/// Rubrik: Topaktuell

Der Kampf um Stimmen beginnt

Kreuzlingen – Die Volksinitiative für einen autofreien Boulevard kommt zustande. Von den Initianten wurden mehr als genügend Unterschriften gesammelt. Innerhalb der nächsten 18 Monate wird das Stimmvolk an die Urne gerufen.

Jost Rüegg und Daniel Moos freuen sich über den Etappensieg. (Bild: sb)

Jost Rüegg und Daniel Moos freuen sich über den Etappensieg. (Bild: sb)

949 Unterschriften gab es, 885 sind gültig und 840 hätten genügt. Jost Rüegg steht die Freude ins Gesicht geschrieben: «Jetzt haben wir das erreicht, was wir wollten – das Volk darf entscheiden.» Damit nahmen er und seine beiden Mitstreiter Brigitta Engeli und Daniel Moos dem Stadtrat «eine grosse Last ab.» Mit untauglichen Mitteln habe sich die Verwaltungsspitze bisher «vergeblich bemüht, die Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen».

Nachdem die Unterschriftensammelaktion in den ersten Wochen auf Grund des kalten Wetters eher schleppend anlief, ging’s dafür gegen Ende ziemlich rasant. «Vor allem die Gewa hat uns Schub gegeben», sagte Rüegg. Hier trafen die Initianten die Vielzahl an Kreuzlinger Stimmbürgern, die sie in den Wochen zuvor auf den Strassen der Stadt schmerzlich vermisst hatten. Eine wichtige Erkenntnis konnte Jost Rüegg somit ganz nebenbei gewinnen: «Man trifft in Kreuzlingen nur etwa ein Drittel Stimmbürger, der Rest kommt von auswärts oder ist nicht Schweizer Bürger.»

Die Tatsache, dass die Kreuzlinger an der Gewa so bereitwillig ihre Unterschrift auf die Listen setzten, macht Rüegg auch zuversichtlich: «Ich denke, die Gegner unserer Initiative täuschen sich. Wenn uns acht von zehn Stimmbürgern positiv gegenüber stehen, dann hat das schon was zu sagen.» Und die Geschäfte würden an einem autofreien Boulevard nicht sterben, die Beizen schon gar nicht.

Ob die Befürworter der Volksinitiative tatsächlich auch für eine Begegnungszone ohne Kraftfahrzeuge sind, weiss Rüegg aber auch nicht mit Sicherheit. Tatsache ist: «Sie wollen selbst darüber entscheiden.» Deshalb kann der erfahrene langjährige Lokalpolitiker auch gut mit einer Niederlage leben, «Hauptsache es gibt endlich ein Votum.» Interessant dürfte ihm zufolge auch sein, wie sich der Stadtrat positioniere, denn dieser gebe dem Gemeinderat in der Abstimmungsbotschaft eine Empfehlung ab.

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One thought on “Der Kampf um Stimmen beginnt

  1. Bruno Neidhart

    Wenn gemeint wird, nur die Fussgänger laufen zu lassen, dann sei alles im Butter, könnten sich „die Stimmenfänger von der Geha“ ganz schön täuschen. Dass die „Restbeizen“ bei schönem Wetter besucht werden, ist jetzt schon Fakt. Doch es braucht gerade im Gaststättenbereich an dieser Strasse viel mehr Kreativität und Mut, um Typisches zu schaffen. Wo ist etwa das „Stadtrestaurant“ oder die „Ratsstube“, in der sich Kreuzlinger aller Schichten und jeder Provenienz treffen können – modern, top? Wo ist das „Kulturcafé“ – etwa mit Kino/Theater verbunden? Wo das „alternative, junge“? Und die Geschäftswelt kann sich auf Dauer nicht nur mit vielen Banken als Merkmal positionieren. Warum nicht eine Art „Uhrencenter“ im Grenzort als CH-Spezialität? Und-so-weiter! Alle Wege sind offen. Eine komplette Generalüberholung der Hauptstrasse ist die Bedingung, um Zukunft zu schaffen. „Nur Spazierengehen“ kann mann nötigenfalls auch am Lengwiler Weiher oder am Seeufer. Oder eben in Konstanz. Letztere Variante ist für Kreuzlingen bekanntlich wenig zukunftsträchtig.

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