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«Die Antwort der Stadt ist inakzeptabel»

Kreuzlingen – Viel Applaus gab es an der katholischen Kirchgemeindeversammlung am Montagabend – und das lag nicht nur an den Ehrungen und Verabschiedungen, die es gab. Die Kirchbürger goutieren die harte Haltung, welche die Vorsteherschaft bei Stadthausplanung und Umgebungschutz St. Ulrich zeigt.

Den Auftrag, sich ein Mitspracherecht bei der Stadthausplanung zu sichern, hat die Kirchenvorsteherschaft offenbar sehr ernst genommen. Man habe sich die nötigen Dokumente beschafft und umfangreiche Recherche betrieben, dann Standpunkte formuliert und den Kontakt zur Stadt gesucht, teilte Vorsteherschaftspräsident Thomas Gisler den 80 Anwesenden mit.

In wichtigen Punkten herrscht keine Einigkeit mit dem Stadtrat. Einen grundbuchamtlichen Eintrag etwa, der die weitere Bebauung des restlichen Teils der Festwiese verhindern würde, oder eine spezielle Abstandsforderung im Architekturwettbewerb will die Stadtregierung nicht haben.
«Das ist nicht zu akzeptieren», so Gisler. Gisler wird nun in der Jury des Architekturwettbewerbs Einsitz nehmen. «Wir werden die Wettbewerbs­ergebnisse abwarten und dann entscheiden, was wir machen können.»

In den anderen Punkten herrscht weitgehend Einigkeit zwischen Vorsteherschaft und Stadtrat. Zustimmung finden die Ansinnen, «missfällige Verhältnisse» vor Kirche und Friedhof alsbald einer «würdigen Gestaltung» zuzuführen und die Forderung, dass eine Zufahrt zur Tiefgarage nur über die Pestalozzistrasse erfolgen kann. Nur mit Vorbehalt akzeptiert der Stadtrat, dass ab sofort keine zusätzlichen Parkplätze auf der Festwiese erstellt werden.

Gisler zitierte aus den Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) von 2001 und 2012. Diese hatte 2001 geschrieben, dass «die Unverbaubarkeit des oberen Teils der Festwiese für die Zukunft rechtlich festgeschrieben wird» und dass «eine Bebauung unmittelbar am Südwestrand, d.h. gegen die Hauptstrasse sowie am Nordwestrand entlang dem oberen Teil der Pestalozzistrasse» undenkbar ist. 2012 revidierte die Kommission ihre Meinung.

«Öffentliche städtische Bauten» dürfen sich der Kirche nun «behutsam und mit angemessenem Abstand» auch von Westen nähern (wir berichteten). Dorn im Auge ist der Kommission im Gutachten vom vergangenen Jahr der Parkplatz. Das Areal sei «bald möglichst wieder einer würdigen Gestaltung zuzuführen.»

Zur «missfälligen Situation» sei es gekommen, weil die Parkplätze erweitert und eine Zufahrtsstrasse zum Kultur- und Sportzentrum gebaut wurden. Dazu komme noch der fehlende Eintrag im Grundbuchamt.

In ihren Voten äusserten sich auch Kirchbürger zum Geschäft. Sie verliehen ihrer Freude über den klaren Standpunkt der Vorsteherschaft Ausdruck oder kritisierten den Stadtrat. Dass damals kein Grundbucheintrag vorgenommen wurde, sei fast schon «grob fahrlässig» gewesen, sagte ein Herr. Bei den «grössenwahnsinnigen Plänen» der Stadt müsse man sich «auf die Hinterbeine stellen und auch mal Nein sagen». Dafür gab es Applaus.

Gewinnverwendung geändert
Den erhielt auch Kirchenpflegerin Cornelia Eisenberg-Helg, welche die Rechnung 2012 präsentierte. Sie schliesst mit einem Gewinn von 453500 Franken besser ab als budgetiert. Auf Antrag des ehemaligen Kirchenpflegers Franz Flammer wurde die Gewinnverwendung geändert. 400000 Franken werden wie von der Vorsteherschaft vorgeschlagen in den Peter-Vetterli-Fonds gesteckt. Statt den Rest des Gewinns für eine erwartete Nachzahlung Zentralsteuer zurückzustellen, wird er nun dem Eigenkapital zugewiesen. Mit 40 Ja bei 24 Nein und 13 Enthaltungen wurden Rechnung und geänderte Gewinnverwendung angenommen.

Ehrungen und Verabschiedungen
Bastian Wohlfender stellte sich kurz vor und wurde mit Applaus zum neuen Urnenoffizianten gewählt. Mit Applaus, Blumen und Hüppen geehrt wurden Pastoralassistent Ivan Trajkov (zehn Jahre), Religionslehrerin Christa Reitze (20 Jahre), Katechet Bruno Schwaller (20 Jahre) und Aktuarin Isabelle Mahler Klemenz (zehn Jahre). Verabschiedet und mit ebensolchen Präsenten bedacht wurden Priester Gion-Flurin Coray, Katechetin Alexandra Ilg, Hauswart Farago Zoltan, Religionspädagoge Joza Tadic und Hauptkirchenmusiker Bruno Sauder.

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One thought on “«Die Antwort der Stadt ist inakzeptabel»

  1. Bruno Neidhart

    Es ist tatsächlich einmal genau zu klären, wie es sein konnte, dass die EKD plötzlich zu einem anderen Urteil gelangte, soweit es eine mögliche Bebauung entlang der Pestalozzistrasse in ihrem „oberen Teil“ betrifft. Selbst „die Stadt“ vertrat stets die Meinung, dass hier nicht gebaut werden sollte, stellte sich den Stadthausbau dagegen im „Dreispitzpark“ vor (was allerdings aus verschiedenen Gründen von Anfang an zum Scheitern verurteilt war!). Der katholischen Kirchgemeinde kommt nun die Aufgabe zu, eine epochale Fehlentwicklung am Bärenplatz zu verhindern, um das historisch bis heute erhalten gebliebene Stadtbild: „Offen gehaltene Gemeindewiese – barocker Kirchenkomplex“ in seiner Grosszügigkeit und Prägnanz für alle Zukunft zu schützen .

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