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Magere Jahre stehen bevor

Kreuzlingen – Aus dem Bürgerwald kann in Zukunft nicht so viel Holz geholt werden wie in den Jahren zuvor. Im Bewusstsein, dass magere Jahre bevorstehen, wurden Sparmöglichkeiten ausgelotet. Die Mietpreise für Wildsauenhütte und Unterstand werden erhöht.

Was im vergangenen Jahr schon antönte, fasste Urs Neuweiler, Präsident der Bürgergemeinde Kreuzlingen, an der Jahresversammlung am Mittwochabend in deutliche Worte: «Die allgemeine Ertragslage für den Bürgerwald präsentiert sich nicht sehr gut und wird sich in den kommenden Jahren auch nicht verbessern.» Es stehen magere Jahre bevor. Gründe dafür nannte Neuweiler mehrere.

Urs Neuweiler, Präsident der Bürgergemeinde. (Bild: sb)

Urs Neuweiler, Präsident der Bürgergemeinde. (Bild: sb)

So haben die Stürme von 1967, 1990 (Vivian) und 1999 (Lothar) dazu geführt, dass vor allem in den Jahren 2004 bis 2007 zu viel Holz geholt wurde. «Die schönsten Bestände wurden in den vergangenen zehn Jahren verjüngt», so der Präsident. Für die nächsten zehn Jahre werden fast nur minderwertige Stockbestände zur Verjüngung freigegeben. Die Eiche, als wertvollster Baum in den Beständen, wird weitgehend geschützt, sei es aus ökologischen oder aus ökonomischen Gründen.

Hiebsätze wurden reduziert
Allgemein kann weniger Holz geschlagen werden: Vor 15 Jahren waren es bis 1400 Kubikmeter, heute sind es noch maximal 1000 Kubikmeter. Der Vorstand musste deswegen Sparmöglichkeiten prüfen, denn, so Neuweiler: «Die Marktlage wird sich in den nächsten zehn Jahren nicht ändern, sprich: Es werden hohe Pflegekosten für den Wald anfallen und kleinere Erträge durch die Reduktion des Hiebsatzes.»

Einsparungen in der Verwaltung sollen, wann immer möglich, stattfinden. Doch das Potential ist hier gering: So servierten die Vorstandsmitglieder am Mittwochabend das z’Nacht für die Bürger selber und sparten so Kosten für Servicepersonal. Des Weiteren wurde der Abschreibungsmodus für Wildsauenhütte und Unterstand verändert. Zusätzlich erhöhte der Vorstand die Miete für diesen beliebten Treff- und Veranstaltungsort im Wald. Statt 180 kostet der Unterstand jetzt 200 Franken Miete. Wer die Wildsauenhütte (plus Unterstand) nutzen will, zahlt künftig 350 statt 300 Franken (Informationen zur Waldhütte sind unter www.wildsauenhuette-kreuzlingen.ch zu finden).

Das geschah im Bürgerwald
Im 2012 wurden im Wald der Bürgergemeinde zwei Verjüngungsschläge ausgeführt: 50 Are im Breitenwishau und 30 Are im Bommersteig. Das ergab 434 Kubikmeter Laubholz. Die Durchforstung von Stangen- und Baumhölzern in der Abteilung Rütenen ergab rund 350 Kubikmeter. Holzschnitzel wurden 1352 Kubikmeter verkauft. Von Schäden durch Sturm und Borkenkäfer blieb der Bürgerwald im Berichtsjahr verschont. Sorgen bereitet immer noch die Eschenwelke.

Haftung im Wald
Ein Thema, das die Waldbesitzer stark beschäftigt, ist die Haftung im Wald, teilte Neuweiler mit. «Vor hundert Jahren war wohl kaum vorstellbar, was sich heute im Wald alles abspielt», so der Präsident. Es gelte der Grundsatz der Eigenverantwortung:  «Benutzen auf eigene Gefahr». Trotzdem müssen die Waldbesitzer erkannte Gefahrenquellen entfernen, sonst können Haftungsansprüche geltend gemacht werden. Regelmässige Kontrollen von Wald und Werken (beispielsweise Holzpolter) mit verhältnismässigem Aufwand sind hier empfohlen.

Im Jahresbericht informierte Neuweiler ausserdem zum revidierten Namens- und Bürgerrecht, dass am 1. Januar in Kraft getreten ist und die Gleichberechtigung von Mann und Frau herstellte. Auch die Edelholzversteigerung erwähnte er: «Lediglich» 30 Stämme Esche, Eiche und Bergahorn brachte die Bürgergemeinde auf die Gant. Erlös: knapp 7000 Franken.

Rechnung schliesst positiv ab
Die Jahresrechnung 2012 verzeichnet einen Gewinn von 125 Franken bei Ausgaben von 138000 Franken. Der Erlös aus dem Holzverkauf sinke Jahr für Jahr, teilte Kassier Gregor Rutishauser mit. Hoffnungen werden auf die Inbetriebnahme der Holzschnitzelheizung an der Hafenstrasse gelegt. Die Belegung der Wildsauenhütte hingegen nimmt Jahr für Jahr zu. Im vergangenen Jahr waren besonders die Monate Mai, September und Dezember beliebt, teilte Hüttenwart Bruno Lang mit. 96 bezahlte Vermietungen und einen Gewinn von rund 2000 Franken konnte er verzeichnen.

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