/// Rubrik: Leserbriefe

Boulevard-Träumereien

Kreuzlingens autofeindliche Boulevard-Politik ist geeignet, die Leute von der Einkaufs- und Flaniermeile weg zu bringen, und den Geschäften die Existenz zu nehmen. (Text: Adolf Brändle)

Eine Frau stellte ihr Auto am Boulevard ausserhalb markierter Flächen ab und wurde gebüsst. Dabei hätte sie einen korrekten Parkplatz finden können. Auf folgende Weise:

(Bild: pixelio)

(Bild: pixelio)

Suchfahrt ab Löwenplatz den Boulevard hinunter und zurück. Kein Platz  gefunden. Fahrt zum eigens für die neue Hauptstrasse geschaffenen Parkplatz an der Ecke Sonnen-/Marktstrasse. (Oder beim Helvetia). Anschliessend eine erfrischende Wanderung zum Ziel. Nachher den gleichen Weg zurück. Konsequenz: Die Frau macht eine derartig umständliche Sucherei nie mehr und erledigt inskünftig ihre Besorgungen anderswo. Und viele Leute machen es genauso. Das Verkehrssystem ekelt sie vom Boulevard weg.

In zehn Jahren wird die Stadt den absoluten Hit bringen, wieder einen nagelneuen Boulevard. Mit genügend Parkplätzen, übersichtlichen (!) Trottoirs, Velostreifen und breiter Fahrbahn. So, wie es früher war. Nur: Geschäfte gibt es dann an der Hauptstrasse keine mehr. (Im Moment stehen neun Läden leer; so etwas gab es noch nie). Schuld an der Misere sind nicht der starke Franken, die Konstanzer oder sonst wer. Sondern die Stadt Kreuzlingen mit ihren bizarren Nullverkehrs-Boulevard-Träumereien.

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2 thoughts on “Boulevard-Träumereien

  1. Bruno Neidhart

    Lieber Herr Adolf Brändli! Wenn sich „eine Frau“, die – vorausgesetzt – die Örtlichkeit einigermassen kennt, nicht gleich an der unteren Marktstrasse oder beim Helvetiaplatz einen Parkplatz sucht (und in der Regel hier immer findet!), um zu Fuss in fünf-sechs-sieben Minuten das Geschäft zu erreichen, zu dem es sie drängt, dabei sie gar noch die Chance hat, tatsächlich direkt auf dem Boulevard einen freien Platz zu erspähen, lebt sie nicht in dieser Welt, wenn sie damit meint, dies sei nicht zumutbar. In Konstanz macht man vom Parkplatz/Parkhaus aus noch ganz andere Wege! Selbst im Karussell, aus der Einstellhalle zur Einkaufstheke, ist der Weg kaum weniger weit, als beim „erfrischenden Wandern“ auf der Hauptstrasse. Das Problem der „leeren, unbesetzten Läden“ am Boulevard ist einer ganz anderen Kategorie von Lebensgestaltung zu zu ordnen und hat mit dem Individualverkehr im Zentrum nur marginal zu tun. Mit der Aufforderung zu einer neuen, umfassenden „Stadt- und Gesellschaftskultur“ schon. Daran ist zu arbeiten.
    Bruno Neidhart, Konstanz

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