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Kunstwerke voller Leben

Kreuzlingen – Auf raffinierte Foto-Arrangements und eine einmalige Installation aus Elektronik-Schrott können sich die Besucher von Kunstraum und Tiefparterre Kreuzlingen vom 25. Mai bis 30. Juni gefasst machen.

Irina Polin spiegelt sich und andere. (Bild: Thomas Martens)

Irina Polin spiegelt sich und andere. (Bild: Thomas Martens)

Wer die grossformatigen Fotografien von Irina Polin  betrachtet, fühlt sich zunächst an Stilleben erinnert. Doch sie sind mehr: «Ich versuche, meinen Kunstwerken Leben einzuhauchen», beschreibt die gebürtige Moskauerin ihr künstlerisches Wirken. Ob Blumen, Porzellan, Glas oder Spiegel – es gibt fast nichts, was die 42-Jährige nicht gekonnt mit der Linse ihrer Hasselblad fokussiert.

Einige Werke verlangen geradezu nach einer Annäherung, denn erst dann offenbart sich der Detailreichtum der gestochen scharfen Aufnahmen. Mit zunehmendem Abstand verschwimmen manche Fotografien absichtlich in Unschärfe, wofür Irina Polin einen fototechnischen Effekt in der Nachbearbeitung verwendet. Die Künstlerin, die seit 20 Jahren in der Schweiz lebt und 2007 mit dem Swiss Photo Award ausgezeichnet wurde, provoziert mit ihren Aufnahmen auch mal gerne, oder fügt eine emanzipatorische Komponente ein.

Trotz einiger nackter Frauenbeine sind ihre Werke aber keineswegs sexistisch, auch wenn dies Kurator Richard Tisserand und den als Gast anwesenden Leopold Huber vom Seeburg-Theater zu allerlei wilden Spekulationen hinreissen liess. «Meine Werke lassen durchaus unterschiedliche Interpretationen zu», möchte Irina Polin den Betrachter zum Nachdenken anregen.

Licht ins Dunkel
Im Tiefparterre ist’s schummrig – und das ist auch gut so, denn nur so kommt die einmalige Installation «Archipel» von Susanne Hofer zur Geltung. «Diese habe ich eigens fürs Tiefparterre angefertigt», freut sich die 43-jährige Videokünstlerin über die Einladung Tisserands.
Sie liess sich von den speziellen Gegebenheiten des niedrigen, düsteren Raumes inspirieren und was dabei herauskam, ist durchaus spektakulär. Mittels verschiedenen ausrangierten, aber noch funktionsfähigen  Elektrogeräten wie Radiowecker, Computer, Radios oder Videorekorder stellte sie eine Installation aus drei «Inseln» zusammen.

Die Elektrogeräte sind am Netz, laufen, leuchten und blinken. Abgefilmt und an die lange Rückwand projiziert, zaubert die gebürtige Luzernerin eine phantasievolle Skyline mit Hochhäusern, Lichtern und Leuchtreklame. «Die drei Kameras erlauben es auch, zusätzlich Bewegung in die Projektion zu bringen, in dem man selbst dafür sorgt», sagt Hofer, wedelt mit ihren Fingern vor der Linse herum oder bewegt sich mal eben als Godzilla zwischen den Wolkenkratzern umher.

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