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2012 war ein «ausserordentlich» gutes Jahr

Kreuzlingen – Zum sechsten Mal in Folge hat die Stadt Kreuzlingen einen grossen Ertragsüberschuss erzielt. Die Jahresrechnung 2012 schliesst mit einem Gewinn von 5,140 Millionen Franken ab. Auch die Technischen Betriebe (TBK) hatten ein «ausserordentlich» gutes Jahr.

Thomas Knupp, Leiter Finanzverwaltung der Stadt Kreuzlingen, stellte die Finanzentwicklung vor. (Bild: Thomas Martens)

Thomas Knupp, Leiter Finanzverwaltung der Stadt Kreuzlingen, stellte die Finanzentwicklung vor. (Bild: Thomas Martens)

Stadtammann Andreas Netzle, Thomas Knupp, Leiter Finanzabteilung der Stadt, TBK-Direktor Guido Gross und seine kaufmännische Leiterin Susanne Bergsteiner waren sich anlässlich der Medienorientierung einig: «Das waren einmalige Ereignisse, die zu diesen positiven Ergebnissen beigetragen haben.» Wer angesichts der guten Geschäfte deshalb gleich mit Steuer- und Tarifsenkungen rechnet, wird enttäuscht.

Bei der Stadt waren es vor allem höhere Erträge und geringere Aufwendungen, die bezogen auf das Budget zum Überschuss geführt haben. So schlagen unter anderem die Steuernachzahlung juristischer Personen in Höhe von 1,84 Millionen Franken und  weniger Ausgaben im Tagesgeschäft der Verwaltung von 900000 Franken am stärksten positiv zu Buche. Zu letzterem Posten erklärte Stadtammann Netzle: «Das deutet ganz klar auf Kostenbewusstsein bei unseren Mitarbeitern hin.»

Mehr Sozialhilfe
Die Zunahme an Einkommens- und Vermögenssteuern um 730000 Franken sowie Gewinnsteuern beim Verkauf von Grundstücken von 660000 Franken  waren weitere hohe ertragswirksame Posten. Dem gegenüber stehen gestiegene Aufwendungen bei der öffentlichen Sozialhilfe um 770000 Franken, Beiträge an die Langzeitpflege von 120000 Franken und Mindereinnahmen bei Parkbussen von 120000 Franken. «Da ein Mitarbeiter ausgefallen war, konnten wir weniger Kontrollen vornehmen», so Netzle. Der Vergleich zwischen höheren Steuerzahlungen der Einwohner und steigender Sozialhilfe zeigt aber auch, dass die Schere zwischen Arm und Reich in Kreuzlingen immer weiter auseinandergeht.

An Investitionen wurden 2012 insgesamt 2,7 Millionen Franken getätigt, budgetiert waren sieben Millionen. Von einem «Investitionsstau» könne laut Netzle allerdings keine Rede sein. «Die Vorhaben sind lediglich aufgeschoben, nicht aufgehoben.»

Alles in den Gewinnvortrag
Das «ausserordentlich» positive Ergebnis der Stadt werde durch die einmaligen Faktoren relativiert, wie Netzle mehrfach betonte und lasse sich so nicht einfach wiederholen. Vor allem die unerwartete Steuernachzahlung «einer grossen juristischen Person und weniger kleinen» konnte dazu führen, dass der Stadtrat dem Gemeinderat an seiner nächsten Sitzung am 2. Mai vorschlagen wird, den Jahresüberschuss von etwas mehr als fünf Millionen Franken komplett dem Gewinnvortrag zuzuführen.

Ein Ausblick auf das Budget 2013 zeigt, dass dank Steuererträgen von 32,6 Millionen Franken mit einem leichten Gewinn von knapp 500000 Franken kalkuliert wird. «Wir sind mit unserem kerngesunden Haushalt auf Kurs, auch wenn es noch einige Unbekannte gibt», spricht Netzle Risiken an, die im Moment noch nicht abschätzbar sind. Dazu gehören Ausgaben für die soziale Wohlfahrt oder mögliche zusätzliche Aufgaben, die das Volk wünscht. Auch die konjunkturelle Entwicklung und die Lastenverschiebung durch den Kanton spiele eine Rolle. Für 2013 sind Investitionen von acht Millionen Franken geplant, davon allein 3,3 Millionen für Gemeindestrassen inklusive Seestrasse Radwegenetz und 2,2 Millionen für Abwasserbeseitigung.

Insgesamt sieht der Stadtammann die Stadt gut gerüstet für die geplanten Grossprojekte im Rahmen von «Xentrum». Falls das Stimmvolk eines oder mehrere Projekte ablehne, käme es jedoch zu Steuersenkungen respekive Entschuldung.

Acht Millionen Gewinn bei TBK
Die Technischen Betriebe Kreuzlingen hatten 2012 einen Gewinn von knapp 8,06 Millionen Franken erwirtschaftet. Auch dieser «einmalige Ertragsüberschuss» resultiert vorwiegend aus Sondereinflüssen. Der Verkauf der Stadtantenne spülte 5,1 Millionen Franken in die Kasse. Zudem wurden sogenannte «Deckungsdifferenzen» beim Strom ertragswirksam.

Dabei handelt es sich laut Susanne Bergsteiner um Nachforderungen, die durch geringere Netzentgelte bei der Stromlieferung an die Kunden entstanden sind. «Die Stromkunden müssen also etwas nachzahlen, werden aber in den kommenden Jahren durch Tarifanpassungen entlastet», versichert Bergsteiner. Solche Schwankungen seien durchaus üblich, pflichtet TBK-Chef Gudio Gross bei.

Ebenfalls positiv zum Überschuss beigetragen hatte die Umstellung des Ableseturnus bei den Verbrauchszählern aller Sparten mit einer einmaligen Verlängerung der Ableseperiode. Hieraus resultieren «periodenfremde Erträge» von 1,4 Millionen Franken. Ansonsten konnten die Budgetvorgaben weitgehend eingehalten, bei den Kosten sogar mehrheitlich etwas günstiger abgeschlossen werden.

Rekord mit Strom und Gas
Die TBK setzten mit knapp 160 Millionen Kilowattstunden so viel Strom ab, wie noch nie. Der Pro-Kopf-Ver-brauch allerdings sinkt. Gross führt dies auf Energiesparmassnahmen in den Haushalten zurück.

Auch der Erdgasabsatz liegt auf Rekordniveau. Das es 2012 wesentlich mehr Heiztage gab als im Vorjahr, wurden 241,7 Millionen Kilowattstunden Erdgas verbraucht, 16 Prozent mehr als 2011. Man darf gespannt sein, ob die TBK angesichts der anhaltenden Kälteperiode in diesem Jahr eine weitere Bestmarke setzen können.

Stagnation beim Wasser
Der Wasserabsatz nahm hingegen leicht um 1,3 Prozent ab und lag bei rund 1,65 Millionen Kubikmetern. «Eine Stagnation», so Gudio Gross, der Prozessoptimierungen bei Grossverbrauchern als Ursache annimmt.

Der Gewinn muss entsprechend der Ergebnisse der einzelnen Sparten verwendet werden. Wie der Stadtrat beantragt, sollen zwei Millionen Franken der Vorfinanzierung für den Bau einer Lager- und Einstellhalle dienen. 500000 Franken sind für die Vorfinanzierung des Baus eines behindertengerechten Zugangs im Verwaltungsgebäude vorgesehen. 2,5 Millionen Franken sollen in die Vorfinanzierung der Beteiligung an erneuerbaren Energien fliessen. Der Rest ist unter anderem für die Abfederung von Preisschwankungen bei Strom, Wasser und Gas angesetzt.

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