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Perspektiven für Pfahlbauten

Kreuzlingen/Konstanz – Der Raum Kreuzlingen und Konstanz soll gemäss einer Studie Standort einer neu zu schaffenden zentralen Anlaufstelle zur Vernetzung und Vermittlung des Unesco-Weltkulturerbes Pfahlbauten am Bodensee werden.

So lautet die Empfehlung der Firma actoris aus München, die von der Internationalen Bodensee Kommission mit einer Machbarkeitsstudie betraut wurde. Von März bis August 2012 haben die Berater unter Einbeziehung von Experten vor Ort unzählige Daten erhoben und das Verfahren im Oktober abgeschlossen.

Urs Leuzinger (links) und Hansjörg Brem vom Amt für Archäologie des Kantons gehörten mit zum Expertenteam, das die Studie begleitete. (Bild: Thomas Martens)

Urs Leuzinger (links) und Hansjörg Brem vom Amt für Archäologie des Kantons gehörten mit zum Expertenteam, das die Studie begleitete. (Bild: Thomas Martens)

Herausgekommen ist ein mehr als 300-seitiger Abschlussbericht, dessen zentrale Aussage eine bessere Vernetzung und Kooperation bestehender Angebote am Bodensee ist. Am Donnerstag wurde er im Konstanzer Konzil Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Tourismus vorgestellt. «Die Angebote müssen durch eine zentrale Stelle gebündelt und koordiniert werden», meint Frank Schellenberger, Leiter des Autorenteams der Studie.

Konstanz und Kreuzlingen seien dafür geradezu prädestiniert, weil hier die grössten Touristenströme seien, zudem bestehe hier die beste Infrastruktur am westlichen Bodensee. Mit dem Archäologischen Landesmuseum in Konstanz verfüge die Agglomeration zudem über eine herausragende wissenschaftliche und pädagogische Einrichtung.

Kritik aus Unteruhldingen
Einer zentralen Einrichtung widersprach der Leiter des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen, Gunter Schöbel. Mit seiner Anmerkung, besser die einzelnen musealen Einrichtungen am Bodensee finanziell mehr zu fördern, erntete er aber mehrheitlich Kritik von Seiten des Publikums. Befürchtet wird, dass der «Global Player» vom nördlichen Seeufer andere Einrichtungen wie bisher in den Schatten stelle.

Dabei ist die Fülle an Fundorten am Bodensee gross. 13 prähistorische Stellen aus der Zeit von 3000 bis 800 vor Christus sind allein am westlichen Seegebiet bekannt. Die Herausforderung besteht nun darin, diese zumeist unsichtbaren Zeitzeugnisse einer möglichst breiten Öffentlichkeit interessant und lehrreich zugänglich zu machen, um damit letztlich auch den Tourismus zu fördern.
Doch hier regten sich erhebliche Zweifel bei den Teilnehmern, gebe es doch genügend Beispiele, dass am Bodensee eher gegen- als miteinander gearbeitet werde. Bevor es zu gemeinsamen Aktionen kommt, wird also noch sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten sein.

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