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Ostermarsch gegen Auswüchse des Finanzkapitalismus

Kreuzlingen/Konstanz – Mehr als 300 Menschen haben am Ostermontag in Konstanz und Kreuzlingen gegen die ungleiche Verteilung des Wohlstands, Armut, Hunger und Kriegstreiberei demonstriert. Hart ins Gericht gingen die Teilnehmer des internationalen «Friedenswegs am Bodensee» mit den Auswüchsen des Finanzkapitalismus und der Spekulation mit Nahrungsmitteln. (Text: Wolfgang Frey)

Vor der Filiale der Schweizer Grossbank UBS-Bank in Kreuzlingen prangerte Tina Goethe vom Schweizer Hilfswerk Swissaid die weltweite Spekulation mit Nahrungsmitteln und Landwirtschaftsflächen an. Auf der Welt würden fast doppelt so viele Nahrungsmittel produziert, wie nötig wären, um alle Menschen satt zu machen, sagte die Swissaid-Expertin für Ernährungssouveränität. Dennoch leide nach wie vor knapp eine Milliarde Menschen an Hunger.

(Bild: Wolfgang Frey)

(Bild: Wolfgang Frey)

«Virtuelles Casino»
Grund für Misere sei nicht zuletzt «das virtuelle Casino» der Finanzmärkte, in dem die Spekulation mit Agrarrohstoffen die Preise für Essen derart in die Höhe treibe, dass sich viele Menschen keine Nahrungsmittel mehr leisten könnten, sagte Goethe. Das Volumen dieser Geschäfte, bei denen auch Schweizer Banken wie die UBS mitmischten, habe sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdreissigfacht – auf inzwischen 400 Milliarden US-Dollar jährlich.

«Kontrolle zurückholen»
Verschärft werde der Hunger auf der Welt auch durch die Konzentration des Handels und der Produktion von Nahrungsmitteln in den Händen einiger weniger Grosskonzerne wie etwa Nesté, sagte Goethe: «Es ist Zeit, sich diese Kontrolle zurück zu holen.»

«Wasser muss öffentliches Gut bleiben»
In Konstanz hatte der Stuttgarter Aktivist und Künstler Jens Loewe zuvor zum Widerstand gegen die europäischen Privatisierungspläne für die Wasserversorgung aufgerufen. Wasser sei ein öffentliches Gut und dürfe nicht der Gewinnmaximierung der grossen Konzerne anheimfallen. Loewe warnte zudem vor dem am Bodensee geplanten sogenannten Fracking. Diese neue Erdgasförderungstechnik sei «kriminell» und eine Gefahr für das Trinkwasserreservoir Bodensee. Fracking am See komme einem «gemeinschaftlich organisierter Selbstmord» gleich, sagte Loewe.

Rüstungszulieferer verweigert Kundgebung
Zum Auftakt des «Friedenswegs» hatte sich die Geschäftsführerin der Gewerkschaft IG-Metall Friedrichshafen, Lilo Rademacher, kritisch zur Rüstungsindustrie am Bodensee und den Exporten von Kriegsmaterial in alle Welt geäussert. Die Kundgebung war ursprünglich vor dem Werksgebäude des Konstanzer Rüstungszulieferers ATM geplant gewesen, musste jedoch verlegt werden. Das Unternehmen hatte nach Veranstalterangaben die Absperrung des Industrieareals durchgesetzt. Die Tochter des deutschen Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann baut unter anderem Computer für den «Leopard»-Kampfpanzer.

Euro-Rettung in der Kritik
In einer bei der Abschlusskundgebung in Kreuzlingen verbreiteten Erklärung verlangten die Demonstranten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auch eine Kehrtwende der EU in ihrer Euro-Rettungspolitik. Die von der EU verordneten Sparzwänge trieben Hunderttausende Menschen in Europa in die Arbeitslosigkeit und in die Armut. Der Aufruf warnt zugleich vor einem Auseinanderbrechen Europas und dem Erstarken neuer nationalistischer Protestbewegungen, die ein Ende des Friedens bedeuten könnten.

50 Organisationen an Bord

Der inzwischen fünfte «Friedensweg am Bodensee» stand in diesem Jahr unter dem Motto «Bettelarm und steinreich – So geht es nicht weiter». Zu der Demonstration von Konstanz nach Kreuzlingen hatten rund 50 Organisationen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland aufgerufen, darunter Kirchen, Gewerkschaften, der Schweizerische Friedensrat und die Menschenrechtsorganisation Amnestie International. Die Veranstaltung stand in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft des Konstanzer Oberbürgermeisters Uli Burchardt (CDU).

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