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In Gottlieben ist die Welt in Ordnung

Kreuzlingen – 35 Bürger kamen zur ordentlichen Gemeindeversammlung der politischen Gemeinde Gottlieben, mehr als zehn Prozent der gesamten Einwohnerschaft. Und das, obwohl die Traktandenliste keinen Zündstoff und wenig Diskussionsbedarf barg.

Der Gottlieber Gemeinderat mit Finanzchef Peter Rüegg, der Ehemaligen Claudia Ruckstuhl, Andreas Lampel (Bau), der Neuen Lisa Raduner (Bildung, Tourismus, Kultur), Raimond Kronig (Feuerwehr, Werke) und Frau Gemeindeammann Rosmarie Obergfell. (Bild: Thomas Martens)

Der Gottlieber Gemeinderat mit Finanzchef Peter Rüegg, der Ehemaligen Claudia Ruckstuhl, Andreas Lampel (Bau), der Neuen Lisa Raduner (Bildung, Tourismus, Kultur), Raimond Kronig (Feuerwehr, Werke) und Frau Gemeindeammann Rosmarie Obergfell. (Bild: Thomas Martens)

In der kleinsten politischen Gemeinde des Thurgaus scheint die Zeit still zu stehen und die Welt ist in Ordnung. Jeder kennt jeden, bei exakt 303 Einwohnern aber auch kein Wunder. Der Zusammenhalt untereinander ist gross, ebenso das freiwillige Engagement.

In einem derart intakten Umfeld hat natürlich ein Gemeindeammann leichtes Spiel, vielleicht auch gerade weil er in diesem Fall und seit Juni 2011 eine Frau ist. Rosmarie Obergfell hat den Laden mit ihrem fröhlichen und freundlichen Wesen offenbar gut im Griff, jedenfalls führte sie routiniert und zügig durch die Gemeindeversammlung.

Ihr Jahresbericht 2012 wurde einstimmig zur Kenntnis genommen. Hier ging sie auch auf das Thema Parkplätze ein, das in der Versammlung im Dezember bereits eine grosse Rolle spielte. Damals wurde beschlossen, zum 1. April dieses Jahres eine Parkplatzbewirtschaftung einzuführen, mit speziellen an Einwohner vermieteten und reservierten Flächen. Dieser Regelung erteilte der Kanton jedoch eine Absage, weshalb die Gemeinde jetzt bis Ende 2013 nachbessern will. Ein Bürger brachte es auf den Punkt: «Wenn ich zahle, möchte ich auch einen Parkplatz.»

Rechnung schliesst mit Defizit
Ebenfalls einstimmig genehmigt wurde die Rechnung 2012, die mit einem gemäss Finanzchef Peter Rüegg «leicht negativen Ergebnis» von minus 12327 Franken schloss. Der «Aufwandüberschuss» wird wie vom Gemeinderat beantragt auf dem Konto Steuerausgleichsreserve verbucht. Markante Abweichungen zum Budget gab es unter anderem bei Friedhof und Bestattungen mit einem Aufwand von mehr als 14000 Franken. Dabei mussten die Bestattungskosten für einen Konstanzer übernommen werden, der 2012 auf Gottlieber Gemarkung verstarb. Da sich sonst niemand dazu bereit erklärte, blieb die Gemeinde auf den Kosten sitzen. «Wir sind aber auch sonst grosszügig und übernehmen die Bestattungskosten für unsere Einwohner», erklärt Rüegg.

Während Gottlieben mit knapp 45300 Franken weit weniger als geplant an den kantonalen Finanzausgleich abführen musste, gab es gut 80000 Franken Steuereinnahmen aus Grundstücksverkäufen. Und auch die beiden Asylsuchenden schlagen sich postiv in der Bilanz nieder. Sie halfen beim Unterhalt von Wanderwegen und Parkanlagen mit.

Lasst Blumen sprechen
Einen grossen Blumenstrauss erhielt Claudia Ruckstuhl, einen etwas kleineren Lisa Raduner. Während sich erstere langjährige Verdienste als Gemeinderätin erworben hatte und vom Amt zurücktrat, wurde Raduner mehrheitlich als Nachfolgerin gewählt und muss sich ihre Sporen erst noch verdienen.

Ruckstuhl begründete ihren Rücktritt mit ihrer Bewerbung um einen Sitz im Verwaltungsrat der Raiffeisenbank Tägerwilen. Zum Abschluss ihrer Tätigkeit gab sie noch Informationen aus ihrem Ressort Bildung, Tourismus und Kultur bekannt. So wird der Dorfladen zur Touristinfo und es werden Betreiber einer Station des Konstanzer Kanuverleihers «La Canoa» gesucht.

Ein kleines Ärgernis trübt das Gottlieber Dorfidyll dann aber doch – das Nacktbaden im Seerhein. Ein Bürger brachte seinen Unmut darüber zum Ausdruck. Die einzige Chance sei, die Polizei zu rufen, so Rosmarie Obergfell. Sie könne büssen und Platzverweise erteilen. Mehr aber auch nicht. Vielleicht müssen die Gottlieber eben beide Augen zudrücken.

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