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Diskussion um ein Stück Land

Siegershausen/Alterswilen – Martin Fromer besitzt ein Stück Land in Neuwilen. Hier und auf der Nachbarparzelle der Volksschulgemeinde Kemmental wollte er Wohnraum für Familien mit Kindern schaffen. Doch die Stimmbürger haben entschieden: Das Land der Schule wird an Ivo Huser aus Wängi verkauft. Eine Entscheidung, die für Diskussion sorgte.

Visualisierung des Projekts von Martin Fromer und Andreas Imhof. (Bild: zvg)

Visualisierung des Projekts von Martin Fromer und Andreas Imhof. (Bild: zvg)

An der Schulgemeindeversammlung am vergangenen Dienstag wurde den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern das Projekt von Investor Ivo Huser präsentiert. Zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 15 Wohnungen sieht es für die Parzelle an der Sattlerstrasse vor. Es war eines von sechs Projekten, das die Schulbehörde nach einer öffentlichen Auschreibung des Landstücks im Juli 2012 mit Rücksicht auf familienfreundliches, verdichtetes Bauen,  sowie anhand eines Kriterienkatalogs geprüft hat.

«Nicht professionell»
Darunter befand sich auch das Projekt von Martin Fromer, Besitzer der Nachbarparzelle. Anfang des Jahres 2010 hatte er die Idee, auf beiden Parzellen eine Gesamtüberbauung zu realisieren. Vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 33 Wohnungen waren geplant, dazu die Möglichkeit, einen Hort, ein Café oder einen Dorfladen zu integrieren. Dabei sollten sich die Bauten optimal ins Dorfbild einfügen.

Entwickelt wurde das Projekt bereits, als er im April 2010 von der Schulbehörde eine schriftliche Projektvollmacht erhielt. Auch der Zonenplanänderung, die für die Gesamtüberbauung nötig war, wurde an der Gemeindeversammlung vom 3. Dezember 2012 zugestimmt. Drei Tage später erreichte Fromer die Nachricht, dass die Schulbehörde ihre Parzelle nun an einen Dritten veräussern möchte.

Vor einer Woche wandte er sich dann zusammen mit Architekt Andreas Imhof von der air Architekten ag in Kreuzlingen und Einwohner Martin A. Walser an die Presse. «Das Vorgehen der Schulbehörde hat mich erstaunt», sagt Fromer, der davon ausging, ein Projekt mit genügend Attraktivität vorgestellt zu haben. «Das ist nicht professionell.»

Walser kritisiert, dass der Kriterienkatalog «völlig untransparent» gewesen sei und Fromer nicht die Möglichkeit bekam, sein Projekt auch an der Versammlung vorzustellen. Dieser ägert sich, habe die Schulgemeinde doch stets signalisiert, an seiner Idee interessiert zu sein. Was den Preis betrifft wäre er bereit gewesen, mit seinem Mitinteressenten gleichzuziehen.

Kriterien waren kein Geheimnis
Am Dienstag fiel dann die Entscheidung: Mit 33 Ja- zu sechs Nein-Stimmen erhielt Ivo Huser schliesslich den Zuschlag. Vor der Abstimmung erläuterte Schulpräsidentin Isabelle Wepfer das Vorgehen und legte auch die Kriterien dar, zu denen unter anderem Familienfreundlichkeit, Grösse und Anzahl der Wohneinheiten, persönlicher Eindruck sowie der Preis zählten. Diese seien niemals ein Geheimnis gewesen. «Herr Fromer hat sich nicht nach den Kriterien erkundigt», so Wepfer. «Wir hätten auf jeden Fall Auskunft gegeben.» Richtig sei, dass die Schulbehörde Fromer ein Mandat zur Projektentwicklung gegeben habe, jedoch «zu seinen Risiken und Lasten», erklärt Wepfer. «Versprochen haben wir nichts.» Mit 750’000 Franken habe Huser auch den höchsten Preis geboten – von Fromer sei erst auf Anfrage eine Offerte eingegangen. «Schlussendlich hatten wir auch Bedenken: Eine Überbauung mit 33 Wohnungen schien uns doch sehr gross für Neuwilen, das Projekt von Ivo Huser empfanden wir als verträglicher.» Zudem wollte Wepfer festhalten, dass die Schulbehörde von den Stimmbürgern bereits die Kompetenzen zugesprochen bekam, über den Verkauf eigenmächtig zu entscheiden. «Doch wir wollten sie trotzdem abstimmen lassen.»

Verzicht auf Rekurs
Martin A. Walser behielt sich vor, gegen die Versammlung Rekurs einzulegen. Am Morgen danach gab er bereits bekannt, dass er «nach reiflicher Überlegung» darauf verzichte, wenngleich er unter anderem mit dem vorgelegten Antrag der Behörde (ohne Verkaufspreis) unzufrieden gewesen sei und es für ihn noch immer Ungereimtheiten in den Ausführungen der Präsidentin gäbe. Zudem sei es «bedauerlich, dass sich rund 79 Prozent der SchulbürgerInnen nicht für ein Geschäft interessiert haben, das sehr wesentlich für die weitere Entwicklung von Neuwilen gewesen wäre», beklagt er.

Ein hoher Gewinn
Die weiteren Traktanden an der Schulgemeindeversammlung wurden speditiv bearbeitet. Ueli Vetter (Bau und Infrastruktur) teilte mit, dass die Sanierung der Schulräume SEK Trakt B positiv verlaufen und termingerecht durchgeführt werden konnte. Bei der Investitionsrechnung wurde ein positiver Abschluss erzielt (Minderkosten: 4’820,60 Franken).

Katrin Burkart präsentierte die Rechnung 2012: «Zahlenmässig war das letzte Jahr ein voller Erfolg.» Die Rechnung schliesst mit einem Gewinn von 384’289,55 Franken, was hauptsächlich auf vermehrte Steuereinnahmen sowie der guten Budgetüberwachung der beteiligten Mitglieder zurückzuführen sei. Die Schulgemeinde nahm die Rechnung sowie die Vorschläge, 250’000 Franken auf das Konto für Sanierungen oder Neubauten von Schulanlagen sowie 100’000 Franken in den Fonds für Schulprojekte zu übertragen, einstimmig an. Die übrigen 34’300 Franken werden dem Eigenkapital zugeschrieben.

Die Arbeiten an den Spiel- und Pausenplätzen in Alterswilen und Hugelshofen seien mehr als gelungen, teilte Isabelle Wepfer mit. Rund 40’000 Franken wurden dafür aus dem Fonds für Schulprojekte aufgewandt.

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