden. Auf bestehende Gebäude müssen die Wettbewerbsteilnehmer keine Rücksicht nehmen. Für Heinz Theus ist klar: «In Kreuzlingen werden wir keinen Wohnraum für ein Millionärsghetto schaffen». Beim Konstanzer Lago hingegen soll es Platz für Wohnnutzung und eine multifunktional nutzbare Fläche geben. Eingabeschluss für die Ideen ist der 28. Juni dieses Jahres, die Resultate werden Mitte Dezember präsentiert.

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One thought on “Ein Neuanfang auf Klein Venedig

  1. Bruno Neidhart

    Wenn Heinz Theus erwähnt, dass auf Klein Venedig kein Wohnraum als „Millionärsghetto“ entstehen soll, fragt man sich, wie er auf einen solchen Begriff kommt, der noch nie an dieser Stelle semantisch erklang (Vielleicht greift er ja auf die vor vielen Jahren veröffentlichte „Stelzenvariante“ vor der Uferkante zurück. Das war aber – milde gesagt – ein Ding von der Abteilung „Humoristische Architektur“). Tatsache ist vielmehr, dass seit Jahrzehnten weder vorne am Wasser, noch im rückwärtigen Raum eine überzeugende – wie es immer so schön heisst – „grenzüberschreitende Lösung“ gefunden, denn realisiert werden konnte. Nicht mal die nach dem (viel zu späten!) Abbau des verrosteten Grenzzauns entstandene, ästhetisch ansprechende „Kunstgrenze“ von Dörflinger ist zu Ende gedacht, dümpelt doch die Umgebungsgestaltung billig vor sich hin (was nicht dem Künstler anzulasten ist!). Das Dilemma ist sicher beidseitig. Beispiele: Konstanz ist jüngst mit seinem Konzert- und Kongresshaus an dieser Stelle gescheitert, installierte dagegen vorne am Wasser (in der Nähe des „missratenen Seelife-Hauses“!) eine – tatsächlich! – „Wurstgrillstation mit Hecke“, Kreuzlingen andererseits weiss nicht, wie lange die vielen Sportplätze hier noch Bestand haben sollen, um nur mal zwei Widersprüche aufzuzeigen. Das Hinauszögern einer Planung (und Realisierung) ist an dieser prachtvollen, aussichtsreichen (bis in die Berge) Seebuchtstelle mit Hafen, die ganz den Charme eines fantastischen, stadtnahen, öffentlichen – auch touristisch wirksamen – Gestades hätte, ein prägendes Versäumnis der vergangenen Jahrzehnte. Hier läge das „urbane, öffentliche Kreuzlingen“ tatsächlich „am See“, bildete sogar einen gewissen – auch wenn nur kleinen – baulichen Gegenpart zum seenäheren Konstanzer Stadtbild. Wenn sich dann noch – „für hüben und drüben“ – Synergien ergeben, umso sinnvoller für beide Seiten. Man darf schon gespannt sein, was der „Europan-Wettbewerb“ so alles aufzeigt, was hier, auf „Klein Venedig“, möglich wäre. Gut ist, dass da vielleicht mal von „Gebietsfremden“ unvoreingenommen, unvermittelt „alte Zöpfe des Denkens“ abgeschnitten werden. Es müsste sich auf Klein Venedig doch endlich mal etwas bewegen, was Hand und Fuss hat: Zukunftsgerichtetes eben. Auf was wartet man noch? Fehlt der Mut? Sind einfach andere Prioritäten im Spiel? Wir sind nun mal – beide (K und K ) -, „Stadt und See“ gemeinsam. Grenzenlos eben! Ein wichtiges Stück Zukunft für Kreuzlingen und Konstanz, das auf Klein Venedig schon längst realisiert sein sollte.
    Bruno Neidhart, Konstanz

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