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Ein Haifisch am Bodenseeufer

Kreuzlingen – Alles ist möglich, zumindest für Leopold Huber. Der Intendant des See-Burgtheaters bringt einen Haifisch ans Bodenseeufer und bildet damit die Kulisse für eines der bekanntesten Theaterstücke der heutigen Zeit.

Bühnenbildner Klaus Hellenstein und Intendant Leopold Huber zeigen das Modell der Seebühne, auf der das See-Burgtheater in diesem Sommer das Stück «Dreigroschenoper» im Seeburgpark aufführt. (Bild: Thomas Martens)

Bühnenbildner Klaus Hellenstein und Intendant Leopold Huber zeigen das Modell der Seebühne, auf der das See-Burgtheater in diesem Sommer das Stück «Dreigroschenoper» im Seeburgpark aufführt. (Bild: Thomas Martens)

Als die «Dreigroschenoper» im August 1928 in Berlin uraufgeführt wurde, war ihrem Schöpfer Bertold Brecht wohl kaum bewusst, welch Meilenstein der Theatergeschichte ihm damit gelang. Es dürfte nur sehr wenige Menschen geben, die bisher nicht von dem Stück über Geld und Gier gehört haben. Und so dürfte Leopold Huber, neuerdings ohne Hut, mit seinem diesjährigen Stück ein äusserst niederschwelliges Kulturangebot für ein breites Publikum gelingen.

Temporäre Bühne
Wie in den Vorjahren entsteht im Seeburgpark direkt am Wasser eigens für die Proben und 20 Aufführungstage vom 11. Juli bis 8. August eine temporäre Bühne. In den Mittelpunkt rückt der langjährige Bühnenbildner Klaus Hellenstein einen Hai, der einen Container verschluckt. Der Raubfisch selbst ist bereits stark angenagt und ausgeweidet, für Huber ein Zeichen dafür, dass auch die Mächtigen zum Opfer werden können: «Ich möchte das Verfressene, das Verkommene zeigen.»
Bekanntlich handelt die «Dreigroschenoper» vom Verfall der guten Sitten, von Abzocke, Korruption und Machtmissbrauch. Und passt damit bestens in die heutige Zeit der unersättlichen Manager: «Wenn man bedenkt, wie aktuell die Dreigroschenoper ist, kommt man nicht um dieses Stück herum», sagt Huber.

Es kreist um vier Hauptpersonen. Als Mackie Messer konnte der Intendant Giuseppe Spina verpflichten, der vergangenes Jahr den Stelzfuss in «Black Rider» verkörperte. Dessen Gegenspieler, den «sauberen Geschäftsmann» Peachum, mimt Erich Hufschmid, und den Part seiner Tochter Polly übernimmt Carin Lawey. Hubers Gattin Astrid Keller spielt die Bordell- und Eskortchefin Jenny.

Musik und Gesang live
Musik und Gesang kommen wie gewohnt live von der Bühne. Kurt Weills berühmte Songs stellen Schauspieler und Band dabei vor grosse Herausforderungen: «Wer Weill spielen will, muss klassisch ausgebildet sein und dann auch noch was von Jazz verstehen», fordert Huber. Für die musikalische Umsetzung der gewollt leicht schrägen Weill-Töne ist einmal mehr Volker Zöbelin zuständig, der laut Huber die enstprechenden Musiker bereits um sich geschart habe.

Premiere ist am Donnerstag, 11. Juli, um 20.30 Uhr. Die überdachten Zuschauerränge am Ufer fassen 350 Besucher. Karten gibt es unter info@see-burgtheater.ch und ab 26. Juni bei Kreuzlingen Tourismus, Tel. 071 670 14 00.

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